Kategorie: Gedanken

Nimm dir Zeit

Nimm dir Zeit, für die Liebe
sie gibt dir Kraft.

Nimm dir Zeit, um auszuruhen
so schöpft du Kraft für den neuen Tag.

Nimm dir Zeit, für Freunde
mit ihnen kommt Freude und Spaß.

Nimm dir Zeit, für dich
nur so bleibst du bei dir.

Nimm dir Zeit, und lass was liegen
es zu tun kommt später die Zeit.

Nimm dir Zeit, für die Alten
sie haben so viel zu erzählen.

Nimm dir Zeit, um zu lachen
es ist ein wahrer Lebensquell.

Nimm dir Zeit, für die Kinder
sie sind die Zukunft der Welt.

Nimm dir Zeit, um zu weinen
denn Tränen lösen den Schmerz.

Nimm dir Zeit zu schweigen
jedes Wort zuviel, kann zerstören.

© petra ulbrich

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Wenn mein Töchting im Bett ist mich lässt, werde ich das Gedicht einsprechen – jetzt funkt sie mir zu oft dazwischen. Das, was ich bislang versucht habe klang viel zu pathetisch. Draußen ist es eklig windig. Der Kerle möchte spazieren gehen, wir wollen alle raus und ich habe ein permanent schlechtes Gewissen, weil ich immer wieder sagen muss: „Geht nicht!“ Es ist niemand da zum begleiten. Und dann höre ich von einer älteren Dame, dass sie am Morgen einen wunderschönen Spaziergang gemacht hat. Leben ist schon kompliziert.

Vermissen

Ganz eigenartige Eigenschaften hat das Vermissen. Wenn ein Mensch uns fehlt, ein ganz bestimmter, vermag das Vermissen sich auszubreiten wie eine Welle – eine große Welle, schwer, dunkelblau mit weißer Schaumkrone – die zahlreiche andere Menschen erfasst und uns auch sie vermissend macht, obwohl das Vermissen nur die eine Person gemeint hat – eigentlich.

Aber uneigentlich heißt Vermissen, etwas spüren können, was eigentlich gar nicht zu spüren ist. Es spüren und zugleich fühlen, dass es fehlt und Schmerz darüber empfinden, ein Schmerz, der Vermissen heißt.

Vermissen hat viele Schlüssel – goldene mit Schnörkel, die zu einer großen Truhe passen und klitzekleine alte abgeschabte für ein Tagebuch – und es schleicht sich zuweilen in unsere Herzen, wenn es noch gar nicht Zeit dafür ist.

Dann ist der geliebte Mensch, den wir vermissen werden – später – noch an unserer Seite, der Abschied noch Stunden entfernt, in unserer Brust knospt aber schon die Traurigkeit, als läge das Leben wohl viele Tage zurück.
Vermissen hat den Geruch eines Mittwochnachmittaglichts und die Farbe vom Abendhimmel, wenn die Engelchen Weihnachtsbrot backen und in manchen Momenten das schillernde spiegeln von Seifenblasen im Spätsommerlicht.

Vermissen lehrt uns, verletzt zu sein.

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Eigentlich wollte ich ein weiteres gesprochenes Gedicht bloggen. Aber dann kam mir dieser Text dazwischen…

außer der Reihe

Verwandtschaftsgeschichten habe ich erfahren – keine schönen. Cousinen geht’s nicht gut. Nein, das ist ja gar nicht wahr. Es ging ihnen sehr schlecht, jetzt wieder besser. Gut ist allerdings was anderes, die Lage hat sich lediglich stabilisiert.

Und ich klage! Nicht zu Unrecht, doch sollte ich demütig sein. Bin ich. Aber auch allein.

In drei Tagen ist das neue Jahr da. Eins, mit meinem Geburtstag. Vor vier Jahren habe ich mehr gehustet – und dann bin ich plumps auf die Nase gefallen und fünf Minuten vor Mitternacht mit Blaulicht in den 29. Februar auf die Intensivstation*. So etwas ist nicht noch einmal nötig. Meinen Auschwitzroman habe ich an die Seite gelegt, lese lieber Bilder- und Viertklässlerromane vor, um abends dann mit diversen Podcast auf den Ohren, Morpheus die Kuscheldecke auszubreiten. Kann man Gin auch warm machen, mangels Rum oder so? Nein, da sträuben sich die Nackenhaare, das ist Frevel! Mein Großvater hat warmes Bier gegen Erkältung getrunken. Doch Bier gibt’s hier nicht…

*nachdem ich schon einen Monat im Krankenhaus war.

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