Wie aufregend ein kleines Leben doch ist – des Kerles Zustand hat sich in den frühen Abendstunden verschlechtert. Er wurde käsweiß, kaltschweißig, apathisch und lag wie ein Stein im Bett. Aus dem Grund habe ich die elfsechselfsieben angerufen. Dort bin ich an einen verständnisvollen, offensichtlich kompetenten Mitarbeiter geraten, der kluge Fragen stellte. Er hat mich weiterverbunden an die Rettungsleitstelle. Der Mitarbeiter dort hat mich auch noch einmal ausgefragt und gemeinsam sind wir zu dem Entschluss gekommen – auch weil ich leichte Panik verspürte – dass sich ein Rettungssanitäterteam den Kerle anguckt, Blutdruck misst, Zuckerwerte, Sauerstoffsättigung kontrolliert und eventuell ein EKG erstellt. Carsten war flattrig, ich aber auch!
Das Töchting ließ sich ohne Probleme ins Bett bringen. Wenn’s wirklich brenzlig wird, sind die Junioren tough. Der Rettungswagen kam ohne Blaulicht und zwei junge Sanitäter brachten Ruhe mit. Routiniert spulten sie ihr Programm ab. Jedenfalls soweit sie es bei dem Winzling abspulen konnten. Alle Werte in Carstens Rahmen. Kognitiv war er wieder besser drauf – genau das hatte mir am meisten Sorgen gemacht. Wißt ihr, wenn sich ein anderer erwachsener Mensch die Situation ansieht und nicht nur am Telefon einschätzt, das hatte ich gebraucht. Sie meinten, sie können es vertreten, dass sie den Kerle nicht ins Krankenhaus bringen. Er darf unter meiner Beobachtung daheim bleiben, wenn wir morgen zum Hausarzt gehen – die Lage ist beruhigt. Ich sollte bloß ein leichtes Equipment anschaffen z. B. Pulsoximeter und vielleicht ein Blutdruckmessgerät. Schauen wir mal, ich bin noch nicht wirklich von der Notwendigkeit überzeugt!
Sie sind weg. Der Kerle schläft, Wiebke auch, ich bin hundemüde und hellwach zugleich – aber wenigstens ein klitzekleines bisschen beruhigt.
…und irgendwie werde ich immer unsicherer mit jeder brenzligen Situation!