Kategorie: Behinderung

Ein neuerlicher Versuch einer Erklärung

Im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld zeige ich – zeige ich es wirklich, oder fühle ich mich nur so? – jedenfalls kommt es mir so vor, dass ich ein unbeholfenes Verhalten habe. Mir wird gesagt, dass ich manches Mal unhöflich, arrogant und respektlos wirke. Ich sei analytisch und unterkühlt und würde oft unangemessen laut sprechen.

Selber habe ich beobachtet, dass ich nicht verstehe, wann ein Gespräch beendet ist und dass ich anderen Personen ins Wort falle, wenn ich denke zu wissen, was sie sagen wollen.

Small Talk bereitet mir große Schwierigkeiten und was ich bereden soll, das weiß ich oft nicht. Small Talk sehe ich manchmal als richtiges Gespräch an und will daraus ein großes machen, was vermutlich oft als unangemessen betrachtet wird, weil es eben nur ein kleines ist.

Telefonieren tue ich äußerst ungern. Erstens weiß ich nicht, wann ich wieder dran bin und zweitens kann ich dabei noch weniger einschätzen, was mein Gegenüber in Zwischentönen sagen möchte.

Ich bin ehrlich, oft sogar mit einer kindlich naiven Offenheit oder mit einer Sachlichkeit, mit konsequenter Stringenz, die mir als andersartiges Verhalten vorgeworfen wird.

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 Das alles war gerade wieder einmal mein Verhängnis! Ich habe zwar irgendwann gesagt, dass ich im Autismus-Spektrum bin, es hat mir aber nichts geholfen, weil es zu spät geschah und mein Gegenüber von danach an eine Gebrauchsanweisung haben wollte, die ich ihm natürlich nicht geben konnte – auch dieser Versuch einer Erklärung ist es nicht, kann es gar nicht sein, denn ich verhalte mich, wie andere Menschen im Übrigen auch, immer anders – den Umständen entsprechend. Nur, dass ich nicht berechenbar bin!

zurückziehen, oder?

Mit den Junioren, mit mir, um mich herum, mit meiner Umwelt und überhaupt – es passieren Dinge, die mich ängstigen, die mir sehr zu schaffen machen, für die ich Verantwortung trage und auch wieder nicht. Dinge, die mir geschehen, die ich nicht will und ganz viel mehr. Mir scheint, dass vieler Menschen Leben in diesen Zeiten fremdbestimmt wird. Meine Fürsorge gilt jetzt meinen Kindern, sie möchte ich nicht so in Stich lassen, wie ich im Moment in Stich gelassen wurde.

Still möchte ich sein, schreien will ich, singen und weinen, nützen wird es mir nichts – und eigentlich möchte ich reden, fragen, klären und wissen. Nur Antworten werde ich keine bekommen!

Mairegen lass mich wachsen

Wir wachsen alle über unsere Verhältnisse, werden geduldiger – notgedrungen! Der Mai bringt Regen. Gott sei Dank! Meine Kräuter wachsen. Wir werden in anderer Sache geduldig sein müssen und das hat nichts mit wachsen zu tun, eher etwas damit, dass nichts wächst, nichts größer wird und Carstens Hals und Rücken vollständig in Beschlag nimmt. Diese vermaledeite Pilzinfektion  verschwindet auch mit guter Pflege nicht.


Der Kerle ist kaputt – ja, so sagt er es selber: „Mama, ich bin völlig kaputt!“ Er hat winzige Augen und ich bin verleitet ihm Handschuhe anzuziehen. Solche, die er als Baby hatte, damit er sich seine allergiegeschundene Haut nicht aufkratzt. „Du, Petra!“ manchmal, sehr oft nennt er mich einfach beim Vornamen: „Du Petra, es ist saublöd – am liebsten würde ich mich nackt in den Regen stellen oder Dauerduschen, dann juckt’s nicht so!“ Salbe reicht also nicht! Carsten braucht anscheinend doch ein Antimykotikum zum Einnehmen. Unser Doc ist da sehr skeptisch, weil es wohl auch den Appetit beeinträchtigt und das kann Carsten gar nicht gebrauchen. Was machen wir? Geht ja gut los – der Mai!

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