Kategorie: Behinderung

Werkstattnormalität

Es wird noch etwas länger dauern, bis die Junioren wieder zur „Arbeit“ gehen können. Zuerst werden die fitten, die, die auch produktiv sein können, die behinderten Menschen, die auch laufen können und die, die nicht körperlich behindert oder krank sind, wieder in die Lebenswerkstatt gehen können. Das wird schrittweise passieren. Momentan sind ca. 10 von 80 behinderten Mitarbeitern in der Werkstatt. Und es sind Menschen, die in den angrenzenden Wohnheimen leben.

Carsten und Wiebke sind nicht in einer der ersten Gruppen. Beide sind nicht in einer hochproduktiven Abteilung, sondern eher im Förder- und Betreuungsbereich, außerdem sind sie Rollstuhlfahrer und da gibt es Beschränkungen. Ferner werden sie nicht den Abstand wahren können, da beide körperlich gepflegt werden müssen und das geht eben nur mit Nähe. Außerdem sind beide in der Hochrisikogruppe – erstens wegen ihrer eigenen körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen und zweitens wegen mir: ich war sehr krank, bin immer noch nicht vollständig gesund und es wäre fatal, wenn tatsächlich eine Ansteckung zustande käme. Ausschließen kann das niemand!

Wir schaffen das daheim. Es ist nur manchmal, wie überall, langweilig. Schade ist, dass Carsten abbaut – sowohl körperlich, als auch geistig – ihm fehlt der Input von außen. Ich versuche Menschen zu uns kommen zu lassen. Es ist nur begrenzt und seine Kumpels können diese auch nicht ersetzen.

Es wird wieder. Es dauert nur. Aber es wird nicht ewig dauern und bis es wieder soweit ist, machen wir das beste draus!

um sechs Uhr morgens

… nichts zu sagen! Aber warum muss das Töchting so früh schon wieder singen?

Sicher, auch ich stehe gerne beizeiten auf. Aber ich muss ja ein bisschen was tun und würde doch gerne jetzt noch mal eine Runde schlafen.

„Mama, du bist langweilig!“, sagt Carsten, „Mach’s einfach und lass mich liegen!“

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Mich stört bei aller Information zu Corona, dass zwar viel über Altenheime, Schulen und Kindergärten gesprochen wird, dagegen die behinderten Menschen, die Daheim wohnen, anscheinend völlig unter den Tisch fallen. Nachrichten diesbezüglich kommen nur kleckerlesweise, oder man muss sie den Verantwortlichen in Behörden und Werkstätten aus der Nase ziehen.

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… und eigentlich wären die Junioren jetzt auf einer Freizeit am Lago Maggiore!

höfliche Lebensart

Zur Lebensart gehört, dass man auch gegen sich selbst höflich sei.

Jean Paul

Höflich sein zu sich selbst, was bedeutet das für Euch?

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Für mich bedeutet es zum Beispiel, dass ich mich bei Bedarf zurückziehe. Dass ich mir Nischen schaffe und mir Zeit und Raum gebe. Nicht immer einfach. Besonders dann nicht, wenn ich meinen Junioren gerecht werden möchte. Carsten hat heute Nacht bis um zwei Uhr am Tablet gespielt und Wiebke um sechs Uhr begonnen (mit) zu singen. Ein jeder von ihnen hat sich von dem anderen belästigt gefühlt. Abbekommen habe ich es.

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