Kategorie: Behinderung

Achterbahn

Es ist angeschmissen – das Gedankenachterbahnkarussell! Schon in der Nacht konnte ich nur kurz aussteigen, aber schon bald hat der Fahrgeschäftbetreiber wieder gedrängelt, dass ich doch vorne in den ersten Wagen mitfahren muss. Ganz vorne sitzt jemand anderes – ich will ihn nicht wahrhaben und drehe mich um. Allerdings schwirrt mir deswegen der Kopf noch viel mehr.

Dem Kerle geht es heute Morgen verhältnismäßig gut. Solange ich es vertreten kann und die Werkstatt mitspielt, wird er dort hingehen. Für ihn ein Stück Normalität und für mich auch. Es sieht gut aus! Aber ich kenne es, diese langsame Strecke ist nur dazu da Schwung zu holen und dann den Looping zu machen. Es ist dreckig im Haus – gestern waren wir nach dem Regen spazieren und haben mit den Rollstuhlreifen lehmige Erde in die Diele und nicht nur dahin getragen. Jetzt ist die Erde trocken oder in den Teppich gerollt worden. Manche Menschen beruhigt es zu putzen, mich macht es noch wuschiger – es wäre gut, wenn mir jemand dabei helfen würde. Statt, dass es das Gedankenkuddelmuddel aufdröselt verdichtet sich das Durcheinander und verklumpt. Ich bin müde, kaputt, voller Trauer und großen Ängsten. Wird das Telefon klingeln? Es ist kurz nach neun, die Waschmaschine rattert, ich sitze mit dem kalten Kaffee und starre ins Leere.

Gestern Abend hat noch ein Mensch angerufen, der mir erzählt, dass ab Donnerstag der integrative Jugendtreff im Nachbarort wieder startet. Ein Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer – Zeit zum Durchatmen. Zeit, mal ohne Verplanung, ohne Planung für mich, ohne Therapie – einfach nur Spaß für die Junioren!

Heute – jetzt, steige ich erst einmal aus dem Rummelgeschäft aus. Es geht irgendwie, einatmen, ausatmen, mich aufraffen, immer wieder, neu beginnen, den Mut nicht verlieren und rausgehen, Menschen finden, mit denen ich reden kann – sowohl, als auch. Sowohl um meine Ängste, als auch einfach nur Spaß haben …

Bitte nicht nur liken – sind doch die Kommentare das Salz in der Suppe. Danke!

das Leben

All diese Tage, die kamen und gingen: Ich hätte nicht gedacht, dass sie das Leben sind. | Stig H. Johannson

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Das Problem mit der Überschrift

Das Problem wegen der Überschrift, ist das kleinste Problem. Aber wie soll ich anfangen, ohne die Dramatik zu dramatisieren? Wie soll ich objektiv erzählen, wenn ich innerlich zerspringe? Draußen läuft das Leben einfach weiter – als sei nichts geschehen, als würde nirgend ein Unheil passieren! Ist das normal? Was ist normal? Zählt ein einzelnes Leben nicht? Aber auch ich sehe nicht die Ängste anderer Menschen, sehe nicht ihren Schmerz und sehe nicht, will es vielleicht auch gar nicht sehen – nein, ich will es nicht sehen, ich habe mit meinem eigenen Schmerz viel zu viel zu tun, da kann und will ich mir nicht auch noch die Sorgen anderer anhören. Auch wenn ihr Schmerz, zwar ein anderer ist, aber mindestens genauso heftig wehtut, wie meiner. Kann man, darf man überhaupt vergleichen? Ist das nicht blasphemisch?

Wo anfangen zu schildern? Bei der Geburt des Kerle? Damit fing mein Schmerz an. Ich wusste damals noch nicht, wie viel mehr Schmerzen noch auf mich zukommen. Wie viel Schmerz ein Mensch aushalten kann – was eine Mutter aushalten kann? Mein Kind stirbt! Noch nicht heute und hoffentlich auch nicht morgen. Aber er wird von Tag zu Tag weniger und ich stehe völlig allein da. Niemand fühlt sich in der Lage mit mir zusammenzusitzen und mit mir zu reden – niemand hält es aus, mich aus, die Situation aus … Sogar die Pastorenfreundin flüchtet, weil auch sie Angst hat. Ich kann nicht weglaufen, ich werde es aushalten müssen, werde zugucken müssen und nichts tun können, um meinem Kind zu helfen. Ich kann nicht helfen! Stattdessen werde ich wütend und zornig – verlange von den Junioren, auch vom Töchting Dinge, die sie nicht leisten können. Nicht mehr leisten können. Auch deswegen nicht leisten können, weil sie behindert sind. In meiner ganzen Ohnmacht werde ich ungerecht. Was mich traurig macht, ist die Tatsache, dass ich mich im Stich gelassen fühle, dass ich die Hilflosigkeit der anderen spüre und mich doch so sehr danach sehne, nicht alles mit mir selbst ausmachen zu müssen. Ich wünsche mir – und da sind wir bei meinem Hauptthema – ein Gegenüber, das mich mit meinen Sorgen und Ängsten aushält und mir zuhört. Auch dann, wenn ich immer und immer und immer und immer wieder dasselbe erzähle. Vielleicht gibt es doch einen Weg aus dem Irrgarten. Und wenn nicht, dann wenigstens ein offenes Ohr und ein Herz, das meine Sorgen teilt!

P.S.: Eigentlich ist der Beitrag ungehörig, aber ich weiß, dass ich mit diesen Sorgen nicht allein bin (Paradox, nicht wahr?). Mag sein, dass andere Menschen andere Sorgen haben, aber sie sind möglicherweise sogar in diesem Moment genauso verzweifelt, wie ich es bin. Gibt es kein Krisenmanagement in diesem doch so reichen, ach so sozialen Deutschland? Wie viele Menschen sitzen gerade irgendwo und können nicht mehr?

Bitte keine mitfühlenden Kommentare. Dass ihr mitfühlend seid, weiß ich, dass ihr gerne helfen würdet, aber nicht könnt, auch. Dass sich bei euch Hilflosigkeit breit macht, tut mir leid und auf keinen Fall möchte ich ein schlechtes Gefühl wecken – vielleicht einen Impuls: schaut mal, was ihr in eurer Umgebung machen könnt, haltet die Augen und Ohren auf und guckt, wo ihr tatkräftig helfen könnt.

Danke! | P.P. S.: Ich schreibe direkt ins Eingabefeld und Bitte wirklich keine Likes, denn ich könnte nicht verstehen, warum man so einen Beitrag als Gefällt mir kennzeichnen kann.

2geteiltes Wetter

Hier, im Dorf des wilden Südens ist es össelig regnerisch: „Ein richtiges Faultierbettwetter!“ Das ist jedenfalls des Kerles Meinung und ich widerspreche ihn nicht. Es sieht auch nicht so aus, als ob es besser, sprich aufklaren wird. Was spricht dagegen in der Falle liegenzubleiben?  Ist mir auch recht. 

Gestern Abend bin ich wie ein Stein ins Bett gefallen. Ein Gin-Cocktail und ich liege flach.  Um zwei Uhr war ich wach, habe die Junioren — wie jede Nacht — gedreht, ins Bett zurückgeschoben und zugedeckt. Und dann konnte ich nicht wieder einschlafen!  Heute ist Sonntag — verschieben wir eben den Gammeltag um 24 Stunden…

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