Kategorie: Behinderung

zehn nach sechs

… am Morgen, ich habe die ersten Nachrichten gehört und nicht verarbeitet. Es brennt in der Welt! Nicht nur real, es brennt die Hütte.
In meiner kleinen Welt zum Glück nicht, doch rund läuft es nicht. Das Töchting hat diese Nacht sehr unruhig geschlafen. Was war konnte oder wollte sie mir nicht sagen. In Tränen aufgelöst spricht sie nicht gut und je mehr ich frage, umso aufgeregter wird sie. Mein Kind ist völlig durch den Wind und ich kann ihr nicht helfen. Dieses nicht helfen können macht mich traurig. Ich kann ihren Seelenzustand nachvollziehen; weiß, dass sie nicht benennen kann, auch wenn sie kognitiv dazu in der Lage wäre, was sie bedrückt und dass sie das noch wütender macht und somit weint. Es ist verdammt nicht einfach behindert zu sein.

Wer hat schon Verständnis für eine kleine Frau, die nicht weiß was sie will und doch großen Kummer hat?

festgelesen

Christine Preißmanns Bücher über Asperger-Autismus sind mir nachdrücklich empfohlen worden. Das eine von Mädchen und Frauen habe ich schon lange. Eigentlich muss ich hatte schreiben, denn ich kann es nicht finden – hab es wohl verliehen und weiß leider nicht mehr wem. Schade, sehr schade! 

Als ich vor Tagen Besuch bekam von einer einfühlsamen Frau einer Beratungsstelle von Autisten, hat mir diese die Bücher von Christine Preißmann sehr ans Herz gelegt – sie kennt die Autorin persönlich! Heute habe ich angefangen das Buch Asperger Leben in zwei Welten zu lesen und empfinde die Lektüre, obwohl sie nicht mehr ganz neu ist, als Offenbarung. Immer wieder könnte ich mir Sätze anstreichen und habe diesen bekannten Aha-Effekt. Ich habe die Angewohnheit in Bücher winzige Eselsohren zu knicken, wenn mich auf einer Seite etwas fesselt. Ich glaube, das Buch besteht später aus lauter Eselsohren! Sachbücher sind mir nicht heilig, es sind Arbeitsbücher und das darf man auch sehen. Zum Beispiel schreibt sie: »Wenn mich jemand besucht, bedeutet es immer sehr viel Stress für mich, und ich habe noch keinen Weg gefunden, ein guter und entspannter Gastgeber zu sein.« So ist das für mich auch, so gestaltet sich auch immer die Situation mit den Helfer*innen. Ich stehe unter Strom, will das nicht, weiß aber nicht, wie ich das entzerren kann. So hoffe ich sehr, dass mir das Buch ein bisschen hilft!

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Eine kurze Bildgeschichte:

von morgendlichen Diskussionen

… übers Fingernägel schneiden, unliebsamen Anziehsachen, vollgeschissenen Windeln und dem viel zu frühen Aufstehen! 

08:02Uhr – Im Moment räsonierte der Kerle darüber was wir am Nachmittag nicht machen können; es soll sonnig werden, auch wenn es gerade gar nicht danach aussieht. Er hat Bedenken, dass die Sonne zu sehr knallt und unsere (ältere) Begleiterin einen Schwächeanfall  – Originalton Kerle – bekommt.  Vorher war er der Meinung, dass ich ihm ins Fleisch schneide und er dadurch eine Sepsis bekommen könnte. Aber den Po, den sollte ich ihn sanft abwischen: „Aber gründlich bitte!“

Das Töchting hatte bestimmte Vorstellungen was sie nicht anziehen wollte! Das T-Shirt, das dann endlich ihre Gnade fand war ein rosafarbenes Ungetüm. (Hinweis an mich – nicht noch einmal waschen, gleich wegwerfen!) 

Für beide könnte das Aufstehen fünf Minuten bevor der Werkstattbus kommt sein, denn frühstücken tun sie sowieso nicht und trinken kann man auch im Bett…

Einen schönen guten Morgen!

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