Als ich die Überschrift heute Nacht schrieb, ging es mir gut. Und eigentlich geht es mir auch jetzt nicht schlecht, auch wenn ich im Moment ein bisschen weiche Knie habe. Immerhin atme ich wieder ordentlich und habe ein neues Medikament bekommen. Wie schön es doch ist, zum Arzt gehen zu können, die Beschwerden zu schildern und dann tatsächlich Hilfe zu bekommen.
Gewogen wurde ich und für zu leicht befunden. Gemessen ebenfalls – und dabei wurde festgestellt, dass ich geschrumpft bin. Im Alter scheint man immer kleiner zu werden, immer weniger Raum einzunehmen, bis man irgendwann ganz verschwindet.
Was allerdings nicht verschwindet, sind die Sorgen. Nicht nur meine eigenen, mit denen ich eigentlich schon genug zu tun hätte. Da sind auch die Sorgen der Junioren, der Freunde und Bekannten. Ausgerechnet die Menschen, die mir immer wieder raten, mich stärker abzugrenzen, kommen zu mir, wenn sie sich etwas von der Seele reden müssen. Ich fühle mich dadurch geehrt, und ich höre gerne zu. Aber es belastet mich auch.
Deshalb war es gestern Nachmittag so wichtig, Zeit mit einer Freundin zu verbringen, mit der ich einmal über ganz andere Dinge sprechen konnte. Über die Blauen Reiterinnen zum Beispiel. Über Ines Klaus, darüber, wo Wiesbaden eigentlich liegt und ob wir vielleicht einmal gemeinsam hinfahren sollten. Über das neue Würth-Museum in Schwäbisch Hall und darüber, wann wir es endlich besuchen werden. Und natürlich auch über die Frage, wer Ines Klaus überhaupt ist.
Einfach unbeschwert reden. Kein belangloser Smalltalk übers Wetter, sondern echtes Interesse am anderen Menschen. Die andere so sein lassen, wie sie ist, mit all ihren Macken und Kanten. Gemeinsam auf hohem Niveau Unsinn reden. Das kann ich nicht mit vielen Menschen.
So etwas konnte ich mit meiner Hamburger Freundin Paula. Ich vermisse sie noch immer. Paula konnte ich mitten in der Nacht anrufen. Dann hat sie mir zwar erst symbolisch den Vogel gezeigt, aber anschließend geduldig zugehört. Sie hat mir ihre Meinung gesagt, ehrlich und schonungslos. Wir konnten miteinander streiten, und genau das vermisse ich heute oft: ein gutes Streitgespräch. Eins, das nicht ausartet. Eins, das die Ansicht des anderen gelten lässt, ohne gleich dessen Person infrage zu stellen.
Vielleicht kann diese neue Freundin die Lücke ein wenig füllen. Ich wünsche es mir sehr.
3. November 2026 10:57 — 10:57
Genau das wünsche ich dir auch!