Schlagwort: behindert

Kommunikationsnudel

Das müsst ihr mal machen. Mit dem Kerle schwimmen gehen. Erst denkt man, dass er gnadenlos absäuft und untergeht. Dann pirscht er sich langsam an – an andere, meist weibliche Schwimmerinnen, dreht wieder ab und guckt ganz harmlos und pirscht sich noch einmal an. Dann spricht er die Frau an: „Gefällt es Ihnen hier auch so gut?“ Diese guckt verblüfft, lässt sich aber auf ein Gespräch ein. Das Ganze geht immer wieder so. Ein kurzer Satz, Smalltalk, sich annähern und entfernen. Zwischendurch ertrinkender Mann spielen oder mit seiner Schwester eine kleine Wasserschlacht machen. Eine ganze Stunde geht das hin und her. 

Meine wunderbare Begleiterin (wir haben im Moment zwar nicht so viele Helferinnen, dafür sind sie aber allesamt super) und ich quatschen auch mit der Zufallsbekanntschaft des Kerle und haben nette Gespräche. Carsten hat sie inzwischen zu uns nach Hause eingeladen und festgestellt, dass sie ein Auto hat: „Da können Sie doch mal kommen. Meine Mama backt auch einen Kuchen!“ 

„Mein Auto in der Tiefgarage ist ein blauer Daihatsu, wenn ihr geht, hängt einen Zettel mit eurer Telefonnummer an den Scheibenwischer!“ Haben wir nicht gemacht, weil sie vor uns das Bad verlassen hat. „Machen wir umgekehrt, wir brauchen länger zum anziehen! Schreiben Sie doch Ihre Telefonnummer auf und klemmen diese an unseren Bus!“ Als wir beim Fridolin ankamen, hielt das Wischerblatt einen Zettel fest – mit Adresse und Telefonnummer. Ich rufe, nachdem wir zu Abend gegessen haben, gleich mal an!

Seht ihr, so schließt man Freundschaften. Der Kerle macht’s mir vor. Bei ihm sieht das aber auch sehr leicht aus.

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18:48 Uhr – tut mir leid, dass ich die Kommentarfunktion wieder zurückgeändert habe, aber die Smileys waren nicht mehr da.

volle Breitseite

Warum nur ist das nur so kompliziert? Stress wegen des Kerles Windeln. Dauerstress, weil es immer noch nicht  – und wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch nicht – Helferinnen gibt. Anderen Behördenstress und dazu kommt, dass dadurch meine Aspergerproblematik immer stärker wird. Eins verstärkt das andere und so schaukelt es sich hoch. Autogenes Training hilft mir sehr zu entspannen! Manchmal sind die kleinen Versuche der Junioren mich ‚zu ärgern‘ die reinste Entspannung! Ich sitze zwischen allen Stühlen. Es gibt Paragrafen, Vorschriften, keine Ausnahmen und ‚ausgesprochen nette salbadernde Krankenkassenmitarbeiterinnen‘, die ach so verständnisvoll sind und mich keinen Deut verstehen. Ihnen sind die Hände gebunden und Carsten stehen ca. 2-3 Inkontinenzmittel am Tag zur Verfügung – sprich 25€ im Monat, womit wir niemals klarkommen können. Wenn ich sparsam bin und die nötigste Versorgung leiste, zahle ich mindestens das Doppelte. Ich will mich hier im Blog nicht in Rage reden, bringt nichts. Lässt mich nur meckernd erscheinen, ständig unzufrieden – aber mich hat volle Breitseite die Bürokratie der verschiedensten Ämter getroffen.

Leider kann ich Ihnen nicht helfen!
Es tut mir leid, das ist nicht mein Metier.
Wer was darüber wissen könnte, weiß ich leider auch nicht.
Ich verstehe Sie ja, nur sind Sie bei mir an der völlig falschen Stelle.
Nein, leider weiß ich nicht, wer Ihnen da weiterhelfen könnte.
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statt in die Welt

Statt in die Welt rauszugehen, die Welt reinholen!

Aufgeben ist nicht – gilt nicht und will ich auch nicht. Meine Plakataktion, Helfer zu akquirieren hat nichts gebracht. Nichts, nothing, niente, no – gar nichts. Keine Resonanz. Ich habe zwar ne Menge Zettel aufgehängt und teilweise hängen sie noch, aber es hat sich niemand gemeldet. Traurig bin ich sowieso, auch für die Junioren. Vor Tagen gab es die Einsamkeitskampagne des Bundesfamilienministeriums. Carsten hat das aufmerksam verfolgt: „Du Mama, ich bin auch einsam. Ich suche Freunde und finde keine. Niemand (gut da übertreibt er ein bisschen) besucht uns. Ich wünsche mir Menschen, mit denen ich mich unterhalten kann – behinderte Freunde, mit denen ich mich treffen kann…!“ Wiebke nickt: „Du dürfen ja gerne kommen, aber mich sollen sie nicht vergessen!“

Da ist mir etwas eingefallen, nachdem mich die kommunale Behindertenbeauftragte quasi auf die Füße getreten hat. Ich möchte ein Netzwerk schaffen – nicht uneigennützig und/aber in erster Linie für uns. Behinderte Menschen und ihre Angehörigen besuchen sich gegenseitig. Eine win win- Situation. Bei einer Behindertenorganisation habe ich das schon angesprochen und bin, zumindest bei der Frau am Telefon, auf offene Ohren gestoßen.

Ich brenne mal wieder – und wahrscheinlich an beiden Enden. Hoffentlich brenne ich nicht aus, denn ein Netzwerk auf dem ich aufbauen kann, habe ich (noch) nicht. Aber vielleicht ist das leichter, als Assistenzkräfte (Freizeitbegleiter) für uns allein zu bekommen. Dass ihr mir die Daumen drückt, weiß ich. Vielleicht habt ihr sogar eine Idee wie ich‘s ausbauen kann!?

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