Alltag

selten

Eigentlich habe ich nie, na ja fast nie, Kopfschmerzen. Schon heute Morgen habe ich bemerkt, dass ich sehr angespannt bin und mir sicherlich für diesen Freitag zu viel vorgenommen habe. Das Sprachcafé für Frauen macht mir viel Freude, strengt mich dennoch an. Erkläre mal einer ausländischen Frau, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland wohnt, einen ausgestorbenen Beruf? Ich bin Schriftsetzerin, und schon deutsche Frauen im mittleren Alter können sich darunter nichts vorstellen. Sie haben mich kalt erwischt!

Nach den drei Stunden sprechen, erklären, zuhören und bei Nichtverstehen nachfragen, war mein Kopf randvoll/übervoll. Aber ich musste noch den Wochenendeinkauf erledigen und ein Vesper für den Ausflug der Junioren zusammensuchen. Schwierig, denn sie haben ja keine Zähne, somit fällt Brot aus – und diverses anderes noch. 

Schnell heim, die Wäsche aus der Waschmaschine aufhängen und des Töchtings Bett beziehen. Nebenbei Reis kochen, ein kleines Buttersößchen machen und essen. Trinken nicht vergessen. Es ist noch immer sehr warm.

Kurz nach 15:00 Uhr kommt eine nette Helferin und fünf Minuten später sind die Junioren da, wir fahren in ein Bastelgeschäft, Fimo kaufen. Ins Auto rein, die Rollstühle in den Kofferraum, hinfahren, aus dem Auto raus, in den Rollstuhl setzen, ins Geschäft, die Knetmasse kaufen, bezahlen – die Junioren zahlen selber. Jeder seinen Teil. Ins Auto rein, anschnallen, die Rollstühle in den Kofferraum, nach Hause fahren und alles noch einmal retour. Ins Haus, zum Trinken animieren, beim Vorlesen zuhören, des Kerles Bett beziehen, mit der Helferin reden und zuhören, sie verabschieden.

Käseteller richten, ein paar Tomaten dazu, Kräcker …

… und dann kam mit Wucht der Vorschlaghammer. Mein voller Kopf zerspringt!

Veröffentlicht von piri

Ich bin ganz schön viel und ganz schön wenig, ich bin Mutter, Hausfrau und Dichterin in allen Lebenslagen. Im Autismus-Spektrum bin ich obendrein und habe Wünsche. In Momenten, in denen ich an mir und meiner Arbeit zweifle und meine, nichts Gutes auf die Reihe zu bekommen, denke ich manchmal daran, mir kurz das, was ich schon geschafft habe, anzuschauen. Dann geht's wieder. ❤️ | ✨

5 Gedanken zu „selten“

  1. Anne Seltmann sagt:

    Guten Morgen liebe piri!

    Puh, dass ist ja Stress pur und du wupps das alles alleine!!!

    Falls du dein Handy immer dabei hast, lass dir vom Google Übersetzer die Dinge übersetzen, die schwierig sind. So mache ich das immer. Es hat ungemein geholfen, als die Fenstersetzer bei uns im Haus waren. Die kamen nämlich aus Rumänien.

    Komm gut durch den Tag!!!

    Herzlichst

    Anne

  2. Trude sagt:

    Hitze, Überanstrengung und Streß sind eine schlechte Kombination.
    Da kann mir das auch schon mal passieren.

    Ich hoffe es geht dir inzwischen wieder besser.

    1. piri sagt:

      Liebe Trude versteh mich jetzt nicht falsch, aber es kein besonderes Ereignis – nur eins unter vielen und im Prinzip ist jeder Tag so. Vergleichen lässt sich das nicht! Manchmal wünschte ich mir einen starken Arm, der mir Handlangerdienste abnimmt.

      P.S.: und jetzt ist es auch schon wieder verzerrt. Ich möchte nicht tauschen. Mit nichts und niemanden!

      1. Trude sagt:

        Ich glaube ich verstehe was du meinst.

  3. M. - K. sagt:

    Die Kopfschmerzen sind bestimmt mistig!
    Ich finde es gut, dass Du aufzeigst, was so ein „kleiner Fimo Einkauf“ für Euch bedeutet.
    Und zugleich weiß ich selbst, dass es etwas ausmacht, das Fimo selbst aussuchen zu können und auch, selbst zu bezahlen.
    Es scheint natürlich viel schneller anders zu gehen, aber es ist Teilhaben können und damit Lebensqualität! Für sehr viele Menschen absolut alltäglich und normal. Und doch mit viel (Kraft)Aufwand verbunden.
    Auf dass Dein Kopf bald besser wird!

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