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Schnauze voll

Eine Krise macht Notleidende nicht unbedingt zu besseren Menschen, öffnet aber den Blick auf Gleichgesinnte.
Frank Roselieb

Oh menno, war das ein Tag! Ich weiß, ich darf mich nicht beschweren, steht mir nicht zu, denn dann sind sofort die Kritiker wieder vor Ort und erzählen mir, dass ich ja doch nur überfordert bin und blbla bla…

Heute war alles drin, vom Klohäuschen, das sie uns in die Carporteinfahrt gestellt haben, ohne mich vorher zu informieren – das Haus, in dem wir wohnen, wird ‚teilgestrichen‘ – bis zu einer Option meine Gedichte zu veröffentlichen. Dazwischen die ganze Bandbreite an Gefühlen, einschließlich der Sorge um einen meiner Brüder und dem Frust, dass wir Geschwister es nicht auf die Reihe bringen auch mal Kleinigkeiten, wie eine Herzoperation am offenen Herzen uns gegenseitig zu erzählen.

Ihr könnt mich alle mal gerne haben! Heute Abend nehme ich keine Rücksicht mehr. Auf niemanden! Ich werde meine Junioren gewohnt liebevoll ins Bett bringen, hoffen, dass der Kerle vorher noch die Erdbeeren und den Käse gegessen, das Töchting nicht ihren Plüschpapagei vor lauter Liebe den Hals umgedreht hat und dass der Nachbar Freund der Nachbarin von Gegenüber nicht wieder unseren roten Fridolin eingeparkt hat, denn das wäre fatal. Fatal für mich, denn dann könnte ich nicht ein Stündchen durch die Nacht fahren, meinen Frust ablassen.

Manchmal denke ich, dass Familie nichts für Weicheier ist – besonders meine nicht. Die Ursprungsfamilie und die Kernfamilie – beide!

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plopp

Hier ist kein Katzen-Content, ich habe keine, wir vertragen keine! Der Kerle und ich haben eine Katzenhaarallergie. Es ist nicht so, dass ich keine Katzen mag. Aber wenn, dann möglichst große, meistens wilde und keine gezähmten überzüchteten Hauskatzen. Was ich gar nicht mag, sind Katzen aus der Nachbarschaft, die in unseren Garten pissen und scheißen. Igitt, da schüttelt es mich.

Auch Hunde, die überall hin kacken mag ich nicht und deren Herrchen und Frauchen, die die Hinterlassungen zwar fein säuberlich in schwarze Tüten packen, diese aber dann achtlos einfach aufs Feld oder  neben den Mülleimer schmeißen – die mag ich erst recht nicht. Denen möchte ich die gesammelten Tüten vor die Wohnungstür stellen. Mich ekelt das an.

Und genau das sind die Leute, die die Nase rümpfen, wenn Carstens Windel ausgelaufen ist und die Hose ein bisschen nass glänzt: „Können Sie Ihrem Sohn nicht regelmäßig die Windel wechseln!“

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Achterbahn

Es ist angeschmissen – das Gedankenachterbahnkarussell! Schon in der Nacht konnte ich nur kurz aussteigen, aber schon bald hat der Fahrgeschäftbetreiber wieder gedrängelt, dass ich doch vorne in den ersten Wagen mitfahren muss. Ganz vorne sitzt jemand anderes – ich will ihn nicht wahrhaben und drehe mich um. Allerdings schwirrt mir deswegen der Kopf noch viel mehr.

Dem Kerle geht es heute Morgen verhältnismäßig gut. Solange ich es vertreten kann und die Werkstatt mitspielt, wird er dort hingehen. Für ihn ein Stück Normalität und für mich auch. Es sieht gut aus! Aber ich kenne es, diese langsame Strecke ist nur dazu da Schwung zu holen und dann den Looping zu machen. Es ist dreckig im Haus – gestern waren wir nach dem Regen spazieren und haben mit den Rollstuhlreifen lehmige Erde in die Diele und nicht nur dahin getragen. Jetzt ist die Erde trocken oder in den Teppich gerollt worden. Manche Menschen beruhigt es zu putzen, mich macht es noch wuschiger – es wäre gut, wenn mir jemand dabei helfen würde. Statt, dass es das Gedankenkuddelmuddel aufdröselt verdichtet sich das Durcheinander und verklumpt. Ich bin müde, kaputt, voller Trauer und großen Ängsten. Wird das Telefon klingeln? Es ist kurz nach neun, die Waschmaschine rattert, ich sitze mit dem kalten Kaffee und starre ins Leere.

Gestern Abend hat noch ein Mensch angerufen, der mir erzählt, dass ab Donnerstag der integrative Jugendtreff im Nachbarort wieder startet. Ein Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer – Zeit zum Durchatmen. Zeit, mal ohne Verplanung, ohne Planung für mich, ohne Therapie – einfach nur Spaß für die Junioren!

Heute – jetzt, steige ich erst einmal aus dem Rummelgeschäft aus. Es geht irgendwie, einatmen, ausatmen, mich aufraffen, immer wieder, neu beginnen, den Mut nicht verlieren und rausgehen, Menschen finden, mit denen ich reden kann – sowohl, als auch. Sowohl um meine Ängste, als auch einfach nur Spaß haben …

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