Seite 93 von 1540

deutsche Bürokratie

… nicht nur bei Behörden, und Prioritäten meinerseits!

Eigentlich würde ich ja gerne stricken gehen – rechts, links, eine Masche fallen lassen, kann ich. Zur Not bekomme ich auch noch einen Zopf zustande, aber das ‚Käppchen’ der Socken ist jedesmal für mich ein böhmisches Dorf. Ob ich allerdings wirklich Socken stricken möchte, ist dahingestellt. Da muss man ja zwei gleiche stricken und das langweilt mich schon. Also gehe ich heute schon mal nicht in die Strickrunde. Oder doch?

Was ist sonst zu tun? Bürokram – und den schiebe ich gerne vor mir her. Aber ich sollte mich schnell entscheiden …

∙∙∙∙∙

12:40 Uhr – Beim Stricktreff war ich nun zum quasseln. Fein war‘s – hab sogar ein paar Reihen gestrickt und mich sehr nett mit einer Hamburgerin (man bleibt immer das woher man kommt) unterhalten. Tat gut, mal wieder nordischen Slang zu hören. 

stiller Morgen

Es passiert nichts. aber auch rein gar nichts – was nicht stimmt, weil immer was geschieht. Die schwarzen Schuhe, die ich mir im letzten Herbst gekauft habe, drücken immer noch. Warum ich sie nicht schon längst weggegeben habe? Keine Ahnung. Aus Bequemlichkeit vielleicht. Es liegt aber auch daran, dass ich noch keine Gelegenheit gehabt habe zur Aufbaugilde zu fahren, die am anderen Ende der Stadt ist. Auch heute ist mein Tag verzettelt. Um 10 Uhr kommt ungefähr das Sauerstoffgerät für den Kerle und bis dahin kann ich nicht viel machen. Kein Waschpulver einkaufen (was ist eigentlich das beste Waschpulver?), nicht staubsaugen (weil der Hepa-Filter fehlt) und lesen geht auch nicht, weil mir die Konzentration dazu ebenso fehlt.

Still tickt die Uhr. Tick, tick, tick, tick, tick. Wenigstens tickt sie und ist nicht nur eine elektronische Zeitanzeige.

∙∙∙∙∙

Tick, tick, tick, tick – ich gucke mich um und schwimme in Gedanken. Ich lese ein Gedicht und möchte mich ans Meer beamen:

Auf der Schwelle des Hauses

In den Dünen sitzen. Nichts sehen
Als Sonne. Nichts fühlen als
Wärme. Nichts hören
Als Brandung. Zwischen zwei
Herzschlägen glauben: Nun
Ist Frieden.

Günter Kunert

∙∙∙∙∙

14:22 Uhr – Außer Spesen und Stress nichts gewesen. Das Sauerstoffgerät ist nicht geeignet für einen so kleinen Mann, wie meinen Sohn. Ganz abgesehen davon, dass es erst um halb eins kam. Viel zu groß und unhandlich. Dann bin ich einkaufen gehetzt und finde, als ich wieder daheim war, an der Tür eine Benachrichtigung, dass ein Paket dieser Versorgungsfirma angekommen ist  und beim Nachbarn abgegeben wurde. Der ist natürlich jetzt nicht zuhause. Ich habe keine Ahnung was das sein kann und bin schon wieder völlig aufgelöst, vor lauter Überlegungen.

der Info geschuldet

In Israel sind die letzten lebenden Geiseln freigelassen worden. Der selbstherrliche US-Präsident Trump macht mir ein Kotzgefühl. Das elende Leid der Palästinenser beschäftigt mich, die Bilder im Fernsehen erschüttern mich. Sprachlos und überaus voller Angst mit großer Ungewissheit sitze ich wie gelähmt auf dem Sofa.

Carsten sagt: „Ein Friedensanflug, ein kleiner – aber wir sieht es in der Ukraine aus, oder im Jemen und Afghanistan?“ Nicht nur mir macht dieser allgemeine brüchige Frieden zu schaffen.

Dazu kommt ein leiser Rauchmelderpiepton und andere sich auftürmende Kleinigkeiten …

Copyright © 2026 voller worte – mit und ohne Innenfutter

Theme von Anders Norén↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.