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fünf nach zwei

Dann war ich doch einkaufen und habe meine Angst weggelächelt, habe mich in eine Sommerstrickjacke gekuschelt und für den Förderbereich, in den meine Junioren gehen, einen großen Eimer Gummibärchen gekauft.

Dann habe ich telefoniert. Ein Gespräch mit viel Herzklopfen. Eins, mit leichter Feder und eins, das ich lange vor mir hergeschoben habe. Alles war gut, sag ich mal so. Ich bin doch alt genug, warum kann ich das (ein Gespräch am Telefon führen) immer noch nicht? 

Gleich ist hier Leben in der Bude. Können wir spazieren gehen? Können wir ein Spiel machen? Können wir Eis essen? Kannst du mir vorlesen? 

Standpunkt

Nur wer einen Standpunkt hat, kann seinen Blick weiten.

Aber es muss ja nicht folgerichtig immer derselbe sein. Man kann auch mal zur Seite treten. Der gestrige sehr spontane Friseurbesuch hat mit aufgezeigt, dass man alte Zöpfe abschneiden muss, um was Neues zu wagen. 

Eins habe ich mir geschworen, nach dem stehengelassen werden, so was soll mir nie wieder passieren. Diese Demütigung hängt mir immer noch nach. Während ich so beim Friseur saß, sind mir doch auch Gedanken durch den Kopf geschossen, dass ich selbst schuld sein könnte, dass wir stehengelassen wurden. Hätte ich nicht dankbarer sein sollen? Wir wären doch sonst kaum aufs Fest gegangen, ohne die Helferin. Ich habe dadurch wieder gesehen, dass wir schon sehr auf fremde Hilfe angewiesen sind und das auch mit Dankbarkeit honorieren sollen/müssen. Es gibt Situationen, da verbiege ich mich regelrecht. Es tut mir nicht gut, nützt aber den Junioren damit sie was erleben. 

Auch jetzt sitze ich hier, wie jeden Morgen, mit Bauchschmerzen. Ganz realen Bauchschmerzen. Seit Tagen esse ich nicht. Wenn ich Stress habe, kann das schon mal passieren. Ich vergesse es einfach. Gestern Abend habe ich das wenige, was ich überhaupt gegessen habe, wieder hergegeben – in die Kloschüssel. Ist nicht gut, liest sich nicht gut und ist auch nicht schön. Inzwischen rebelliert sogar mein Magen. Warum nur kann ich keine Kontakte knüpfen? Ihr lest hier meine Kuddelmuddelgedanken ungefiltert, direkt ins Eingabefeld hinein, völlig unstrukturiert und Lösungsansätze sind noch nicht einmal rudimentär vorhanden. 

Heute beginnen in der nahen Großstadt die Special Olympics Landesspiele. Eigentlich, so war der Plan, wären wir mit besagter Helferin zur Eröffnungsfeier gegangen. Es kann gut sein, dass sie am frühen Abend bei uns vor der Haustür steht und uns mitnehmen will – aber solange noch nicht einmal ein Anflug einer Entschuldigung im Raum steht, mag ich dieser Frau nicht begegnen. Allerdings verwehre ich meinen Junioren das Ereignis. So, und jetzt steckt mal in meiner Haut! Was mache ich? Am besten bete ich, dass sie gar nicht kommt. Aber das schiebt das Problem nur nach hinten.

Was hat dieser Beitrag mit Standpunkt haben zu tun? Keine Ahnung,  Thema verfehlt.

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09:42 Uhr – Ich friere, habe Angst, mag noch nicht einmal rausgehen – muss es heute wohl auch nicht, aber ich muss eine Sache fürs Betreuungsgericht ausfüllen …

19:09 Uhr – Die vermeintliche Freundin hat nicht die Größe gehabt zu kommen. Sie hüllt sich in Schweigen. Offensichtlich sieht sie kein Verschulden ihrerseits – ihr geht ja auch nichts ab. Allerdings hängt bei uns im Gästezimmer ihr Hochzeitskleid. Sie wird sich melden müssen. Macht mir das Bauchschmerzen? Natürlich.

meine Haare sind zu weich

Jedenfalls sagt das die Friseurin meines Vertrauens. Was fangen Sie auch immer mit Ihren Haaren an, fragt sie dann noch und guckt sich die Farbe – die inzwischen undefinierbar straßenköterblond ist – an und schüttelt weise ihr schwarzgelocktes Haupt. Was machen wir? Sie guckt mich eindringlich im Spiegel an und ich kann es rattern sehen. Die Farbe muss weg! Da ich aber keine Lust mehr auf immer wieder Chemie auf meinem Kopf habe, kommen wir unisono zu dem Ergebnis – Haben Sie Zeit mitgebracht? – dass wir sie die Fiaskofarbe rauszieht, sprich bleicht und mir dann ansatzweise meine echte Haarfarbe (weißhellgrau) auf den Kopf zaubert. Meinen Segen hat sie und meine Zeit bekommt sie. Allerdings, so sagt sie noch, muss sie einen Teil der Mähne abschneiden. Jetzt, da ich eh schon a gesagt habe, fällt mir b zwar verdammt schwer, aber okay!

Sie greift zur Schere und schnipp – 12cm mindestens. Hätte sie doch den Spiegel verhängt! Dann ging das Procedere los. Es wird gepinselt, einmassiert, eingeweicht, die Masse auf dem Kopf stinkt etwas und nach eineinhalb Stunden, nach dem abspülen habe ich trumporangene Haare. Das bleibt nicht so, vergewissert sie mir. Sie brauchen keine Angst zu haben, Sie gehen nicht als Witzfigur hier wieder raus. Sie schneidet mir noch ein paar Zentimeter ab, verpasst mir einen Mirkopony, kleistert irgendeine undefinierbare Farbe auf die Haare und meint: Mögen Sie noch einen Kaffee? Die Farbe wird bläulich – hilf Pumuckl hilf. 

Am Waschbecken irgendwann, Stunden später, bekomme ich eine gigantische Kopfmassage, noch dies und das und eine Haarkur und wer weiß noch was auf die Haare geschmiert. Innerlich bin ich am Beben, weil die Zeit knapp wird…

Ich gucke mir die nassen Haare an und denke, dass das gut werden könnte. Sie föhnt und es ist gut geworden! Nur die Haare sind ein bisschen weich, haben ja schließlich auch einiges über sich ergehen lassen. Nichts kaputt, alles schick. Da hilft nun Pflege, Pflege, Pflege.

 Aber mein Teint strahlt, weil endlich alles passt. Übrigens: Foto gibt‘s keins!

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