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Durchs Herz

Etwas geht mir durchs Herz heute Morgen, nicht wild und rauschend wie der Wind durch die Bäume, sondern leise und klein, so wie eine Katze über eine Gasse geht bei Nacht, unhörbar und nicht zu sehen und auf unbegreifliche Weise da und doch nicht da.

Etwas geht mir durchs Herz heute Morgen, nicht als bleibende Spur wie ein Weg durch die Felder, sondern schwankend bewegt und so flüchtig, dass ich fühle, es kann wieder fort sein, bevor ich es fasse.

Etwas geht mir durchs Herz heute Morgen, geht mir durchs Herz wie Atem über eine Handfläche, gehört schon zu mir und ist mir noch fremd.

Vielleicht eine Sehnsucht, die mit mir aus dem Bett aufgestanden ist heute Morgen. Vielleicht eine Melodie, die gesungen sein will. Vielleicht der Hauch von Nochnichtgeschehenem, das mir begegnen wird, an diesem Tag. Und es fühlt sich an wie ein Schweben, fühlt sich an wie eine Weite in mir, die ich nicht durchmessen kann in tagelangen Fußmärschen oder mit Millimeterband, und ich frage mich, ob das auch andere kennen, und ich bin gespannt, was es ist…

Etwas geht mir durchs Herz heute Morgen.

Luxusproblem

Was habe ich für ein Luxusproblem, im Gegensatz zu den Menschen auf der Insel Lesbos aus dem Flüchtlingslager Moria? Ich schäme mich – haben diese Menschen dort doch ganz andere Schwierigkeiten, die lebensbedrohend sind. Sie kämpfen um das tägliche Essen und Trinken, haben kein Dach über dem Kopf und wissen nicht wohin! Uns geht’s gut. Wir haben eine Wohnung, genug zum Leben – in jeder Hinsicht – materiell zumindest. Was soll ich da klagen über mangelnde Helfer? By the way müsste ich meine Sprache gendern, denn es sind ja meistens Frauen. Und dennoch sitze ich hier mit wackligen Knien und schlechtem Gewissen den Junioren gegenüber. Wütend gar, weil ich mich tatsächlich einmal zur Wehr gesetzt und das bitter bezahlt habe. 

Hätte ich man bloß die Klappe gehalten! Ob das besser gewesen wäre? Sonja hatte letztes das Wort Zwickmühle – man kann nur verlieren – ich stecke in einer.

Oh | und das Gedicht öffentlich

Jetzt habe ich vermutlich – als ich meine Datenbank aufgeräumt habe – einen Kommentar gelöscht. Tut mir leid, war keine Absicht und ich weiß auch nicht zu welchem Beitrag!

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    Frauen
    —————————————————-
    Scharfe Zähne
    die beißen

    Gefrorene Gesichter
    Die lächeln

    Kür und Pflicht
    mit verkniffenen Mündern
    in der Abendsonne

    schmallippig
    das Eisloch

    Alle Mütchen kühlen
    – Auch heiße

    © petra ulbrich | 10.9.2020

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