Mein Tag beginnt mit Wut, Unverständnis, viel Mut, Bett waschen, Vorbereitung auf die Kurzreise und noch mehr Wut ob der aktuellen weltweiten Kriegslage. Unsere eigenen Probleme scheinen Peanuts. Ich habe für dieses Wochenende die Schnauze voll von Politik …
08:57 – Ich mag sie nicht die Menschen, die nur sich und ihresgleichen sehen. Guckt doch mal über euren Tellerrand hinaus: da ist die Welt auch bunt!
09:11 – noch ein Nachtrag – selbst habe ich manchen Menschen Unrecht getan, nur weil sie im Netz einen albernen Namen tragen.
Anne Seltmann sagt:
Moin liebe piri!
Schade, wenn dein Tag mit Wut beginnt. Darf ich fragen, was der Auslöser war?
Es ist wirklich traurig, wie oft Menschen so sehr in ihrer eigenen kleinen Blase leben, dass sie gar nicht merken, wie viel da draußen noch ist – andere Menschen, andere Kulturen, andere Perspektiven… und all die Chancen, die man verpasst, wenn man nur den eigenen Tellerrand betrachtet.
Manchmal denke ich, dass ein bisschen mehr Neugier und Empathie schon einen riesigen Unterschied machen würde. Es muss ja nicht alles sofort perfekt sein, aber ein kleiner Schritt, mal wirklich hinzusehen und zuzuhören, kann so viel verändern – nicht nur für andere, sondern auch für einen selbst.
Es ist schön, dass du so etwas ansprichst. Wer über den Tellerrand guckt, lebt einfach bunter.
Da erkenne ich mich leider auch wieder. Wie schnell urteilt man über einen Namen oder ein Profilbild – und vergisst dabei, dass dahinter ein echter Mensch steckt. Finde es stark, das so offen zuzugeben. Genau solche Gedanken bringen uns doch weiter.
Liebe Wochenendgrüße
Anne
piri sagt:
Hallo Anne,
wütend hat mich gemacht, dass manche Menschen wissen zu meinen, was gut für uns ist und dieses dann auch noch mit Macht durchsetzen wollen! Traurig macht mich, dass Menschen die wissen, ich möchte nicht im Vorfeld gratuliert bekommen, dies dennoch tun.
Und nebenbei stecke ich in einer Angst fest, die anderen als total blödsinnig vorkommt und die Frau, der ich das erzählt habe, darüber gelacht hat: ich solle doch ein bisschen lockerer sein!
Anne Seltmann sagt:
Danke fürs Erklären, liebe piri!
Wenn ich das lese, spüre ich zuerst, wie viel Druck da gerade auf dir liegt.
Diese Wut – die ist absolut nachvollziehbar. Es ist unglaublich anstrengend, wenn Menschen meinen, besser zu wissen, was „gut für uns“ ist, und das dann noch mit Nachdruck oder sogar Macht durchsetzen wollen. Das fühlt sich übergriffig an. Als würde jemand über deine Grenzen hinweggehen und es auch noch gut meinen. Und „gut gemeint“ macht es nicht besser, wenn es sich nicht gut anfühlt.
Und dass dir trotzdem vorab gratuliert wird, obwohl du klar gesagt hast, dass du das nicht möchtest – das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein Nicht-Ernst-Nehmen. Du hast einen Wunsch geäußert. Der wurde ignoriert. Das darf traurig machen. Sehr sogar.
Was mich aber besonders berührt, ist deine Angst.
Egal, wie sie aussieht: Angst ist nie „blödsinnig“. Sie ist real, weil du sie fühlst. Punkt. Wenn jemand darüber lacht, fühlt sich das wie ein kleiner Verrat an. Man zeigt etwas Verletzliches – und bekommt ein Lächeln oder ein „Sei doch lockerer“ zurück. Das tut weh.
„Sei lockerer“ ist oft nur eine elegante Form von:
„Ich möchte mich gerade nicht mit deiner Tiefe beschäftigen.“
Du musst mit deiner Angst nicht lockerer sein.
Du darfst erst einmal ernst genommen werden.
Vielleicht ist deine Angst gerade einfach ein Teil von dir, der Schutz sucht. Nicht Spott. Nicht Optimierung. Sondern Verständnis.
Ich finde es stark, dass du das überhaupt aussprichst. Das ist nicht schwach. Das ist ehrlich. Und ehrlich sein braucht Mut!
Hab einen guten Wochenstart!!!
Liebe Grüße
Anne
Gudrun sagt:
Deine Wut kann ich verstehen, denn mir geht es genauso.