Kategorie: Behinderung

Bilderbuchmorgen

Unser Besuch gestern in der Ortsbücherei hat einen kleinen Schatz auf unseren Esstisch gespült.  Der König und die Nachtigall – ein Gedicht von Mascha Kaléko als Bilderbuch mit feinen schönen Bildern von Hildegard Müller

Ich bin großer Fan von Mascha Kaléko, bedauere es immer sehr, dass ihre Gedichte nicht öffentlich gezeigt werden dürfen. Vor Jahren hatte ich einmal eins im Blog stehen und habe prompt eine Abmahnung kassiert . 

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Vorm Haus ist ebenfalls ein Bilderbuchmorgen. Schon sehr herbstlich und empfindlich kalt. Die Farben verändern sich langsam und erste Kastanien liegen unten und auch schon auf dem Küchenbord. 

Carstens Stirn ist erstaunlich eben, aber das linke Auge ist zugeschwollen lilarot. „Du Mama, ich habe mindestens, wenn nicht mehr Schutzengel gehabt!“ „Wie viel waren es denn?“ „Na, für jeden Knochen einen!“

Autismus ist anstrengend

Nicht nur für mein Gegenüber. Autist zu sein, ist eine Gratwanderung. Ich habe im Laufe der Zeit, auch weil ich autistisch bin und immer alles nach genauem Plan machen möchte, zudem auch noch perfekt und für jeden recht, eine Generalisierte Angststörung entwickelt. Schon als Teenager hatte ich Panikattacken, die in keinster Weise eine Ursache hatten. Aus heiterem Himmel hatte ich Angst. So etwas kommt heute auch noch vor, aber eigentlich habe ich permanent Angst. Nicht vor Spinnen, nicht vor großer Höhe, nicht vor wilden Tieren oder Feuer. Als der Kerle am Samstag so gestürzt ist und blutüberströmt vor mir auf dem Parkplatz lag, da hatte ich keine Angst. Da habe ich rational reagiert und entschlossen gehandelt. Als des Kerles Tablet invalid war (und vielleicht noch ist), da habe ich Panik geschoben. Meine Angst ist auch stückweit eine Soziale Phobie – ich habe tatsächlich Angst auf Menschen zuzugehen.

Ich dachte eigentlich, ich hätte das ausreichend im Blog kommuniziert. Anscheinend nicht. So großspurig, wie ich scheine, bin ich nicht und ich dachte auch, das wissen langjährige Leser*innen.

Vom kräftezehrenden Maskieren habe ich erzählt – das heißt, immer im Vorfeld durchspielen zu müssen, was das Gegenüber von mir erwartet und doch nichts wissen können, weil auch ich keine Gedanken lesen kann und tausenddreiundsiebzig Mal komplett daneben liege. Enttäuschungen machen mir Angst, die ungewisse Zukunft, nicht zu genügen, die Erwartungen nicht erfüllen zu können, obwohl ich doch im Vorfeld alles durchgeplant habe. Simple Telefonanrufe werden zum Höllentrip. Behördenkontakte sind schlimm, einfach nur schlimmer Horror – auch wenn ich weiß, dass sie mir helfen wollen.

Ich würde lieber mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug springen, eine Felsen hochklettern oder über die schwankende Hängebrücke balancieren, als freiwillig fremde Menschen ansprechen. Dass ich einen Urlaub, für die ausgefallene Reise der Junioren gebucht habe – ganz allein – das ist eine Meisterleistung. Dass ich immer wieder Konzertkarten für meine rollstuhlfahrende Junioren besorge, kostet mich jedesmal (!) eine wahnsinnige Überwindung und ist auch beim xten Mal immer wieder das erste Mal.

Gute Nacht, schlaft fein. Träumt süß von sauren Gurken!

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Tut mir leid für die Überschwemmungsflut an Beiträgen!

das Bild

… wollt ihr nicht sehen!

Wir waren heute über Mittag mehrere Stunden in der Notaufnahme. Supernette Menschen dort. Ein Arzt aus dem Jemen – der Kerle sprach gleich von Bürgerkrieg und Huthi-Rebellen. Schon war das Eis gebrochen. Zum Glück nichts anderes!

Weswegen diese Stippvisite? Bin über den im Weg stehenden Rollstuhl gestolpert, mit Carsten auf dem Arm, und der Kerle hat sich mehrere Beulen und eine 3-cm-Platzwunde an der Stirn zugezogen. Die Wunde ist genäht worden.

Wir hatten Besuch und wollten diesen unsere Großstadt vom Wartberg aus zeigen. Eigentlich ein sehr schöner Anblick und das Wetter war prächtig. Ja, Pustekuchen – ich sehe den Rollstuhl nicht und fall drüber. Zum Glück konnte ich mich noch drehen, sodass der Kerle nicht frontal auf den Rücken gefallen ist.

Unser Besuch hat sich während der elend langen Wartezeit liebevoll um Wiebke gekümmert. Müde Krieger*innen grüßen! Dem Kerle geht’s gut, er sieht verwegen aus, macht aber schon wieder Sprüche …

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