Manchmal habe ich das Gefühl, ich belaste die Menschen, die mich umgeben. Weil ich viele Dinge nicht mitmachen kann. Weil ich befürchte, meine Freunde haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Dinge ohne mich machen, an denen ich aufgrund meiner Behinderung nicht teilnehmen kann. Weil für mich öfters Sonderaufwand betrieben werden muss. Weil ich nicht dem gängigen Schönheitsideal entspeche und ich befürchte, dass man sich für mich schämt.
Da muss es ganz dringend anders werden! Heute dürfen sie noch auslottern, aber morgen gehts wieder rund. Schön war es in der Freizeit. Richtig, richtig klasse! Carsten erzählt ultrakurz was sie gemacht haben und dann ist fertig. Die Freizeit ist abgehakt und noch ist Urlaub.
Meine Waschwäscheberge halten sich in Grenzen, mein Mamagrinsen inzwischen auch wieder, mein Morgenkaffee ist kalt und die Debatte über Impfgegner nervt mich nur noch. Es ist keine Grippe. Es ist Covid-19. Sicher ist nur der Tod, der kommt früher oder später. Meinetwegen braucht sich niemand impfen zu lassen, wir sind es alle und wenn die Musikerkollegin das nicht will – aus ihren Gründen heraus – dann darf sie das so handhaben, aber die Band wird wahrscheinlich ohne sie proben. Schade!
„Du Mama“, Carsten bringt es auf den Punkt, „dann müssen wir uns eine andere Bassistin suchen!“ Das fände ich sehr schade, denn diese Frau ist eine Freundin geworden und jetzt trennt uns so ein kleiner Piks. Zu uns darf sie weiterhin kommen…
… und manchmal das Auge mit dem großen Augenflecken verflucht! Mich nervt das – besonders bei Licht!
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Heute kommen die Junioren von einer kleinen Freizeit wieder heim. Sie wissen noch nicht, dass wir bald gemeinsam aufbrechen. Ende August dürfen wir nach langem warten (!) zur Kur fahren. Dort gibt es einige Einschränkungen – aber immerhin dürfen wir nun endlich wegfahren. Dafür habe ich jetzt dreimal Kuranträge gestellt. Zweimal ist heftig etwas dazwischen gekommen und der dritte Antrag stand auch auf der Kippe. Schlussendlich geht’s jetzt bald los! Wie es wird? Keine Ahnung, aber ich möchte das beste draus machen und gehe davon aus, dass alles gut wird!
Die Fragebögen – es gibt im Vorfeld noch den einen oder anderen Bürokratismus – die Fragebögen sind merkwürdig. Ich mag kein Multiple Choice, das heißt bei mir Bleistiftfallmethode und ist so aussagekräftig, wie die Kinderzeichnung einer Dreijährigen, die einen Kreis malt und sagt, dass das ein Auto ist. Dennoch habe ich es gewissenhaft ausgefüllt und abgeschickt. Wichtige Dinge, wie, ob es eine Kaffeeküche für die Mütter gibt, oder ob ich für Carsten möglicherweise auch einmal etwas selbst kochen kann, darüber gibt es keine Auskunft. „Warten Sie es ab, dann werden Sie es schon erfahren! Machen Sie sich nicht schon im Vorfeld zu viele Gedanken!“ Danke für das Gespräch – aber die Coronavorschriften waren fett gedruckt! Alles ist gut. Alles wird gut. Alles im roten Bereich. Aber das ist mein Problem und vielleicht kriege ich das auch noch in griff!