Schlagwort: behinderte Menschen

wie ist das, Angst zu haben?

Eigentlich, so dachte ich, dass die Luft zum bloggen verpufft ist. Aber wie so oft habe ich mich getäuscht. Es passiert viel Unblogbares, in meinem Inneren und um mich herum. Eine ältere Helferin verlässt uns und so haben wir kaum noch zuverlässige regelmäßige Helfer. Ich brauche diese aber, sonst drehe ich durch. Ich benötige Menschen auch für mich und Menschen für die Junioren damit ich nicht alles alleine verantworten muss, damit auch einmal andere das immer gleiche Gerede der Junioren aushalten und wir hier rauskommen. Es gibt niemanden, schon gar keinen, der/die regelmäßig wöchentlich kommt…

Ich wiederhole mich, es ist nichts neues und es langweilt sicherlich so manche – Leben besteht eben auch immer aus Wiederholungen, aber genau das Beständige macht es berechenbarer und ebenso entschieden leichter!

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Was hat das alles mit Angst zu tun? Eine ganze Menge. Angst vor Veränderungen, Angst zu scheitern, nicht zu genügen und Angst davor mit der Pflege der behinderten Junioren  – nein, nicht mit der körperlichen Pflege, sondern mit der, die Beiden adäquat zu beschäftigen, ihnen etwas zu bieten und dabei mich selbst nicht völlig zu vergessen. Ich komme zu kurz und wenn jetzt noch jemand abspringt, dann bin ich, fühle ich mich, für alles zuständig und habe die berechtigte Angst durchzudrehen!

Glaubt mir, das ist kein Einzelproblem. Sehr viele pflegende Angehörige haben kaum Möglichkeit ein eigenständiges Leben zu führen, denn sie sind nicht allein – aber oft einsam.

alles nur im Kopf

Das möchte ich mir wohl einreden. Es ist aber nicht so. Mein Körper muckt auf. Ich bin halt auch keine dreißig mehr. So denke ich am Morgen schon daran, dass wir nachmittags  bis Sonntagmittag nach Pappenheim fahren – zu einem Treffen kleinwüchsiger Menschen. Unbestritten freue ich mich darauf, habe aber auch Bammel vor der Aufgabe. Dort sind ganz viele nette Leute, die uns helfen wollen, ich muss nur fragen – und daran scheitert es wahrscheinlich. Weil, wenn ich um Hilfe bitte, diese erst präzisieren muss und in der Zeit habe ich es längst selbst gemacht! Es lohnt den Aufwand nicht, denke ich, weil das nächste Mal ich es wieder erklären und zeigen muss. Wir sehen uns zu selten! Dazu kommt, dass Wiebke wahrscheinlich wieder sehr fremdelt und Carsten Anschluss sucht und nicht kriegt, weil er im Rollstuhl nicht so flink ist und Gleichaltrige mit ihm nichts anfangen wollen bzw. können. Wir fühlen uns dort wohl, aber für mich ist es Arbeit. Ich möchte dabei sein, mag aber nicht sehen, wie meine Kinder ausgegrenzt sind. Nicht mit Absicht, ganz bestimmt nicht. Aber es sind die einzigen geistig behinderten Menschen und das macht sie natürlich zu Außenseitern.

Mein Kopfkino rattert. Mein Bauch brummelt, gesund bin ich auch noch nicht wirklich, aber Träume habe ich und dies Wochenende möchte ich gerne dabei sein.

10:15 Uhr – Mit wie viel Aufwand diese kurze Reise verbunden ist, habe ich nicht erzählt. Zuerst einmal Klamotten für drei Leute packen, dann noch Windeln und Nahrung mit diversen Schläuchen und Adapter, ein Medikamentenkistchen für die Junioren, ein paar Spielsachen – die Kuscheltiere zum träumen nicht vergessen und daran denken auch für Wiebke Essen einzupacken – sie isst nicht alles…

o Pippi

Nicht Pippi Langstrumpf – obwohl so verschmitzt, wie dieses freche Mädchen, hat Wiebke es mir auch beibringen wollen, dass ihr Bett leider nass ist. So ganz wenig war es dann doch nicht und zur Töchtings Verteidigung möchte ich sagen, dass ich ziemlich spät am Morgen ins Zimmer gekommen bin, denn sie kann ja nun nicht alleine aufs Klo gehen. Ist kein Beinbruch! Ist nicht schlimm, wird gewaschen und gut ist‘s. 

Das ist auch Alltag bei uns, das ab und zu etwas daneben geht. Ich Betten außerhalb der Reihe waschen muss – entweder kotzt Carsten, oder Pippi läuft aus der Windel, oder dem Töchting passiert ein Malheur. Unser Alltag unterscheidet sich gewaltig von dem anderer. Ich merke das immer wieder wenn wir uns verabreden wollen, ich/wir brauchen viel mehr Vorlaufzeit – und manchmal geht’s gar nicht. Nicht immer stoßen wir auf Verständnis. So richtig spontan können wir nicht sein, ich muss schließlich drei Leute anziehen, muss dafür sorgen, dass drei Leute gegessen haben – und das ist nicht immer einfach, weil, wie ihr wisst, Carsten massive Essprobleme hat…

Okay, genug davon, es ist Sonntag! Die Herrschaften sollten raus aus den Federn, meine Aufgabe ruft. Ran, dran!

13:05Uhr – Es wird langsam zur Manier, dass ich meine Beiträge mit Zeitangaben versehe und so die Nachträge deutlich mache. Ändert sich bestimmt auch wieder! Draußen ist es durchwachsen, nicht so sommerlich wie gestern. Wir werden aber in den Garten der Wunschtochter gehen, was anderes sehen und Kuchen essen. Die Vögel merken auch, dass irgendwas wettertechnisch im Busche ist. Ob es gleich regnet? 

18:56Uhr – Kein Regen, dafür ein leckerer Kuchen und gute Unterhaltung, dreckige Finger allenthalben, ein Fastunfall mit quietschenden Reifen und Resteessen um halb sieben!

 

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