Schlagwort: behinderte Angehörige

brummel

Es gibt so wenig Begegnung mit nichtbehinderten Menschen. Wir sehen sie, der Kerle spricht – wenn er gut drauf ist – sie an, manche schauen kurz und drehen sich wieder weg. Mit Kindern ist es noch spezieller. Sie gucken, gucken, gucken interessiert und wenn nicht ich die Kinder anspreche, dann passiert nichts und eine Chance der Begegnung ist vertan.

Bald ist Diakoniefest und die Band in der die Junioren mitspielen, wird dort auftreten. Das wird garantiert ein großer Spaß für die Musikerinnen und auch für die Zuhörerinnen. Es wird leider nicht die Resonanz bekommen, die sie eigentlich verdient haben. Sie werden immer den Behindertenbonus haben. Dabei sind sie gut! Nach dem Konzert wird uns kaum jemand ansprechen und wenn ja, werden es dieselben Menschen wie letztes Jahr sein. An diesem Tag werden mehr behinderte Menschen jedweder Art zu sehen sein – einen Moment im Fokus zu stehen ist gut. Aber wir wollen gar nicht im Mittelpunkt stehen, wir wollen selbstverständlich dabei sein. Überall dabei sein. Nicht als besonderes Grüppchen, sondern normal mittendrin. Mein Traum ist, loszugehen ohne nachzudenken, dass ich vorher Helferinnen akquiriere – ich werde genug Hilfe vor Ort finden, denn es ist völlig okay behinderten Menschen zu helfen. Dieser Traum ist schön, aber leider nur ein Traum!

11:00Uhr – Oh happy day. Morgen beginnen die Special Olympics World Games, leider viel zu weit weg vom Dorf!

vorm aufstehen

Ich hatte einen Traum, einen schönen Traum: wir waren mit einem großen Schiff unterwegs – ein Kreuzfahrtschiff – auf der Ostsee bis Schweden usw. Das Schiff war behindertengerecht, wir hatten eine tolle Helferin dabei, das Wetter war herrlich und die Junioren quietschvergnügt und fit! Das ist nicht nur ein Traum für die Nacht – es ist einer, der auch tags immer wieder aufploppt. Doch wer fährt mit? Wer mag mit uns die Schären angucken, ins Pipi-Langstrumpf-Land, zu Michel aus Lönneberga? Es gibt sicherlich einige, aber mich scheuen dann doch die Kosten. Ich müsste zusätzlich zur Reise der Helferin auch noch ein Taschengeld und deren Stunden bezahlen – fast zu teuer.

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Die Baustelle hinter unserem Haus ist für den Kerle sehr interessant. Was er allerdings sieht, weiß ich nicht – er hat ja nur 10% Sehvermögen. Bei uns auf der Treppe stehend ist das allerdings ein guter Beobachtungsposten und den Lärm kommentiert er lauthals und er erklärt den Bauarbeitern, dass sie eine gute Arbeit machen …

ernstes Thema

Gestern bekam ich von einer befreundeten Mutter, die ebenfalls zwei behinderte Kinder hat, eine Nachricht. Ihre Kinder haben auch eine Genstörung, allerdings etwas ganz anderes als meine Junioren. Ihre Tochter (sie ist Ende dreißig) wurde vor Jahren in ihrer damaligen Schule vergewaltig. Schon diese Tatsache ist erschreckend, strafbar, absolut verwerflich und hat das Mädchen zusätzlich zu ihrer Behinderung – sie ist blind und geistig beeinträchtigt – nachhaltig verstört und für ihr weiteres Leben psychisch, kognitiv und auch körperlich schwer getroffen. Immer wieder gibt es Phasen in denen Julia (Name geändert) mit der Tat konfrontiert wird und diese sie einholt und dann ein sehr schwieriges Verhalten an den Tag legt, zum Beispiel ihren Bruder beißt, ihre Eltern schlägt, Essen verweigert, nicht mehr spricht und wegläuft. Einfach auf die Straße läuft, nur weg! Für meine Bekannte ist das schwer zu ertragen, möchte sie ihrer Tochter das Leid gerne abnehmen. Elterngesprächen ist die junge Frau dann nicht zugänglich  – und da kommt die Krux: es gibt kaum Psychologinnen, die mit geistig behinderten Menschen eine Traumatherapie machen (können). Ich habe es ja selbst festgestellt, weil ich für den Kerle immer noch psychologische Unterstützung suche.

Vorgestern hat das befreundete Paar ihre behinderte Tochter, die autoagressiv ist und ihren Bruder massiv verletzt hat, zu ihrem eigenen und den Schutz der anderen, in eine Klinik gebracht. Mit sehr schlechtem Gewissen, auch mit dem Wissen, dass dort nur akut mit Medikamenten geholfen werden kann, nicht das eigentliche Thema aufgearbeitet wird und dass die junge Frau nur ruhig gestellt wird. Ein schlimmer Affront! Eine Backpfeife für die Seele der ganzen Familie! Eine Notlösung und Bankrotterklärung für die geistige Gesundheit der geistig behinderten Menschen. Hat dieser Mensch, damals, nur sein sexuelles Interesse im Kopf gehabt? Nicht gedacht? Nur sein eigenes Vergnügen? Er wurde zwar verurteilt, ist inzwischen wieder frei und darf nicht mehr als Erzieher arbeiten. Aber er hat nicht jeden Tag Alpträume, muss nicht mit den Ängsten leben. Seine Familie leidet nicht unter der unkontrollierten Aggressivität…

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