Ein Vogel hat niemals Angst davor, dass der Ast unter ihm brechen könnte. Nicht, weil er dem Ast vertraut, sondern seinen Flügeln.
In diesem Sinne kann ich fliegen und dennoch habe ich Angst. Ich weiß nicht, wie ich den Kerle heute Nachmittag in Empfang nehme. Ich mache die Augen zu und sehe uns schon im Krankenhaus. Ich öffne sie wieder und mache mir klar, dass die Betreuer das hoffentlich, wenns nötig gewesen wäre, schon gemacht hätten. Mein Vertrauen ist dahin. Momentan baue ich eher auf meine Flügel, denn auf den Ast.
Freizeit mehrere hundert Kilometer entfernt. Es gibt Probleme mit dem Essen des Kerles. Sprich: Er isst nichts und seine Astronautennahrung erbricht er immer wieder. Innerhalb von sechs Tagen haben die Betreuerinnen schon dreimal angerufen. Nur kann ich leider aus der Entfernung nichts machen, kann keine (guten oder schlechten) Ratschläge geben. Ich empfinde Panik, male mir aus, dass es eventuell nicht so schlimm, wie erzählt, oder dramatischer ist. Mir geht‘s elend, bin zum Nichtstun verdonnert und habe große Angst. Aber ich habe auch Wut, weil sie mir die Verantwortung übergeben haben, obwohl sie ja wissen …