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anders sein

Die einzigen Menschen, die sich an guten Tagen zu Recht nur „ein bisschen autistisch“ fühlen, sind die Autistinnen selbst.

noch immer lesen

 

Noch immer lese ich das Buch von Manone Mannherz, Ismene Ditrich und Christa Koentges. Studieren, trifft es besser. Es gibt Seiten, da streiche ich nichts in neonfarben an und andere Seiten sind quittegelb. Das Buch sieht schon lange nicht mehr schön aus. Mein Kaffeekonsum ist drastisch reduziert – bin auf Darjeelingtee umgestiegen. Putscht auch auf, schmeckt mir aber im Moment entschieden besser. 

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Mein Töchting meckert, ich soll aufhören zu schreiben – versuche es später noch mal!

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19:07 Uhr: Ein skeptischer Blick begleitet mein schreiben, und auch mein Töchting erkenne ich im Buch. Eine positive Eigenschaft, denn ich sollte so langsam lernen, dass ich nicht falsch bin, nur anders!

Autistinnen haben viele besondere Stärken: Sie stehen in hohem Maße für ihre Überzeugungen und Werte ein und sind besonders ehrlich, zuverlässig, präzise, kreativ, tolerant, loyal und – anders als viele denken – durchaus empathisch und mitfühlend.

Resümee – Tagesklinik/StäB

Jetzt doch frei gegeben: Ein Brief!

Es tut mir leid, sagen zu müssen, dass mir diese Zeit mit dem StäB und der Tagesklinik wenig gebracht hat. Fast möchte ich sagen, dass es verlorene Zeit war. Es war nicht umsonst. Ich habe gespürt, dass Sie mir helfen wollen und es leider nicht so konnten, wie ich es mir erhofft hatte. Was ich mir eigentlich versprochen habe, konnten Sie – aus verschiedensten Gründen – nicht leisten. Allerdings kam ich mir manchmal schon sehr alleingelassen vor.

Da war zum Beispiel die Möglichkeit des Wechsels in die andere, jüngere Gruppe: Ich wurde überfallen, mir wurde das Konzept vorgestellt – es hat mir gefallen und hätte mir vermutlich auch gut getan – aber dann verlief es im Sande. Keine Absage! Einfach nichts! Dabei wurde mir gesagt, dass ich Rückmeldung bekomme.

Ich habe Angst vor Institutionen, Angst vor Telefonaten und habe gerade extrem viel Organisatorisches zu erledigen. Nicht nur mit dem Sozialamt, auch wegen Therapien der Kinder, Rollstuhl, Arztbesuche (Augenarzt, Hausarzt für meinen Sohn) Internetprobleme, Handyvertragsprobleme, Garten etc pp. Dann straft mich meine Tochter ab, weil ich sie länger (eine halbe Stunde) in der Werkstatt lasse und nicht mehr die Zeit für sie habe, wie sie es möchte. Mein Sohn redet auf mich ein, will mit mir über Politik, Sport und Urlaub (den wir gemeinsam nicht machen können) sprechen – eigentlich reden beide Junioren von zwei Seiten auf mich ein! Ich habe ein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber und finde für mich selbst keine Zeit, denn der organisatorische Kram samt Haushalt schwebt immer im Hintergrund.

Helferinnen springen ab, weil ich kurzangebunden bin und unhöflich erscheine. Ergo, noch weniger Unterstützung. Neue Helfer akquirieren fällt mir schwer, weil ich nicht weiß, wo ich noch suchen soll. Ich hatte mir erhofft und auch gesagt, dass ich Formulierungs- und Anzeigentipps von der hiesigen Sozialarbeiterin bekommen möchte. Nachdem ich gesehen habe, welchen Arbeitszeitraum diese in der Tagesklinik hat, ist mir klargeworden, dass auch sie das nicht leisten kann. Nichtsdestotrotz hätte ich es dringend gebraucht.

Ich habe kein soziales Umfeld. Hatte nie die Gelegenheit eins aufzubauen, weil mein zeitlicher Rahmen sehr eng begrenzt ist. Eine Vernetzung, auch mit anderen Eltern behinderter erwachsener Kinder, gibt es nicht. Dazu kommt meine soziale Scheu und die Angst auf Menschen zuzugehen.

In der Tagesklinik habe ich mich tatsächlich zeitweilig gelangweilt. Mir haben Gespräche gefehlt und konstruktive Anstöße. Dass ich Kontakte knüpfen sollte, weiß ich selbst. Aber ich hätte gerne erfahren wohin ich mich wenden kann – in meiner begrenzten Zeit. Wie schon gesagt, mein soziale Phobie und die Angst vor Ablehnung ist groß. Meine burschikose großspurige Fassade und meine Angriffslust – es ist keine Lust – ist nur Schutz. ‚Angriff ist die beste Verteidigung!‘ – macht aber keine Freunde!

Ich gehe aus der Tagesklinik und dem StäB entlassen nach Hause und bin aufgewühlter als vorher. Fühle mich allein gelassen und denke, dass ich Ihren Rahmen gesprengt habe. Hilft mir nur nichts. Dennoch sehe ich, dass Sie mir helfen wollten.

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15:38 Uhr: Bislang keine Reaktion aus der Klinik!

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