Angst heißt, in einer stern- und mondlosen Nacht, verlassen und ein wenig blutend, im offenen Meer zu treiben, mit nichts Greifbaren um sie herum, über einer bodenlosen Tiefe – und zu warten.
Martin Simons aus: Jetzt noch nicht Aber irgendwann schon
So oder so ähnlich fühle ich mich oft, auch jetzt. Ich blute nicht und doch fühle ich mich so – blutleer. Es ist oft so, wenn ich etwas erreicht habe, dass ich dann freischwebend in der Luft, an einem seidenen Faden übern Abgrund hänge. Ich kann es nicht glauben, dass ich etwas geschafft habe, dass ich das Windelthema mit der Krankenkasse gut gelöst habe. Es hat mich Überwindung gekostet, viele Telefonate – dabei telefoniere ich äußerst ungern. Als Kind habe ich mich versteckt, wenn das Telefon bimmelte. Als noch keine Nummern angezeigt wurden, bat ich meinen Mann den Anruf entgegenzunehmen. Jetzt, da die Nummern angezeigt werden, ja gar die Namen, nehme ich noch lange nicht jeden Anruf an. Aber ich habe es geschafft, ich bin stolz. Die Windelfrage ist geklärt!
Aber es ist auch so, dass, wenn ich etwas Schönes erreicht habe, ich danach sehr traurig bin. Besonders, wenn ich ganz alleine bin und sich niemand so richtig mit mir freut. Dann kommt die diffuse Angst und hängt sich an meine Waden. Keinen Schritt kann ich laufen und meine Gedanken kreisen schon ums nächste Projekt, bei dem ich auch mit Menschen verhandeln und reden muss. Ich kann mich unterhalten, ich kann auch gut verhandeln, aber ich sterbe währenddessen tausend Tode …

