Gedanken, Kuddelmuddel, Musik

Wut verrauchen lassen

Irgendetwas gärt in mir – ich spüre eine unbändige Wut! Gegen wen oder was kann ich nicht sagen. Vermutlich bin ich es selber, gegen den ich an- und für den ich kämpfe.

Schwer mache ich es mir. Da helfen Leichtigkeitssprüche von anderen wenig, da helfen auch keine Beileidsbekundigungen – ich muss mein Leben leben. Und zu meinem Leben gehören die Junioren dazu, wie das Amen in der Kirche. Wenn beide ausgezogen wären, dann hätten sich die Probleme nur verschoben. Essen tut Carsten woanders auch nicht mehr. Wiebke pinkelt woanders auch ins Bett. Okay, das ist kein gutes Beispiel – ich bräuchte das Bett nicht zu beziehen! Ich will meine Kinder bei mir haben und sie wollen bei mir sein.

Stopp! Ich verzettele mich.

Meine Wut ist gut. Sie zeigt mir, dass ich lebe. Eigentlich beflügelt sie mich. Sie lässt die Angst gelten und fragt nach. – Ab nächste Woche kann ich endlich wieder (war seit Mitte Januar nicht) zur Psychologin gehen …

 

Behinderung, Familie, Gedanken, Kuddelmuddel, Musik

Bruddelalltag

Nicht anders, als sonst! Nur, nach dem Lockdown, morgens ein bisschen später und nachmittags ein wenig früher. Insgesamt etwas mehr als eineinhalb Stunden.

Alles gut! Aber ich hatte ganz vergessen, wie es unter (etwas) Zeitdruck ist, morgens den Kerle aus dem Bett zu bekommen und dem Töchting adäquate Kleidung anzuziehen. “Das T-Shirt mag ich heute nicht! Das ist zu rot!” Oder grün oder sucht euch eine Farbe aus. “Was möchtest du denn für eins anziehen?” “Weiß ich nicht!” Eigentlich müsste ich Fragezeichen und mehrere Ausrufezeichen schreiben, das sieht nur so unglaublich bescheuert aus. Bescheuert ist auch ein Ausdruck, den Wiebke gerade sehr mag. Alles ist irgendwie bescheuert. Dabei wird entweder gelacht, gegreint, geweint oder es werden lustige Grimassen gemacht. Bescheuert ist also relativ! Zumindest ist das T-Shirt heute Morgen nicht oberbescheuert gewesen.  Carsten hat nur keine Lust aufzustehen und zögert das Augenaufschlagen bis ins Unendliche hinaus. Ich lasse ihn bis kurz vor knapp liegen und bin so froh, dass er sich alles anziehen lässt …

Dafür isst er im Moment wieder fast nichts. Aus der Werkstatt bringt er die Hälfte seiner Nahrung mit heim. Ich verzweifle einmal wieder. “Mein Magen ist doch so klein, da passt nicht mehr rein!” Wisst ihr, ihr könnt euch das gar nicht vorstellen – es sei denn, ihr habt ein magersüchtiges Kind im Haus – es tut so weh zu sehen, wenn ich den Kerle wickle, wie die Rippen zu zählen sind. Aber alles, was ich versuche – essenstechnisch – geht in die Hose. Gegen anreden hilft auch nichts, denn Carsten ist nicht auf den Mund gefallen und hat wunderbare stichhaltige Argumente, warum er dieses und jenes gerade nicht essen kann oder will. Wenn ich lauter werde, holt er die Moralkeule raus.

Ich gehe bruddelnd in den Keller, wasche mal wieder Betten und dann werde ich in die Weinberge schleichen.