Kategorie: Gedicht

6:43 Uhr

Die Kaffeemaschine
angestellt
das Radio
gleich wieder aus

da hab ich
wütende Lieder gesummt
will keine schlimmen
Nachrichten hör‘n

mein Bauch
ist jetzt
voll Kaffee gepumpt

das Gedankengewirr
im Kopf indes
zum Glück
 – verstummt

© petra ulbrich

∙∙∙∙∙

Kommentare, auch kritische, sind herzlich willkommen!

Landtagswahlen

In Thüringen und Sachsen – zwei Freistaaten, fällt mir nur grad eben ein – ist gewählt worden und mir bleibt zwar nicht die Spucke weg, doch sagen möchte ich dazu nichts. Ich bin erschüttert!

Es wird Herbst, nicht nur politisch. Heinrich Heine hat, unter anderem Kontext ein Gedicht geschrieben, dessen erste Zeilen mir in den Sinn gekommen sind:

Nachtgedanken

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen,
Und meine heißen Tränen fließen.

Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.

Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext.
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!

Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.

Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.

Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land!
Mit seinen Eichen, seinen Linden
Werd ich es immer wiederfinden.

Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.

Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt – wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.

Und zählen muß ich – Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust – Gottlob! sie weichen!

Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.

Heinrich Heine

∙∙∙∙∙

Meine privaten Befindlichkeiten sind launenhaft. Viel zu viel, was ich nicht beeinflussen kann, passiert gerade. Schönes und Schreckliches geschieht in einem rasanten Wechsel, dass ich kaum hinterherkomme. Ich bekomme ein Foto von Carsten in der Nordsee geschickt und kurz danach ruft eine Freundin an, dass sie eine steile Treppen hinuntergefallen ist – ein Rückenwirbel hat sich verschoben und bewegen geht (fast) nicht. Sie wohnt im vierten Stock ohne Aufzug! Ich mag gar nicht daran denken, dass ich auch einmal fallen könnte…

Wieder ein Tag

Wieder ein Tag
mit Aufstehen viel zu früh
Sonnenaufgang ohne Bilderbuch
Himmel voller Schleier

Vögel im Nachbargarten
singen nicht
kein Mensch ist unterwegs
die Wände schweigen

Wieder ein Tag
mit Sommerhitze
Gemüsecurry zu Mittag
– und frisch gewaschenen Kopf

© petra ulbrich

∙∙∙∙∙

Wieder ein Tag – noch ist es ein halber – der mich gelehrt hat, dass man sich – auch im übertragenem Sinn – den Kopf waschen kann. 

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