Kintsugi ist eine japanische Kunst zerbrochenes wieder heil zu machen. Ich besitze eine solche Schale und sie ist mir sehr lieb. Denn nicht alles was zerbrochen ist, muss man wegwerfen.
Allerdings bin ich gerade dabei aufzuräumen – liegt wohl auch an der Jahreszeit oder meinem Alter – jedenfalls habe ich so manches in die Tonne geworfen. Auch Dinge, die einen gewissen materiellen Wert haben. Dagegen sind einige Dinge beim kruschteln gefunden worden, die lange vergessen waren und die mich jetzt wieder richtig freuen lassen.
… und warum ich gerade an Kintsugi gedacht und die Überschrift gewählt habe, weiß ich selbst nicht mehr so genau.
Diese Überschrift hatte ich schon einmal! Diesmal ist es anders und doch wieder nicht! Es geht um mein momentanes Hauptthema – um pflegende Angehörige und ihre nicht vorhandene Lobby. Es geht auch allgemein um Pflegekräfte und dass sie nicht gesehen werden. Dass alles, was sie machen ja wunderbar löblich ist, aber selten honoriert wird. Mir gehts dabei noch nicht einmal um Geld. Davon kann ich mir keine Freunde kaufen! Mir gehts darum, nicht übersehen zu werden. Ich fühle mich als Mutter manchmal nur als Mittel zum Zweck. Dass es meinen Junioren gut geht, dass sie zur Bandprobe kommen, dass die vollgepinkelten Hosen gewaschen werden etc. pp. Handlanger, aber bitteschön im Hintergrund. Nicht in die erste Reihe gehen, auf gar keinen Fall. Dass ich mich dann auch noch erdreiste Gedichte zu schreiben! Aber auch da beschleicht mich das Gefühl, dass diese kaum gesehen werden. Eifersüchtig bin ich auf andere Gedichteschreiber*innen. Es ist ja nur ein Hobby von einer unausgelasteten überlasteten Mutter, die sonst nichts zu tun hat.
Was ich hier im Blog schreibe, ist ein Bruchteil dessen, was bei uns passiert. Ohne Routine, die aber auch Arbeit ist, wäre hier schon längst Schicht im Schacht. Stellt euch vor, ihr hättet seit über vierzig Jahren eine*n zwei bis dreijährige*n zu versorgen. Stellt euch das einfach mal vor!