Kategorie: Behinderung

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Ich seh etwas, was du nicht siehst!

Auch du siehst etwas, was ich nicht sehe! Was ist, wenn jemand immer weniger sieht? So passiert es dem Kerle. Schleichend schwindet seine Sehkraft. Der Ausschnitt wird kleiner und kleiner. Ich finde es bewundernswert, wie er damit klar kommt. 

Ein Freund, oder ist es nur ein sehr guter Bekannter? Nein, es ist ein Freund. Zwar kein enger, aber dennoch ein Freund. Dieser ist heute das zweite Mal am Auge operiert worden. Er hat ein Loch in der Netzhaut und hat berechtigte Angst sein Augenlicht zu verlieren.

Mein Töchting will nicht sehen, will die vielen Krümel übersehen, die sie unabsichtlich überrollt: „Wenn die Kekse auch im Weg liegen, wie soll ich da drum rum fahren?“

Ich selber habe Mouches Volantes. Nervt. Kann ich manchmal ausblenden. Bei hellem Licht nicht so einfach und jetzt, da ich vom Freund gehört habe, sind sie ständig präsent.

ist das jetzt böse?

Nicht wirklich – obwohl die beiden Herren wahrscheinlich diese Wortwahl auch auf den Kieker haben. Dieser Jungendlichkeitswahn geht mir auf den Keks. Aber, im Grunde genommen geht mich das auch gar nichts an. Erstens bin ich über fünfzig und zweitens habe ich keine Zöpfe.

Ich habe meine Füße im Wasser stehen, werde da gleich auf die Nägel roten Lack pinseln, mir mein Buch schnappen und heute bis in die Puppen lesen. Die Junioren sind auf Achse!

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Kann man eigentlich eine Fischkonserve ohne sich vollzuspritzen aufmachen? Hat das schon mal jemand geschafft?

Sommerabend

Der Kerle guckt Fußball-EM der Frauen und kommentiert das Spiel, jedes Spiel, wie ein Stammtischtrainer.
Das hat mich schon vor Jahren immer bei MamS genervt – einerseits, andererseits hat es mich amüsiert, wie engagiert man doch bei einem Fußballspiel sein kann!

Selbst gucke ich mit halben Auge zu und versuche meine Ohren auszuknipsen. Das gelingt mir nicht. Auch deswegen nicht, weil auf der anderen Straßenseite gerade einmal wieder die Feuerwehrtore mit Karacho aufgestoßen werden und Blaulicht samt Martinshorn angestellt wird. Solche Töne künden meist nichts Gutes an. Erst vorgestern hat’s am Feldrain gebrannt: „Wie Zunder! Zum Glück waren wir bald da!“

0:0 – und die Kommandos kommen spärlicher. 1:0 für die deutschen Fußballerinnen – die Euphorie ist gigantisch. Der Abend ist gerettet! Unverhohlene Schlachtgesänge, spitzbübisch, hämisch und feixend – mein Sohn kann ganz schön patriotisch gehässig sein.

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