Kategorie: Behinderung

Netzwerken | Momentaufnahme

Ist es im März doch noch nicht Frühling und nur das Licht bringt uns durcheinander?

Wer netzwerken kann, ist mir um Meilen voraus. Asperger-Autistinnen können das nicht, bzw. ich kann das nicht. Dabei müsste ich dringend ein Netzwerk aufbauen, wenn ich daran denke, wie es mit den Junioren weitergeht, wenn ich nicht mehr dazu in der Lage bin. Telefonieren ist ein Graus. Überhaupt Kontakt aufnehmen gestaltet sich als unüberwindbare Hürde. Es muss!

aushalten

Lieber die Straßenseite wechseln, wenn der Ehemann der kürzlich verstorbenen Nachbarin sich nähert. Das Essengehen mit der frischgetrennten Freundin vermeiden, weil man nicht mehr weiß, wie man sie noch trösten soll. Den Krankenbesuch hinauszögern, weil das Leid nicht mitanzusehen ist. Haben wir das Aushalten verlernt? Einfach wachen. Auf andere oder sich selbst aufpassen. Nicht in Aktionismus verfallen oder weglaufen, sondern Trauer und Schmerz, Verzweiflung und Hilflosigkeit, Streit und Disharmonie zulassen und aushalten – miteinander zumindest für eine Weile. […]  © Ulrike Berg

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Wie ist das bei euch? Könnt ihr aushalten? 

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Eigentlich wollte ich heute über das Nichtgesehen werden meiner Junioren schreiben. Habe ich so auch indirekt …

Pille nehmen

Auf keinen Fall möchte ich mein Töchting bloßstellen, nichts liegt ferner. Aber simple Medizin nehmen – außerhalb der, die sie täglich nimmt – gestaltet sich oft als Drama. Sie muss ein Antibiotikum nehmen und wir wissen alle, dass so ein Medikament konsequent eingenommen werden muss. Töchting sieht das anders! Sie sieht nur die große Pille und weigert sich.

„Ich will nicht, brauch ich nicht!“ W. schiebt meine Hand weg. Ich setze meine Tochter aufs Klo, da kann sie wenigstens nicht abhauen. Aber schon das ausziehen der Unterhose geht in die Hose. W. schreit. Ohne ihr zutun ist es für mich ein Kraftakt. Unter Tränen schaffen wir es. Sie bekommt die Pille in die Hand. 5 Minuten, 10 Minuten, sie hat die Pille in der Hand. W. redet. Was sie sagt, verstehe ich nicht. Sie ist aufgebracht und quengelt. Nebenbei fließen Krokodilstränen. Es ist nicht wie immer. Es geht nicht nach ihrem Plan. Sie ist frustriert. Mit Argumenten kann ich sie nicht erreichen. Sie sitzt immer noch auf dem Klo. Ich davor. Inzwischen habe ich die gesamte Morgenroutine erfüllt – die Rollos hochgezogen, gelüftet, mir meine Schuhe angezogen usw. Mein Töchting hat die Pille noch in der Hand. Zum Glück nicht weggeworfen. Ein neues T-Shirt, eine frische Unterhose und immer wieder gutes zureden. Diskutieren! Sie muss die Pille selber nehmen, sonst wird das nichts.

Endlich steckt sich W. das weiße Ding in den Mund. Sie fängt an zu husten, ich zucke zusammen. Alles bleibt drin. Wir diskutieren um den Schluck Flüssigkeit hinterher. W. gewinnt!

8:22 Uhr:

W. lacht jetzt, singt ihre skurrilen Morgenlieder und hat ihren gewohnten Alltag wieder.

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