Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Und ich wage nicht an die Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.
Kategorie: Allgemein
zerschossen
Mir hat es meine ganzen audio-files zerschossen, die ich auf einem anderen Server gehostet hatte. Ein Hackerangriff hat alles zerstört! Ich bin mir nicht sicher, was ich machen soll oder gar kann oder auch nur will. Ich habe angefangen alte Dateien zu löschen …
… am liebsten täte ich komplett neu anfangen!
Vermissen
Nie wieder, schreibt Paulacolumna, wird sie ihren toten Mann etwas fragen, ihm etwas Leckeres zu essen kochen und mit ihm reisen können. Es ist schwer, aber auszuhalten!
Genau heute Morgen, als mich um kurz vor sieben ein Anruf aus meiner täglichen Routine schreckte – wenn mich um diese Zeit jemand anklingelt, denke ich immer schlimmes und male mir alles Mögliche aus – als mich das Telefongebimmel durcheinanderbrachte, ich wollte gerade Carsten aus der Badewanne holen, vermisste ich MamS mehr denn je. Er hätte es klingeln lassen, einfach lassen. Das kann ich nicht, konnte ich noch nie. Ich muss machen, am besten gleich, sofort und nichts auf die lange Bank schieben. Am liebsten gestern schon. Bei Hans war das anders. Er hat auch nichts lange liegen lassen, aber reifen konnte es bei ihm. Alles!
Ich vermisse ihn mit jeder Pore meines Körpers. Ich vermisse die Gespräche, den Austausch, ja auch den Streit. Ich stelle mir vor, was er zur AFD gesagt hätte, oder zu den Veranstaltungen in Chemnitz. Ich weiß, dass das Konzert gestern nicht seine Musik war, aber er hätte es trotzdem angehört und vielleicht wären wir Alten sogar hingefahren – denn spontan war er trotzdem. Sein Tod kam einfach zu plötzlich. Wir hatten noch so viel vor! Ich vermisse das gemeinsame reisen sehr. Alleine macht es mir keinen Spaß und mit den Junioren zusammen ist es harte Arbeit, wenn nicht jemand mitfährt, der auch zupacken kann. Ich vermisse ihn nicht mehr bei meiner täglichen Arbeit, die mache ich mit links und ich weiß, MamS hätte inzwischen auch das eine oder andere Zipperlein und könnte auch nicht mehr so schnell.
Ich weiß, dass er bei mir ist, bei uns ist, nicht auf dem Friedhof – er ist um uns herum und in uns. Wenn’s mal wieder nur grau aussieht, dann blitzt ein Tropfen auf der Fichte vorm Esszimmer auf und sagt mir: „Petra, komm, alles geht weiter! Setz dich hin, trink was und dann: Auf geht’s!“ Dies: Trink was!, hat Wiebke übernommen, so wie so manches, was ich in den Junioren von dir wiederfinde. Dafür bin ich dankbar. Ich sehe in deinen Kindern immer ein Teil von dir, das ist schön und traurig zugleich. Aber die Schönheit überwiegt.
Es gibt Tage, da denke ich mit Wehmut an meinen verstorbenen Mann. Es gibt Tage, da dominiert die Erinnerung an vergangene gute Zeiten. Aber auch die unschönen und schlechten vergesse ich nicht – alles ist wichtig, alles hat seinen Sinn und das Schöne, Gute überwiegt.
Wenn ich die umfangreiche CD-Sammlung sichte, sehe ich darin Musik, die ich nie gespielt habe – einiges habe ich mittlerweile angehört. Vieles ist nicht meins, aber manches hätte ich wohl vorher mit meinem Mann zusammen angehört und ihn gefragt warum er das so gerne mag! Vorbei, ist so, kann ich nicht mehr ändern. Aber genau deswegen werde ich die CDs nicht wegwerfen. Manchmal, so auch jetzt höre ich dann Astrud Gilberto…
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