Schlagwort: Pflege

emotional

Du musst dein Ändern leben. | Rainer Maria Rilke

Ein nichtaufschreibbarer Tag war das heute! Viel zu sehr mit Emotionen beladen. Politisch, bundespolitisch – mir ist auch deswegen übel. Mir ist kotzübel, was da im Bundestag abgeht. Herr Merz ist für mich untragbar, Frau Weidel sowieso und gemeinsam sind sie einfach eine Pest. Mehr mag ich dazu nicht schreiben – mir fehlen kultivierte Worte.

Wichtiger für mich, das vormittägliches Gespräch! Es war sehr einfühlsam, aber dennoch hart. Ein Zukunftsgespräch. Eins vor dem ich mich gerne drücke. Eins, das mir aufgezeigt hat, dass ich nicht ewig lebe. Das Thema Endlichkeit möchte ich gar nicht so nah an mich heranlassen und dennoch ist es allgegenwärtig. Die Entscheidung ist mir für heute abgenommen worden. Sie ist allerdings nur vertagt.

haltet mich für verrückt

Meine Wackelpuddingbeine halten mich nicht aufrecht, ich vermisse meine Kinder schon nach 24 Stunden, dabei weiß ich ganz genau, dass ich sie in zwei Stunden wiedersehe.  Aber (man sagt aber eigentlich {eigentlich sagt man auch nicht, genauso wie man man nicht sagt} nicht, das ist viel zu wenig persönlich) gehts mir überhaupt nicht gut. Ich habe, einmal wieder, eine unbegründete diffuse Angst. ich möchte weglaufen, möchte noch einmal mit der Frau den gestrigen Tag wiederholen, möchte nicht, dass im Haus irgendwelche komische Viecher in den Holzbalken kreisrunde Löcher bohren, wovon noch nicht einmal der Schädlingsbekämpfer eine Ahnung hat, was das eigentlich für Käfer sind.Ich möchte nicht daran denken, dass unterm Dachfirst Wespen ihr Nest bauen, denn sowohl der nette Nachbar, als auch Carsten haben eine hochgradige Wespenallergie. Ich möchte nicht an die ungeöffneten Behördenbriefe denken, dabei können sie gar keine schlimmen Nachrichten beinhalten – die waren schon vor Wochen gekommen. Ich weine, habe Zukunftsangst, weiß nicht was ich machen soll.  Ich werde älter und sehe mein Leben davonschwimmen. 

Entschuldigt, ihr müsst nicht lesen!

Ich möchte so gerne noch einiges erleben, nur alleine kann ich das nicht. Meinen Gedanken, mir einen Gin zu genehmigen, verwerfe ich aus Pflichtbewusstsein – die Junioren wollen am Abend erzählen und brauchen eine aufmerksame Mutter!

Gerade nach schönen Stunden überkommt mich der Wehdam und ich realisiere, dass ich ziemlich alleine dastehe ….

wieder einmal

Die Pflege der behinderten Junioren kann mit vielen Ängsten auf unterschiedlichen Ebenen einhergehen. Rationale Ängste. Das ist was anderes, als eine Angststörung. Etwa so, dass der Kerle während einer Brechphase an dem Erbrochenen erstickt. Die Angst ist berechtigt.

Meine Angststörung bedient andere Ängste. Irrationale Ängste. Menschenmengen, soziale Interaktionen, Entscheidungs-, Zukunftsängste – um ein paar Klassiker zu nennen.

Ich habe mir meine Umgebung so gestaltet, dass ich meistens klar komme. Einige Mitmenschen wissen, was mir schwerfällt. Ich habe das nach und nach erzählt. Habe erklärt, dass ich im Autismus-Spektrum bin und das ein Teil davon meine Angststörung ist. Mir fällt diese Offenheit nicht leicht – gibt mir aber ein bisschen Sicherheit und hilft mir in Krisensituationen. Wenn ich wie gelähmt bin, dann bin ich nicht handlungsfähig und kann nicht richtig reden, dann habe ich körperliche Symptome – weiche Knie und massive Bauchschmerzen.

Weil ich gut eine Fassade aufbauen kann, merken Menschen in der Regel nicht, dass mich Situationen stressen. Ich erkläre ihnen detailreich, was die Angst mit mir macht. Dann verstehen sie das meistens. Versuchen es zu verstehen. Wenn ich bewusst in die Angst gehe, fällt es mir leichter damit klarzukommen.

Andererseits funktioniere ich, ich liefere ab. Schaffe viel!

Ich bin immer wieder in Therapie. Ohne sie würde ich weder leben noch pflegen. Meine Angststörung ist eskaliert, als ich selbst schwer krank wurde. Ich habe meine Endlichkeit gespürt. Dieser Druck zerbricht mich. Aber die Pflege meiner Junioren – nein, nicht die körperliche Pflege – die freie Zeit, das Drumherum will und kann ich nicht mehr alleine schaffen.

Ein Paradoxon. Und so einfach nicht zu ändern. Sehr komplex.

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