Schlagwort: Junioren

Garnelen und Skrei

Mir scheint, der Knoten ist geplatzt! Der Kerle isst, isst freiwillig und gerne. Natürlich wäre mir lieb wenn’s mehr wäre, aber ich darf nicht zu viel verlangen. Ich bin schon froh, wenn ich nicht gebetsmühlenartig immer und immer wieder ans essen erinnern muss – er tut es selbstständig! Heute Mittag waren wir zum Fischessen eingeladen. Es ist leider viel zu selten, dass wir rauskommen, umso mehr habe ich es genossen. Mir scheint, die Junioren noch viel mehr. Mein Töchting hatte ein drei Gänge Menu: vorweg einen Algensalat, als Hauptgericht Skrei auf Sahnewirsing und zum Nachtisch Schokoladeneis. Alles in extra kleineren Portion, aber sie hat es ratzfatz verputzt. Der Kerle hatte Garnelenspieße mit Knoblauchbrot. Die Portion hat er nicht ganz geschafft, aber für seine Verhältnisse supertoll gegessen!

… mir hat’s übrigens auch geschmeckt!

Langeweile

Schmuddelwetter am zweiten Weihnachtsfeiertag. Es regnet sich ein. Mir ist langweilig! Dabei hätte ich genug zu tun. Aufräumen, ein bisschen putzen – die Plätzchenkrümel und Schokoladensplitter – ich könnte auch einfach Wiederholungen im Fernseher angucken und diese neu entdecken. Aber ich lauere. Lauere darauf, dass mein Töchting ruft und aufs Klo will. Lauere, dass der Kerle vielleicht doch kotzt – er hat schon mehrmals besorgniserregend gehustet: „Mama nein, ich werde das nicht tun!“ Nur gewiss ist das nicht. Weiß ich, wie sein Magen reagiert. Er hat in letzter Zeit so viel gegessen, das ist verdächtig. Dünn und klein wird er bleiben, aber wenigstens stabil sollte das Gewicht sein! Wir haben keine Personenwaage, aber mehr als dreizehn Kilo bringt er sowieso nicht drauf. Es ist müßig sich übers Gewicht zu definieren!

Mir ist langweilig! Obwohl langweilig darf ich gar nicht sagen, ich habe genug zu tun. Nur das was ich gerne möchte, nämlich mich in mein Bett zu legen – mit einem Schmöker – das kann ich nicht. Hab immer ein Ohr und ein Auge bei den Junioren. Keiner, von denen, kann allein auf Klo oder sich was zu essen machen. Beide kommen nicht an den Kühlschrank, das Töchting vielleicht dann, wenn ich sie vorher auf den Rollstuhl gesetzt habe. Aber auch nur einen Kakao kann sie sich nicht selbst machen. Der Kerle würde auch auf dem Rolli sitzend, die Kühlschranktür nicht aufbekommen. Mir ist in soweit langweilig, dass mir eine Gesprächspartnerin fehlt. Es ist, bei allen Geräuschen, so still hier. Natürlich reden wir miteinander. Aber mir fehlt der Austausch auf Augenhöhe. Weihnachten gibts keine Helfer*innen, Weihnachten ist das Fest der Familien…

Heute Nachmittag gehen wir ins Kino!

Angsthase, Pfeffernase

Angsthase, Pfeffernase, morgen kommt der Osterhase.
Zieht dir deine Hose aus, übermorgen Nikolaus.
Zieht sie wieder an und du bist dran!

Wenn es darum geht einen Wettbewerb zu gewinnen, in dem es darum geht wer die diffuseste Angst hat, dann hätte ich große Chancen diese Challenge zu gewinnen.
Lange habe ich überlegt, ob ich diesen Beitrag überhaupt schreiben soll. Es geht nicht nur um Angst, auch um Angst, um Versagensangst, aber es geht auch darum nicht zu genügen, meinen unzuverlässig zu sein und darum den Junioren nicht genug bieten zu können. Ich schreibe es jetzt, weil es nicht mein alleiniges Problem ist – ich weiß, dass sehr viele pflegende Angehörige, besonders alleinerziehende  Mütter diese Gedanken umtreibt. Sie/wir können noch so viel machen, es wird nie genügen, weil wir uns mit nichtbehinderten Familien vergleichen und diese so viel mehr Möglichkeiten haben. Für mich ist ein Handballspielbesuch ein Mordsaufwand, andere Familien sagen fünf Minuten vorher: Gehen wir zum Handball! Ich muss Helfer akquirieren und doch beide Junioren alleine an- und ausziehen. Ich muss immer fragen und was für mich oft das schlimmste ist: ich muss dankbar sein und das auch zeigen – egal wie es mir dabei geht und egal, ob die Hilfe hilfreich war oder nicht. Ich wünsche mir Eigeninitiative der Helfer*innen, Ideen, was man zusammen machen kann, ohne die Junioren zu über-  oder zu unterfordern.
Aber es geht nicht nur um die Junioren – für sie ist gesorgt, sie sind meistens zufrieden und während der Aktionen bin ich das meistens auch. Es sind Aktivitäten für meine Kinder – da liegt’s begraben. Ich hätte gerne Aktivitäten für mich. Ich möchte einmal wieder essen gehen. Muss nicht unbedingt mit viel Chichi sein, wäre aber schön mal wieder ein Gängemenue serviert zu bekommen. Mit netter Unterhaltung und nicht alleine. Ich fühle mich vernachlässigt und ganz ehrlich – ich bin einsam! Ich kenne andere Eltern, denen es genauso geht. Wer jetzt auf die Idee kommt, dass wir uns doch nur zusammenschließen müssten, der sitzt einem Trugschluss auf. Denn, nur weil andere auch einsam und in der gleichen Lage sind, muss man noch nicht einmal die gleichen Interessen haben und etwas zusammen unternehmen können. Ich vermisse Gespräche auf Augenhöhe. Keine therapeutischen Gespräche, nicht immer intellektuelle, sondern auch mal alberne, welche über Klamotten und Schminke – triviale Frauengespräche und Gespräche mit Mann oder Männern. Dieses Einsamsein tut körperlich weh, das hat mir eine andere Mutter letztens auch bestätigt. Es ist ein Phänomen, das viele pflegende Angehörige haben und das man sehr schwer vermitteln kann. Denk doch mal an dich, kommt dann als Ratschlag. Mach nur mal was für dich! Alleine! Wo man sich nach Gesellschaft sehnt!

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