Schlagwort: Junioren

Daheim

Angst war auch im Urlaub dabei. Das kann ich nicht so einfach abstellen. Wenn der Kerle sich räuspert, im Auto plötzlich extrem still wird oder hustet, dann setzt das bei mir ein Szenario in gang, dass dystope Züge hat. Der Kerle ist für Momente abwesend, kognitiv nicht auf der Höhe und er redet zum Teil wirres Zeug. Meine Vermutung ist, dass er dann unterzuckert ist. Aber essen kann er in diesen Situationen nicht. Zum Glück hat er in der FreiZeit nicht gespuckt. 

Heute Morgen sprühte die Fontäne, sie sprudelte und hörte gar nicht wieder auf – der Kerle hat gekotzt. Das war eindeutig mein Fehler! Ich habe ihm durch die PEG Nahrung gegeben – vielleicht ein bisschen schnell. Der Kerle hat gebadet und ist jetzt sauber. Auch liegt er wieder im Bett. Schlapp, ausgekotzt, leer! Und sie hat sich wieder etabliert, meine Angst!

zu mutig?

Gerade im Moment verlässt mich der Mut. Bin ich zu mutig gewesen? Mein Neffe kommt uns besuchen – heute Abend. Für die kommenden Tage habe ich einen Kurzurlaub gebucht. Sehr spontan. In Oberschwaben. In einem schönen Hotel mit Schwimmbad und gutem Essen. Sehr spontan – vielleicht zu sehr? Die Junioren freuen sich. Aber ob sich der Neffe auch freut? Ich bekomme so langsam gewaltige Angst vor meiner eigenen Courage. Er hat jedenfalls gesagt, dass es ihm recht ist. 

Wie lange war ich nicht weg? Viel zu lange! Und jetzt krieg ich Muffensausen. Dabei wünsche ich mir nichts mehr, als endlich einmal wieder in einem Hotel aufzuwachen, mich an den Frühstückstisch zu setzen und mich bedienen zu lassen. Wenn denn nicht der Reichsbedenkenträger seine Ansprüche anmelden würde!

still ist es

Still ist es. Noch nicht einmal Musik klingt. Vielleicht in mir. Im Dur-Akkord. Moll ist genug da draußen. Ich muss dem entgegentreten. Ich muss wirklich müssen, denn wenn ich es nicht tue, versinke ich im Morast der Mutlosigkeit. Gerade heute an Karfreitag.

Kirchenglocken sind still, jemand sagte, dass sie nach Rom geflogen sind. Um 9:00 Uhr habe ich ein einsames Glöcklein gehört – oder war das nur der Wunschgedanke? Aus des Töchtings Zimmer kommt auch kein Ton. Sie schläft. Müde ist sie nach der Nacht mit den Geistern. Was war, erzählt sie nicht. Nur, dass was war. Sie holt ihren Schlaf nach – der Kerle sowieso. Er ist fröhlich, ein Charmeur erster Güte mit Sprachwitz und dem Schalk im Nacken: „Lass mich pennen,“ sagt er; „am Nachmittag muss ich fit sein. Da wollen wir spazieren gehen – mit D. und den Jungs!“

Draußen kann ich den blauen Himmel sehen. Noch regt sich in den Juniorenzimmern nichts. Es ist still am Karfreitagmorgen!

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