Schlagwort: behinderte Angehörige

Handball und anderes

So einfach mal eben zum Handball gehen, ist das nicht. Besonders im Winter nicht. Die Junioren können sich nicht selber anziehen oder auf den Rollstuhl setzen, sie brauchen bei allem was sie machen Unterstützung. So sehr ich mich auch gefreut habe, dass uns Hilfe angeboten wurde, so sehr muss ich jeden Handschlag für jeden neuen Helfer immer wieder neu erklären. Ich möchte hier einfach nur mal schreiben, dass das, was ihr in 5 Minuten macht, dieses bei uns um einiges länger dauert und das gleich in doppelter Ausführung. Ich möchte nicht meckern, nur aufzeigen, dass so viele Aktivitäten bei Behinderten und auch alten Menschen keine Selbstverständlichkeit ist…

Es ist Montagmorgen, ich wecke die Junioren, Wiebke wird baden – und beide werde ich komplett anziehen und für den Tag vorbereiten. Ich mache das jeden Tag – okay – jeden Tag und wenn es auch Routine ist, so ist es jeden Tag harte Arbeit!

es regnet

Nicht meckern, es ist schließlich November! Da darf es schon mal regnen und aufs Dach prasseln. Wir mögen es am Fenster zu sitzen und rauszuschauen. Trotzdem ist Wiebke genervt – sie will spazieren gehen, zu den Eseln und Hühnern. Außerdem müssen wir Brillen richten lassen. Sie sind verbogen. Carsten hat seine Bügel selbst so hingebogen, dass er seine Brille abends ans Tablet hängen kann. Dass sie dann nicht mehr gescheit auf der Nase sitzt, das hat er nicht bedacht und so drückt sie eben… und dann ist da noch unsere Bäckerfreundin, bei der Wiebke ‚endlich einmal wieder eine Brezel kaufen muss‘. Mit zwei Rollstühlen im Regen? Kann Spaß machen, mit dem geeigneten Helfer. Wenn aber jemand schon frierend und mit der Auffassung hinter einem Rollstuhl steht und sagt, dass das sein Rollator sei, dann wird’s eher dröge, denn lustig. 

Aber wahrscheinlich werden wir heute eh backen und Bären, Füchse und Gänse ausstechen. Außerdem muss ich mal wieder Formulare ausfüllen. Handschriftlich, fein leserlich und am besten in Druckbuchstaben! Dazu ist ein Novemberregentag schließlich auch gut…

es muss getan werden

Egal, ob ich Lust habe oder nicht – es muss gemacht werden!

  • die Junioren müssen aufstehen
  • sie müssen ins Bad
  • sie müssen gewaschen/gebadet werden
  • angezogen werden
  • ihnen muss Frühstück gemacht werden
  • auf den Rollstuhl setzen
  • aufs Klo
  • gewickelt
  • Betten abgezogen
  • Betten waschen
  • neu beziehen
  • ihnen das Trinken in den Mund reden und Essen machen
  • nebenbei die Puppe anziehen
  • Legoteile suchen
  • die Oskargeschichte weiter vorlesen
  • mit Wiebke zum drölfhundertvierundzwölften Mal das Flughafenbuch anschauen
  • mich einen Moment hinsetzen – Augen zu
  • „Mama, ich muss mal!“
  • dem Musiktherapeuten Kaffee machen
  • die Brust einreiben und den Darm massieren – bei mir und den Junioren
  • den Dreck übersehen
  • .
  • .

Eben ist die Feuerwehr mit drei Fahrzeugen ausgerückt. Mehr haben sie nicht und das verheißt nie was Gutes. Der letzte Einsatz war wieder ein schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn. Wiebke ist wach und sie mag grad nicht alleine essen!

Euch allen wünsche ich einen entspannten Tag. Guckt mal in euer Umfeld, vielleicht ist da ein Mensch, dem ihr ein Lächeln oder gar eine Umarmung schenken könnt…

Nachtrag zur Mittagsstunde

Je länger meine Krankheit dauert, umso weniger bin ich aufgeschlossen für verschwurbelte Texte, bei denen man zwischen den Zeilen lesen oder Hintergrundwissen haben muss.

Mag sein, dass meine Fantasie nicht ausreicht für Wortneuschöpfungen und oder antiquierte Sprache. Ich habe es lieber geradeaus und ohne unnötige Umwege, was nicht heißt, dass eine schöne Sprache mir keine Freude macht. In einigen Blogs komme ich mir, wie der verarschte Kaiser vor, dem nur vorgemacht wird, dass er wunderschöne neue Kleider bekommt und in Wirklichkeit nichts anhat.  Aber manchmal ist eben einfacher mehr und beflügelt meine Fantasie stärker. Ein großer Schriftsteller Journalist* – mir fällt grad nicht ein, wer es war – sagte, dass einfach und verständlich zu schreiben ganz schön schwer ist…

*

Joseph Pulitzer

Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.

Joseph Pulitzer

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