Schlagwort: Autismus-Spektrum

eigentlich

Eigentlich ist ja schon wieder eine Einschränkung. Aber manchmal trifft‘s eigentlich ganz gut: denn ich möchte einen meiner Morgen erzählen. Ich möchte Verständnis wecken – für mich und andere Menschen im Autismusspektrum, mit daraus resultierenden Angststörungen. Aber ich möchte es nicht zu öffentlich machen und doch wieder und dann doch wieder nicht! Weil ich Angst habe, an den Pranger gestellt zu werden. Wenn auch nicht öffentlich, so denn in den Köpfen der Leser*innen, die dies Blog als Boulevard sehen. Und für die, die nicht kommentieren und in ihren Köpfen die besten Ratschläge haben.  Ich möchte Verständnis (nein das ist das falsche Wort), ich möchte wertgeschätzt werden. Wertschätzung ist das Zauberwort!

Aber bekomme ich das in einem Blog? Die Antwort weiß ich selbst: ist gar nicht so schlimm, wie ich’s in meinem Szenario gestalte!

Es bleibt noch einen passwortgeschützten Beitrag zu schreiben. Doch liest diese überhaupt jemand? Außerdem würde ich gerne wollen, dass manche Menschen meine geschützten Beiträge lesen, sie aber das Passwort nicht angefordert haben. Ich könnte es ihnen schicken!? Nee, könnte ich nicht, denn ich dränge niemanden etwas auf. Sie fragen vielleicht auch nicht, weil sie keine Abfuhr bekommen möchten. Dilemma. Schon wieder diese Ambivalenz!

Nichtsdestotrotz werde ich in der nächsten Zeit (Passwortanfrage) geschützte Beiträge schreiben, in denen ich meine Zerrissenheit besonders am Montagmorgen schildern möchte. 

Je besser ein autistischer Mensch “funktioniert”, desto mehr Funktionieren wird erwartet, und desto weniger Unterstützung bekommt er. Die Anstrengung hinter dieser Leistung sieht niemand. Gut zu “funktionieren” bedeutet nicht, keine Unterstützung zu benötigen.

Erklär mich mal

Ich fühle mich nicht gut genug ausgerüstet, um mein Leben zu meistern: die Zukunft macht mir Angst – hat mir schon immer Angst gemacht. Ich bin ununterbrochen in Sorge, ruhelos, von vielen irritiert, ich kann nicht abschalten und entspannen fällt mir verdammt schwer. In meinen Notizen habe ich diesen Satz gelesen, geschrieben habe ich ihn aber bestimmt nicht: Jeder Tag ist so, als würde ich in Bleistiefeln durch Wackelpudding laufend auf den Kilimandscharo steigen. Jeder Schritt in meinem Leben ist eine Wahnsinnsherausforderung. 

Ich bin Perfektionistin, lege diese Maßstäbe an mich selbst sehr hoch. Aber auch an andere Menschen setze ich hohe Ziele – oft viel zu hohe. Aber ich denke; was ich kann, können andere doch sowieso! Deswegen sind Beziehungen in der Regel nicht von Dauer, weil sich wohl das Gegenüber ständig kontrolliert oder ausgenutzt fühlt. Dabei möchte ich, dass es meinen Mitmenschen gut geht. Freundschaften setzen mich emotional und auch sozial unter Druck – ich weiß selten wann ich wie reagieren oder handeln soll. Ich erscheine kalt, unempathisch, unsensibel und zu rechthaberisch, dabei will ich nur (mich) erklären. 

Immer noch hängt mir so ein Vorwurf in den Knochen. Mir wurde gesagt, dass ich mich nicht auf meinen Autismus ausruhen soll – so oder so ähnlich gemeint, geschrieben wurde es anders. Inzwischen bin ich verunsicherter denn je…

Aufwachen oder so ist es eben

Mir träumte
Ich saß auf einer Bank
Vorm Haus

Du schautest
Aus dem Fenster
Raus

Und sahst mich
Nicht
Ich war zu nah

Stattdessen hast
Du sie
Gesehen

Sie schwebte
Auf dem Bürgersteig
Sehr stolz vorbei

Du pfiffst
Du beugtest dich
Zum Rahmen raus

Und fielst
Ins grüne Gras
Ich hob dich auf

Kein Wort
des Dankes
Hattest du

Du ranntest
Ohne Rast und Ruh
Ihr hinterher

Sie drehte sich
Nicht einmal um
Dann wacht ich auf
– das Spiel wurd mir zu dumm

© petra ulbrich

∙∙∙∙∙

Mich fragte gestern eine Bekannte wie ich dichte. Meine Antwort fand sie unbefriedigend; ich sagte: Indem ich schreibe was mir durch den Kopf geht! Ob ich denn ein Konzept hätte? Das musste ich verneinen. Wenn ich anfange zu schreiben, weiß ich nicht wohin die Reise führt. Wie ich letztens schrieb; Gedichte entstehen beim gehen! Momentan schwebt über allen ein wenig Enttäuschung. Das Gedicht, das mir im Kopf herumspukt, über Wertschätzung, will noch nicht raus. Meine Bekannte sagte dazu, dass es wohl noch ein bisschen kochen muss! Dabei brodelt es doch schon sehr…

Copyright © 2026 voller worte – mit und ohne Innenfutter

Theme von Anders Norén↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.