Alltag, Behinderung, Familie

ich weiß ja auch nicht

Wohnzimmerfensterblick

Irgendwie ist das heute ein Trödeltag mit Druck. Erst baden beide Junioren ausgiebig und dann ist das Badezimmer völlig nass und jetzt geht‘s fast im Hurra weiter, weil wir nämlich am frühen Abend ein Konzert im Salzsiederstädtchen besuchen.

Nebenbei nervt mich der Kanzler, der nicht meiner ist. Die Vogelgrippe lässt die Eier teuer werden. Der US-Präsident? Muss ich über den schreiben? Die Mütterrente und die Ungleichbehandlung: Was hätte ich für eine Rente, hätte ich arbeiten können! Gestern war auch noch erster Tag pflegender Eltern

… ich nehme mir das Recht raus, keine Zeit zu haben!

Gedanken

Frage

Dein Beitrag über deine Hochzeit war wie ein kleines Buch lesen. Man möchte einfach mehr wissen.

Das war eine Rückmeldung per Mail und hat mich sehr gefreut – Dankeschön B.. Meine Frage ist jetzt: Mögt ihr eigentlich meine Sprache? ist sie nicht zu langweilig? Ich schreibe keine Drabble, beteilige mich nicht an Schreibwettbewerben und bekomme auch so kaum Feedback auf meine Lyrik/Gedichte. Ist meine ‚Schreibe‘ verständlich? Oder vielleicht zu einfach, zu kompliziert? 

Ich weiß es nicht. Kann das nicht einschätzen. Manch einer im realen Leben signalisiert mir, dass ich zu verkopft bin und zu umständlich rede. „Aber schön!“, sagen sie, die Leute!

Gedanken

verheiratet sein

Rein juristisch endet eine Ehe mit Tod des Partners oder durch Scheidung.

Emotional ist das völlig anders. Eine Ehe kann vorher schon kaputt sein oder viel länger andauern.

Vor 50 Jahren habe ich geheiratet. Ohne weißes Kleid, mit grauenhaften Schuhen, dafür mit sündhaft teuerem Outfit aus einer Nobelboutique. Praktisch war ich schon immer veranlagt, denn den Trägerock (liest sich in diesem Moment bieder – war er aber nicht) und die tolle weiße Bluse habe ich sehr lange später noch getragen. Die Schuhe nie wieder! Mein obligatorischer Blumenstrauß war von einem angehenden Floristenmeister und MamS musste nur die Rosen bezahlen, weilˋs ein Übungsstück war.

Der Tag war, na ja eben norddeutsch grau, überall Laub und die Sonne hatte sich ganz weit nach oben verzogen. Am Vormittag waren meine Eltern in der Schule. Symptomatisch für sie. Auch meine Schwiegereltern waren nicht da. Nur die Schwester von MamS und deren damaliger Freund als Trauzeugen. Beide völlig underdressed. Ich war sowas von enttäuscht. Sinn für schicke Kleidung hat meine Schwägerin nie entwickelt – und wie sie heute aussieht weiß ich nicht. Aber wahrscheinlich genau so, wie alle alten Frauen!

Ich fühlte mich mutterseelenallein! Der schönste Tag im Leben und keiner guckt zu.

Natürlich haben wir gefeiert. Es gab ein Essen, das meine Oma bezahlt hat. Sie hat es auch herausgesucht. Irgendwas mit Kroketten, Wildfleisch, Bohnen und vorneweg Rinderkraftbrühe. Zum Nachtisch das fürstlich püklersche Eis. Alles mitten im Wald. Im Forsthausrestaurant. Bisschen steif, weil Welten aufeinander prallten. Die Künstlerwelt meiner Familie und die der Arbeiterfamilie. Meine Schwiegereltern waren nette, sehr liebe Menschen. Ihr Sohn wurde, so sie es konnten, gefördert. Und MamS war ehrgeizig. Meine Mutter vielleicht ein bisschen arrogant und mein Vater sehr skeptisch.

Wir waren jung. Wir hatten große Pläne. Niemand glaubte an uns. Wir haben es allen gezeigt. Damals schon. Vor 50 Jahren.

… und heute drehe ich meinen Ehering, schicke Grüße in den Himmel und werde mir Rosen kaufen!

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Mann an meiner Seite

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