Gedanken

still und Aktionismus

Ich hatte mich aufgelöst – über Jahre hinweg. Unmerklich. Sutsche piano! Ich hoffe, es wird nicht Jahre dauern, mich wiederzufinden. Natürlich kann ich nicht erwarten, dass über Nacht alles gut wird, was jahrzehntelang gewachsen ist.

Dabei ist gar nichts Dramatisches passiert, außer, dass ich der Angst viel zu viel Raum gegeben, und mich dabei vergessen habe. Es ist einfach so geschehen.

Ein bisschen habe ich mich der Angst heute gestellt. Nicht alleine, eine Sozialarbeiterin hat mich unterstützt – gestützt – hat meine gesammelten behördlichen, versicherungstechnischen Briefe und Bankunterlagen sortiert – auseinanderklamüsert und Häufchen gemacht. Zwei Stunden lang! Fertig sind wir nicht. Es ist ein Anfang und ich hatte eine Heidenangst dabei. 

Es kann niemand nachvollziehen welchen Stress mir das gemacht hat. Rein verstandesmäßig ist nichts dabei – man muss nur sortieren! Noch immer ist mein Adrenalinspiegel schwindelnd hoch, und die Frau ist seit einer Stunde weg.

Andere Menschen erstarren und können nicht weinen. Ich zerfließe und löse mich in Tränen auf. 

Das Bürozimmer ist jetzt abgeschlossen und ich warte auf die Stille in mir. 

Musik

es ist an der Zeit

Hannes Wader singt! Der Wehrdienst wird wieder eingeführt.

Nachher schreibe ich dazu noch was, jetzt ruft erst einmal die Morgenroutine – die Junioren müssen versorgt werden.

∙∙∙∙∙

08:45 Uhr – Die Junioren sind auf dem Weg in die Werkstatt und ich höre Hannes Wader in Dauerschleife. Den Friedensaktivisten, den alten Barden, den Wegbegleiter meiner Jugend – auch wenn er um einiges älter ist, als ich. Zusammen mit Reinhard Mey und dann Konstantin Wecker haben sie vehement gegen Krieg demonstriert. Ich erinnere nur an das Lied: Meine Söhne geb ich nicht.

Selber war ich sehr zwiegespalten als damals der Wehrdienst ausgesetzt wurde, fiel doch damit auch der Zivildienst weg. Die vielen jungen Männer in den Behinderteneinrichtungen z. B. waren auf einmal nicht mehr da. Was geschieht jetzt? Wir brauchen neue Strukturen um die Männer, aber auch Frauen zu erfassen – denn gleiches Recht für alle. Wie soll die Musterung  vonstatten gehen? Ich hoffe inständig, dass diese neuerliche Einführung nicht so ein Kuddelmuddel wird.

Klar, mag ich auch nicht zusehen, wie der Krieg aus der Ukraine immer näher rückt und Kriegsdiskussionen mag ich generell nicht führen – Ich bin Pazifistin durch und durch. Joan Baez hat dazu geschrieben und ich unterschreibe das voll und ganz. MamS hat nach dem Grundwehrdienst verweigert. Es war eine Quälerei und er wurde schikaniert ohne Ende, hat es aber nie bereut!

∙∙∙∙∙

Bäh, bei mir kommt die morgendliche Übelkeit hoch. Das hier zu schreiben trägt auch nicht gerade dazu bei, dass ich nicht kotzen muss. Los, raus in die Welt und sie retten!