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mein erster Gedanke

… nachdem die Junioren heute aus dem Haus sind: Auweh ist meine Brille dreckig!

Während ich gerödelt (ich weiß, das ist kein schönes Wort) habe, ist mir das nicht aufgefallen. Da hatte ich keine Zeit auch nur ans Brille putzen zu denken. Das Töchting hatte Sonderwünsche und wollte dann doch lieber das blaue T-Shirt anziehen und der Kerle meinte: „Also Kakao mag ich nicht, gibt‘s auch Cola?“ Alles Kleinigkeiten! 

Eigentlich ist der ganze Morgen Routine und wie erzählt man Routine? Ein Handgriff greift in den nächsten und ich brauche nicht mehr darüber nachzudenken was gleich kommt. Klo, wickeln, waschen, anziehen, was zu trinken geben, ermahnen, dass sie auch trinken, auf den Rollstuhl setzen, diskutieren über Anorak und Mütze, ob Schuhe oder nicht, was für Vesper und ob das Raumschiff mitsoll, oder doch lieber die CD. Der nervige Plüschhamster wird ausgeschaltet, muss aber unbedingt mit …

Da bleibt keine Zeit an eine dreckige Brille zu denken – bis ich merke, dass der Nebel nicht draußen ist, sondern direkt vor meiner Nase!

der Kerle und ich

… wir sind manchmal monothematisch unterwegs. Oftmals geht es um Behinderung, manchmal auch ums große Weltgeschehen. Aber das, was im Iran passiert, das ist Carsten zu brutal und Grönland, Ukraine, Uganda, Venezuela – nee, das überfordert mich. Ich habe eine sehr dezidierte Meinung dazu, möchte aber dies Blog einigermaßen Politikfrei lassen.

Willy

Was soll sie über mich schreiben?

Ich habe mich mal hingesetzt, um eine Autobiografie zu schreiben, aber wie ihr seht, bin ich nicht weit gekommen. Es gibt einfach zu viel zu erzählen und viel zu wenig Platz hier im Blog.

Zu Beginn war ich nackt, als mich diese Frau aus dem Regal holte, in dem ich gut nachdenken konnte. In der Secondhand-Fundusschublade fand ich dann ein kariertes Hemd, aber mir war immer noch kalt. Die orangefarbene Fleecejacke wollte mir die Frau nicht anziehen, das wäre angeblich etwas für Mädchen. Unsinn! Männer dürfen das in Zeiten der Emanzipation genauso tragen. Leute, das war eine Wohltat endlich nicht mehr so zu frieren.

Jetzt muss ich aber meine Geschichte erzählen: Dem Carsten wurde ich geschenkt, als er einmal wieder mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus musste. Der kleine Junge mit Behinderung hatte sich den Schädel gebrochen. Ein Mitschüler hatte mit voller Wucht gegen seinen Rollstuhl getreten, wodurch Carsten umgefallen und der Rollstuhl auf ihn gefallen war. – Ich weiß das auch nur aus Erzählungen. Im Rettungswagen gab es noch zwei von meiner Sorte. Meine Aufgabe war es, Carsten zu trösten. Ich sollte ihm über den ersten Schmerz und Schreck hinweghelfen, ihn beruhigen und ihm das Gefühl geben, dass er nicht allein ist. Das habe ich sehr gut gemacht, und so durfte Carsten mich behalten. Ich wurde auch geröntgt, bekam einen Verband, und dann sind wir gemeinsam nach Hause gegangen.

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