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ein Seidentuch

Ich wusste sofort wo es war, das Seidentuch, das mir meine liebste Freundin gemalt hat. Es war nie weg, nur weggesteckt. In der mittleren Schublade im Zimmer, wo, wenn wir Gäste haben, diese schlafen!

Warum ich schon so lange dieses Tuch verleugnet habe? Weil es weh tut an Monika zu denken. Sie ist nicht mehr da. Sie ist schon 20 Jahre nicht mehr da. Es war eine Freundin, die mich nicht umkrempeln wollte, die meine Offenheit schätzte und mich tatsächlich auch verteidigte. Sie war. Sie war einfach. Hat einfach die Menschen so gesehen, wie sie gesehen werden wollten. Oh ja, sie hat mir die Meinung gesagt, hat mich zurechtgewiesen und wir haben uns gestritten. Wir haben gelacht und geweint, uns wochenlang nicht gesehen und dann war, wenn wir wieder zusammengekommen sind, alles wie gestern.

Meine Freundin Monika bekam die Diagnose Magenkrebs (mit Mitte 40) kurz nach unserem Ski-Winter-Schnee-Urlaub Ende Januar. Ostern war sie tot. Sie war es, die uns allen Mut gemacht hat weiterzuleben! Ich vermisse sie sehr. Gerade jetzt hätte ich sie gerne an meiner Seite. Ihre Tatkraft. Ihren Mut. Ihr Urvertrauen, dass alles gut wird. 

Vielleicht hätte ich in den Jahren sogar erreicht, dass sie sich ein bisschen modischer kleidet – irgendwie sah sie manchmal schon aus wie eine Trutsche. Aber das war nur äußerlich. So wie sie, war keine weitere. Ob sie es gut hat, da wo sie jetzt ist?

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Magrit hat mich an sie mit ihrem Buchtipp erinnert. Ich werde heute das Seidentuch tragen – auch wenn es mir überhaupt nicht steht.

von Scham, Dreck und nicht putzen können

Innere kleine Kampfansage! Und dranbleiben, auch wenn ich immer mal wieder scheitere. Das alles ist nicht einfach.

Schon eine ganze Weile schleiche ich um diesen Beitrag herum – ich könnte ja den Staubsauger nehmen und endlich mal das Staubwolkengebilde in meinem Schlafzimmer beseitigen. Ich habe es versucht! So schwer ist das doch nicht, werdet ihr denken – doch, denn woanders, auf dem sogenannten Markplatz, sprich, im eigentlichen Wohnbereich ist auch KlarSchiff zu machen und das geht vor. 

Scham ist dabei. Was denken die wenigen Menschen, die zu uns kommen? Vordergründig ist aufgeräumt, alles hat seinen Platz und ästhetisch sieht es auch gut aus. Meinen Ansprüchen genügt es dennoch nicht. Ich sehe den Staub unter der Heizung und mache die Schubladen auf, entdecke dort das Kuddelmuddel und sehe mich! Äußerlich tipptopp und innen drin ein unsortierter Haufen Angst. 

In der Tagesklinik, so denke ich, sehen sie mich nicht als ganzen Menschen, sehen nur die vermeintliche Depression und Angst, sehen nicht – können es vielleicht auch nicht, weil sie gar nicht daran dachten, dass ich im Autismus-Spektrum sein könnte – meinen Wunsch nach endlich einer Diagnose zu eben diesem Spektrum zugehörig zu sein. Natürlich ist die Zukunftsangst riesig und ich fühle mich dort (bedingt) wohl, aber was ist, wenn ich nach der Zeit wieder in den normalen Alltag rutsche und nichts hat sich an den Rahmenbedingungen geändert? 

Da hilft mir ab Mittwoch vielleicht eine Haushaltshilfe das äußerliche Chaos zu ordnen. Aber will ich wirklich, dass eine wildfremde Frau in meinen intimsten Räumen putzt? Was sieht sie, was sie nicht sehen soll? Was denkt sie von mir? Andere Menschen stören mich im privaten Raum. Es macht mir Stress. Kann ich das aushalten? Ein großer Konflikt und ich weiß keine Lösung, außer, dass ich mich einlassen muss!

Tagesspruch

Das Leben ist zwar manchmal eine Vollkatastrophe, aber trotzdem eine große Sache irgendwie.

Alles ist drin. Von Angst bis Zuversicht!

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