Ich wusste sofort wo es war, das Seidentuch, das mir meine liebste Freundin gemalt hat. Es war nie weg, nur weggesteckt. In der mittleren Schublade im Zimmer, wo, wenn wir Gäste haben, diese schlafen!
Warum ich schon so lange dieses Tuch verleugnet habe? Weil es weh tut an Monika zu denken. Sie ist nicht mehr da. Sie ist schon 20 Jahre nicht mehr da. Es war eine Freundin, die mich nicht umkrempeln wollte, die meine Offenheit schätzte und mich tatsächlich auch verteidigte. Sie war. Sie war einfach. Hat einfach die Menschen so gesehen, wie sie gesehen werden wollten. Oh ja, sie hat mir die Meinung gesagt, hat mich zurechtgewiesen und wir haben uns gestritten. Wir haben gelacht und geweint, uns wochenlang nicht gesehen und dann war, wenn wir wieder zusammengekommen sind, alles wie gestern.
Meine Freundin Monika bekam die Diagnose Magenkrebs (mit Mitte 40) kurz nach unserem Ski-Winter-Schnee-Urlaub Ende Januar. Ostern war sie tot. Sie war es, die uns allen Mut gemacht hat weiterzuleben! Ich vermisse sie sehr. Gerade jetzt hätte ich sie gerne an meiner Seite. Ihre Tatkraft. Ihren Mut. Ihr Urvertrauen, dass alles gut wird.
Vielleicht hätte ich in den Jahren sogar erreicht, dass sie sich ein bisschen modischer kleidet – irgendwie sah sie manchmal schon aus wie eine Trutsche. Aber das war nur äußerlich. So wie sie, war keine weitere. Ob sie es gut hat, da wo sie jetzt ist?
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Magrit hat mich an sie mit ihrem Buchtipp erinnert. Ich werde heute das Seidentuch tragen – auch wenn es mir überhaupt nicht steht.