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schlafen

Schlafen, ich muss schlafen. Zwei Nächte mit jeweils vier Stunden sind zu wenig. Schlafen, ich muss schlafen. Erzwingen lässt er sich nicht, aber ich muss. Muss wirklich. Denn wenn es noch eine Nacht mit wenig Schlaf ist, dann wackeln meine Beine und ich kann das Töchting nicht tragen. Dann ist das Gefüge aus dem Gleichgewicht und nicht nur ein Leben eiert. 

Was so ein bisschen Schlaf ausmacht? Zusammen mit gutem Essen und ausreichend Wasser! Dabei dreht sich kein Gedanke nachts im Kreis, mir kommen keine Geister – die mögen lieber den hellerlichten Tag, weil sie die Dunkelheit fürchten –, nachts läuft mein Hirn leer. Das Nussschalenboot dümpelt auf tiefblauem See im Mondschein, ohne auch nur eine Welle zu schlagen. Wär vielleicht besser, wenn ein Gedankenfunke ums Eck jagen würde und Bewegung die Oberfläche kräuseln täte. Dann würden sich die Gedanken nicht langweilen und in den Schlaf jagen …

Kennt ihr die Wolfsstunde? Ich möchte sie heute ausfallen lassen. 

eine Geschichte

Vor Jahren traf sie einmal einen, der durch sie hindurchsah, wie durch eine Fensterscheibe. So sehr sie sich auch bemühte, sie rollte mit den Augen, schminkte diese kohlrabenschwarz, malte sich einen cochenilleroten Mund, zog sich für ihn extra enge Hosen an, machte sich quasi sozusagen zum Affen! So sehr sie sich bemühte gesehen zu werden, so konzentriert schaute er aus dem Fenster. Sie weinte still und leise. Natürlich sah er sie nicht. Sie heulte laut und heftig. Er sah sie nicht. Sie überlegte nackt auf dem Marktplatz zu tanzen, wählte allerdings einen Zeitpunkt, als er gerade nicht am Fenster stand. Wer wartet schon nachts um um halb vier darauf, mitten in der Stadt am Dreiviertelröhrenbrunnen eine ausgezogene Verrückte herumhampeln zu sehen?

Vor Monaten traf sie ihn wieder. Sie hatte sich in der Zwischenzeit zweimal getrennt. Der erste Mann, der sie ansah wollte immer nur ihr schönes Äußere und staffierte sie aus – mit schönen Kleidern aus glänzenden Stoffen, mit Rüschen und wallenden Gewändern mit Puffärmeln. Sie war nicht sie selbst. Sie kam sich verkleidet vor. Aber er wollte sie in puppengleicher Schönheit sehen. Als ihre Haut welkte, erlosch sein Interesse und sein Blick wurde glasig.
Dem zweiten Mann begegnete sie in löchrigen Jeans, mit Piercing in den Augenbrauen. Aber auch sein Blick war wolkenverhangen und immer vor dem Linienziehen hatte er nur Augen für das weiße Pulver. Sie hatte für ihn ihren gesamten Schmuck versetzt und als davon nichts mehr da war, konnte dieser Mann nicht einmal mehr geradeaus gucken, geschweige denn, sie an.

Als sie ihre erste unerreichte Liebe vor Wochen wieder traf, konnte er sie gar nicht erkennen, so sehr hatte sie sich verändert. Ihre ehemals walnussbraunen polangen Haare waren kurz und weiß geworden. Ihr sehr fraulicher Körper war, weil sie wegen einer Erkrankung strenge Diät halten musste, gertenschlank geworden. Ihr Kleidungsstil hatte sich grundlegend geändert. Sie trug jetzt ausschließlich dunkle Hosen, eine weiße Bluse und darüber einen legeren Pullover. Als sie ihn sah und erkannte, fiel es ihr wie Schuppen aus den Augen. Sie hatte ihn kopiert! Sie waren in derselben Kneipe und er sah sie immer noch nicht. In dem Moment als sie gehen wollte, schaute er zum Ausgang und verguckte sich in die charismatische Frau. Aber es war zu spät! Sie zog entschlossen die Tür hinter sich zu und ging erhobenen Hauptes am Fenster vorbei, ohne sich nochmals umzudrehen.

u. A. w. g.

Es ist nicht mehr üblich, zu antworten, oder? Auf E-Mails nicht und überhaupt – „Danke“, „Bitte“, „gern geschehen“ darf man sich auch denken!?

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20:39 Uhr – mir ist grad zu Recht quasi durch die Blume gesagt worden, dass ich zu verkopft bin und nicht immer so tiefgründig sein sollte. Ja, ich bin ein Korinthenkacker.

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