Eigentlich sollte ich es lassen, Samstags etwas zu schreiben – es passiert nichts! Jedenfalls nichts wichtiges, aufsehenerregendes oder gar spannendes. Carsten pennt und Wiebke will auch nicht aufstehen. Mir ist kalt – für die Jahreszeit zu kalt! Aber wir könnten eh nicht raus. Das Töchting kränkelt noch etwas und der Kerle hat ‚kein Bock‘.
Ich werde lesen, später vorlesen, ein bisschen an mir herumzupfen, Carsten an seine neue Jacke Ärmelbündchen nähen, Essen kochen, das dann nicht oder nur mit Gemecker gegessen wird. Dann werde ich mir Carsten angucken und staunen, dass ein Häufchen Haut und Knochen so viel Energie haben kann. Ein Wunder! Die Ärzte gaben ihm kein Jahr, dann zehn und jetzt ist er 43! Anders, als ein Wunder kann ich das nicht bezeichnen. Und dann passiert 5 Jahre später ein weiteres. Ist es dann noch ein Wunder, wenn ich während der Schwangerschaft mit Wiebke instinktiv weiß, dass das Kind ebenfalls behindert ist? Für mich war das klar. Diese Klarheit hat mir so manches leichter gemacht. Ich bin damals in kein Loch gefallen.
Auch nach dem Tod von MamS bin ich schnell – offensichtlich zu schnell – aus dem Loch gekrabbelt. Aber das Leben ging weiter, das Leben wird eben so gelebt, wie das Leben eben spielt. Leben, eben!