Kategorie: Gedankenchaos

ein Kommentar

klick drauf … von einer bekannten IP-Adresse:

Sie schreiben.“Guckt euch in eurem Umfeld um und seht sie – die anderen, anders normalen Menschen. Zeigt es ihnen aber auch, dass ihr sie seht!“ Sie wollen keinen Rat/Tipps etc. Dann raten sie anderen bitte auch nichts. Danke.
Es gibt nicht so viele Menschen im Rollstuhl, das ist die Ausnahme, zum Glück.
Vielleicht sollten sie umziehen, wenn sie in ihrer Gegend nicht so gut mit Rollstühlen fahren können.

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Wie ich sie doch liebe, diese mitfühlenden, respektvollen und ratschlagenden Kommentare zum letzten Beitrag. Soll ich noch einmal einen Link zu Ableismus setzen? Soll ich noch einmal schreiben, dass dies mein Blog ist, in dem meine Regeln gelten? Soll ich noch einmal darüber informieren, dass wem es hier nicht passt, dies hier nicht lesen muss!

Unrat vorbeischwimmen lassen ist nicht einfach, ich muss leider immer wissen, was es für ein Mist ist!

so langsam

So langsam müsstest du dich doch an die Behinderung deiner Kinder gewöhnt haben!

Wenn ich solche Sätze höre, dann zweifle ich an echtem Interesse meines Gegenübers. Vorab aber erst einmal ein Gedicht eines Lieblingsdichters von mir:

Mit Quevedo im Frühling

Alles ist erblüht
hier auf den Fluren, Apfelbäume,
stammelnd Blautöne, gelbes Gestrüpp,
und im grünen Grase lebt der Mohn.
Himmel unauslöschlich, junge Luft
an jedem Tag, verschwiegener Glanz,
vom weitgespannten Frühling ein Geschenk.
Nur wo ich zu Haus bin, ist nicht Frühling.
Krankheiten, kopflose Küsse wuchern
wie das Efeu an der Kirche
über meines Lebens schwarze Fenster,
Liebe allein genügt nicht mehr und nicht
der wilde, weitgespannte Duft des Frühlings.

Und was sind jetzt in deinen Augen
das Licht, entfesselt, die Entfaltung,
blütenhaft, des Offenbaren, das grüne
Lied der grünen Blätter, das Erscheinen
des Himmels mit dem Kelch voll Kühle?
Frühling, du draußen, peinige mich nicht,
lass nicht los in meinen Armen Wein und Schnee,
Blütenkrone, geknickten Kummerstrauß,
schenk nur heute mir den Schlaf der nächtigen
Blätter und die Nacht, darin die Toten
liegen, die Erze und die Wurzeln
und die Vielzahl der erloschnen Lenze,
die in jedem Lenz wieder erwachen.

Pablo Neruda

∙∙∙∙∙

Es geht doch nicht darum, sich an die Behinderung zu gewöhnen. Selbstverständlich habe ich diese längst akzeptiert und hadere auch nicht warum, weswegen und wer Schuld ist! Ich gewöhne mich allerdings nie an blöde ableistische Sprüche und seien sie noch so wohlwollend gemeint. Täglich, wirklich täglich, hören meine erwachsenen Junioren wie niedlich sie doch sind. Aber auch: „Ihr seid schließlich behindert und könnt deswegen nicht einfach mal schnell zum Eis essen mit dem Bus in die Stadt fahren. Ich habe keine Zeit euch zu begleiten!“

Dass Carsten und Wiebke behindert werden  – es per se nicht sind, ihnen und mir Steine in den Weg gelegt werden – allein ein Spaziergang um den Block herum ist eine logistische Herausforderung, denn da gibt es eine steilere Stelle, die ich nur nacheinander mit den Rollstuhlfahrenden bewältigen kann. Warum sieht man so wenige Menschen in Rollis? So wenige behinderte? Nicht, weil es sie nicht gibt, sondern weil der ganz normale Alltag bei ihnen schwieriger ist, als bei anderen.

∙∙∙∙∙

Ich habe es schon ein paarmal geschrieben: Guckt euch in eurem Umfeld um und seht sie – die anderen, anders normalen Menschen. Zeigt es ihnen aber auch, dass ihr sie seht!

take care

Es fällt mir schwer, es fällt mir verdammt schwer. Was heißt eigentlich: take care? Dass ich auf mich aufpassen soll? Ist nicht so einfach wenn man zusätzlich Verantwortung für ‚Schutzbefohlene‘ hat. Mein auf mich aufpassen, ist mit der Zeit nach und nach verkümmert. Manchmal mache ich das dann so, wie der berühmte Vogel Strauß und stecke den Kopf in den Sand. Fast hätte ich das jetzt auch wieder gemacht. Aber nur fast!  Ich hole mir Hilfe, habe es schon getan und nun hoffe ich sehr, dass endlich auch einmal die Hilfe das schafft, was sie mir versprochen hat.

Ein Labyrinth hat einen vorgegebenen Weg. Das ist es nicht. Achterbahnfahren im Hochgeschwindigkeitszug durch dunkle Verließe, abgelöst von Blumenwiesenlangsamfahrten, stark beschleunigt von Wildwasserstrecken und plötzlich stehst du da und es geht nicht weiter. Bis plötzlich ein Ruck kommt, du in die Höhe geschossen wirst und du denkst im Nirwana zu landen…

Meine Wut gemischt mit Angst und Traurigkeit wird gesprenkelt mit den Pastellfarben der Liebe und den kräftigen Farben der Hoffnung!

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Seht meine Texte bitte auch literarisch – das wünsche ich mir so sehr.

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