Kategorie: Gedanken

Glück ist nur ein Moment

Lange Zeit hatte ich gedacht, Glück kann man erzwingen. Dabei kann man es noch nicht einmal festhalten, es rinnt wie Wasser durch die Finger. | petra ulbrich 

Tarotkartenerklärung: Das Bedürfnis, in einer unbefriedigenden, energieraubenden Situation zu verharren, ist eine Sucht – die Sucht negative, leidvolle Erfahrungen ständig zu wiederholen und neu aufzuladen. Wie oft erklären wir, etwas Unerfreuliches nicht mehr zu wollen, und dennoch beschwören wir durch unser Verhalten die angeblich nicht mehr gewollte Situation immer wieder aufs Neue herauf? Süchte rauben uns dauerhaft unsere Lebensenergie, halten uns unfrei und machen uns abhängig.

egal

Diese Broschüre lag bei uns im Briefkasten. Ich brauch sie nicht, denn Broschüren helfen nicht und die Verteiler auch nicht – sie wissen um uns und diese Gemeinschaft macht eine gute Jugendarbeit! Egal ist es nicht, nur uns nutzt es auch nicht.

Glaube, Liebe, Hoffnung. Meine Liebe ist grenzenlos, die Hoffnung auch, allein mir fehlt‘s  am Glaube. Ganz besonders an dem zur Amtskirche. Als mir unser Pfarrer einmal sagte, als ich ihn um Hilfe bat, dass er sich keine hilfsbereiten Menschen aus den Rippen schnitzen kann, da habe ich einen Großteil meines Glaubens verloren. Und unsere Nachbarin von Gegenüber, die sich immer ganz blitzschnell wegdreht, wenn wir kommen, rennt jeden Sonntag in die Kirche um dort den Gottesdienst mitzugestalten. 

∙∙∙∙∙

Zu unserem Ausflug: Es war schön! Sehr schön. Schön stressig, schön kühl, sehr interessant – für den Kerle am meisten die KZ-Gedenkstätte. Aber auch das Bergwerk war für die Junioren ein guter Ausflug. Bilder habe ich wieder keine gemacht und müde bin ich jetzt! Aber schön war es und gut, dass wir uns getraut haben.

nicht gesehen werden

Entschuldigt bitte, dass ich so penetrant bin. Aber zusätzlich zu meinen eigenen Belangen, sind die meiner Junioren mir extrem wichtig! Teilhabe ist kein Luxus, heißt eine Aktion und für die Petition habe ich hier auch schon geworben.  Jetzt wurde uns gesagt: „Ihr macht doch schon ganz viel!“ Nein, dem ist nicht so – wir machen das, was andere ‚normale‘ Menschen in ihrem ‚normalen‘ Alltag machen. Nur gestaltet sich das bei uns anders, schwerer. Ich kann nicht mal eben meine erwachsenen Junioren zum einkaufen schicken – ganz abgesehen davon, dass sie gar nicht mehr hier wohnen würden und längst eine eigene Familie hätten. Wir können nicht mal g‘schwind am Nachmittag in den Biergarten oder ins Café gehen, um ein Stündchen dort zu schwatzen.  Es erfordert eine Menge Aufwand! Wenn ich Helfer*innen habe, muss ich die im Vorfeld organisieren. Vorfeld heißt, mindestens drei Tage vorher. Und dann will einer der Junioren nicht. Muss aber, weil geplant und organisiert! Spontan ist schwierig. Spontan geht nur, wenn ich es alleine mache und das kostet mich Kraft. Denn ich muss meine Junioren überzeugen, dass das auch gut ist und Spaß macht. Ich muss ihnen aufzeigen, dass man einfach mal in den Park gehen kann. Manchmal wollen sie nicht, weil sie es nicht kennen, weil es aufwändig ist – auch für sie – weil es Organisationskram ist, mit zwei Rollstühlen loszuziehen. Da ist es leichter jemand anderes dabeizuhaben. 

Ich habe schon oft erzählt, dass wir kaum Helfer*innen haben. Jetzt, da mir auch noch Gelder gekürzt wurden (um die Hälfte des Betrages) gestaltet sich das noch schwerer. Dann sind die alten Helfer inzwischen wirklich auch an Jahren alt und können nicht mehr. Ich selber werde auch nicht jünger, auch die Junioren nicht. Beide sind schon unflexibeler geworden, auch deswegen weil sie Erfahrungen gemacht haben, die nicht immer schön waren. 

∙∙∙∙∙

Heute morgen bin ich einmal wieder mit Bauchschmerzen aufgewacht. Es ist Sonntag. Den Junioren habe ich einen Ausflug versprochen. Wir werden ihn machen. Mit dem Auto geht’s zum Salzbergwerk, dann unter Tage, dort ist alles ebenerdig – und ich werde ganz viel Zeit einkalkulieren. Wir schaffen das gemeinsam, ich schaffe das. Ihr wisst gar nicht, wie viel Kraft ich habe! Am Abend, das weiß ich, werde ich ins Bett fallen. Es werden uns Menschen gesehen, vielleicht auch ein bisschen geholfen, mich/uns eventuell bewundert – aber in den Köpfen wird sich nichts geändert haben. 

∙∙∙∙∙

Sorry – aber eigentlich will ich mich gar nicht entschuldigen. Eigentlich möchten wir nur teilhaben am Leben!

Copyright © 2026 voller worte – mit und ohne Innenfutter

Theme von Anders Norén↑ ↑

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.