Schlagwort: Lebensqualität

gestern heute morgen

Gestern verheulte Augen, heute ein verquollenes Gesicht und morgen bestimmt einen, wenn auch kleinen, Pickel auf der Nase. 

Wir waren nicht draußen, wir sind nicht raus gekommen – einer war am Wochenende immer unpässlich. Wiebkes blaue Lippen und die schlechte Sauerstoffsättigung macht mir Sorge. Das Töchting ist quengelig. Sehr unruhig rollt sie in der Wohnung herum, rummst da an die Tür und dort sehr unkonzentriert an die Einbaukommode mit den Schuhen drin. Ihre Stimme ist weinerlich, aber beunruhigend ist ihr Zustand nicht – ich habe beim Patiententelefon unserer Krankenkasse angerufen. Die nette Krankenschwester hat mir erklärt, dass Pulsoximeter an kalten Fingern – und das Töchting hat extrem kalte Finger – dass dann die Messung ungenau ist, weil die mangelnde Durchblutung der Haut falsche Werte liefert. Dennoch geht‘s Wiebke nicht gut! Sie isst nicht, trinkt noch schlechter als sonst und will nicht und will doch und mag Schokolade, aber Gummibärchen sind besser.

Der Kerle hat gute Laune. Wie macht er das nur immer? Er ist zufrieden und hat so gar keine Lust irgendwas zu tun. Chillen, Musik hören (in voller Lautstärke) und Salzstängelchen futtern …

Sonntagspätnachmittag

soziale Medien

Grenzen sind nicht da, um abzugrenzen, sondern um anzugrenzen. | Monika Kühn-Görg

Ja, alles gut und schön aber auch viel zu schnelllebig und viel zu oberflächlich. Soziale Medien ersetzen kein Miteinander. Wer so isoliert ist wie ich, der sehnt sich nach Austausch und nicht nach Huschhusch und dummen Sprüchen. Küchenweisheiten kann ich mir vom Kalenderblatt holen, die brauche ich nicht auch noch als Kommentar. Okay ich hab große Erwartungen, vielleicht zu hohe Erwartungen. Pflegende Angehörige werden in der Regel mit Kalenderweisheiten überhäuft. Auch deswegen weil aus Hilflosigkeit oft nichts anderes gesagt werden kann. Tatsächlich ist mir das auch lieber, als Schweigen. Nur ist das halt nur eine halbe Wahrheit!

….

Töchting ist wach …

12:38 Uhr – Meinen Instagram-Account habe ich gelöscht und es hat nicht einmal wehgetan. Stattdessen habe ich mir Saša Stanišić neues Buch bestellt: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne . Hoffentlich komme ich auch zum lesen.

jetzt erst recht

Jetzt werden wir uns erst recht zeigen, noch mehr auffallen, präsenter sein in der Öffentlichkeit und den Neidern – ja, es gibt tatsächlich Neider auf die Privilegien, die die behinderten Junioren haben, und sei es nur kostenlos im öffentlichen Nahverkehr fahren zu können, wenn wir es denn könnten und in den Bus kämen – wir werden den Neidern keine Angriffspunkte liefern und wir werden uns nicht verstecken.

Ich kenne doch tatsächlich Angehörige von behinderten Menschen die rechts – ganz weit rechts – gewählt haben. Wissen diese nicht, dass die AfD Behinderte ausgrenzt, ja wieder weg haben möchte aus der Öffentlichkeit.  Mir ist übel, ich habe Angst! Meine Angst darf ich nicht zeigen, darf sie den Junioren nicht offenbaren und mache mir und ihnen dabei so viel vor. Natürlich merken sie, dass etwas nicht stimmt, dass ich angespannt bin und dass sich gesellschaftlich einiges geändert hat. Das liegt nicht nur daran, dass Freizeitbegleiter*innen fehlen! Auch. Aber warum fehlen sie? Wie oft seht ihr behinderte Menschen im alltäglichen Leben?

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Drückt mir die Daumen, dass ich gleich die Kraft finde mit den Beiden durchs Dorf zu gehen, um ein Eis im Café kaufen zu können. Heute bin ich noch ziemlich derangiert – meine Schulter muckt …

 

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