Behinderung, Familie, pflegende Angehörige

ein bisschen weniger und ein bisschen mehr

Der Kerle kotzt nicht mehr so viel. Gut so: „Jetzt mag ich aber keinen labbrigen Zwieback mehr essen und diesen scheußlichen Tee kannst du auch alleine trinken!“ Wenigstens bleibt das meiste drin. Jetzt will er Grissini und er will, dass ich sie selber backe. Scheint kein Hexenwerk zu sein – vermutlich wird es dennoch daran scheitern, dass ich keine Zeit und ausgesprochen wenig Lust zum Backen hab. Es gibt hier in der nahen Großstadt ein italienisches Geschäft, die werden doch wohl eine Auswahl haben!?

Heute Morgen habe ich verschlafen. Erst war ich eineinhalb Stunden vorher wach und wollte noch nicht aufstehen und dann wurde ich fünf Minuten nach der Weckzeit der Junioren im Traum hoch geklingelt. Ohne Kaffee, mit schlabbriger Haushose und Ringen unter den Augen habe ich Wasser in die Badewanne eingelassen, den Kerle aus seinem Bett gehieft, ihn ins Schaumbad gesteckt – und dann erst mal tief Luft geholt. Mein/unser Morgen ist durchtacktet und sobald nur irgendwas aus den Fugen gerät, dann kommt ein ganzer Rattenschwanz hinterher. Dann finde ich die roten Socken des Töchting nicht, aber sie will die roten anziehen, die blauen passen nicht zum Pullover und überhaupt kratzen die. In der Hektik kleckere ich auch noch Erdbeertee auf den Fußboden und Wiebke fährt durch – mit Dreckklumpen an den Rädern. Diese sind jetzt nicht mehr, dafür gibt es erdverschmierte Erdbeerteestraßen flächendeckig in der Wohnung verteilt. Der Kerle frühstückt, wie die Römer – so sagt er, tun sie es oder hätten es wenigstens in früherer Zeit so getan – im Badewasser. „Ich trink doch sowieso nur was. Essen tu ich dann in der Werkstatt!“

Leberwurst ist alle! Gibt es eben Camembert aufs Vesperbrot. „Aber ich will auch Tomaten dazu und so ne Clementine kannst du auch alleine essen!“

XXX – sie sind weg und ich überlege, ob ich, nach dem ich die Waschmaschine gefüllt habe, noch mal in Morpheus Arme schlüpfe!