Schlagwort: Behindertenarbeit

Es gibt solche Tage

Schon als ich heute Morgen aufgestanden bin wusste ich, dass dieser Tag ein gebrauchter wird. Warum kann ich nicht einmal genau sagen – landläufig heißt es wohl: Das hab ich im Urin! Ausgebremst worden bin ich an allen Ecken und Kanten. Was genau tut hier gar nichts zur Sache – es ist eben so! Nicht immer nur das Versagen der anderen, eigentlich war ich meistens zu schnell, habe nicht bedacht, dass andere Menschen ein bisschen mehr Zeit brauchen. Bei meinen Junioren weiß ich das, aber auch mit ihnen bin ich viel zu oft ungeduldig!

Wenn Menschen aber dann auch noch meine ohnehin behinderten Junioren behindern, ihnen zum Beispiel den Po nicht sorgfältig abputzen und Wiebke dann mit dreckiger Unterhose unruhig auf dem Rollstuhl herumrutscht, dann überkommt mich der heilige Zorn. Wenn der Kerle sich unter Druck gesetzt fühlt und als einzigen Ausweg kotzen wählt, dann ist der Zorn schon fast göttlich! Wenn mir dann noch der heißgeliebte Milchkaffee nicht schmeckt, weil ich voller Hektik heftige Lungenschmerzen bekomme, dann sollte ich schnellstmöglich schauen, dass mir niemand Fremdes in die Quere kommt, denn dann könnte das einen Riesenstreit provozieren.  Okay, einen Streit gab es nicht – jedenfalls mit keinem kognitiv erwachsenen Menschen. Der Kerle und das Töchting wussten sich zu wehren und gewinnen ohnehin immer. Carsten, der ein guter Politiker ist – viele ausschweifende Reden führen, ohne auch nur andeutungsweise auf die Frage, die ihm gestellt wurde zu antworten – hat ohne Punkt und Komma einen Monolog gehalten, für den er zu meinem Glück keine Zuhörer gebraucht hat. Genervt hat es dennoch!

Jetzt wird es Abend, ich sehe etwas »verbraucht aus« (Originalton Carsten), ich habe Wiebkes Pausenmüsli gegessen und Nachtessen fällt aus. Nur die Junioren bekommen jeder ein Spiegelei von Hühnern, die sie frisch kennengelernt haben.

Wenn mittelalte Männer Musik machen

… dann kommt etwas dabei raus, was älter ist als sie!

Der Musiktherapeut war wieder da. Erst haben sie getrommelt, also Wiebke hat und Carsten hat zugehört, dann haben sie gefachsimpelt und über Musikvorlieben gesprochen. Der Kerle liebt Musik, wenn es deutsche Texte sind kann er nach zweimaligen Hören mitsingen. Deep Purple fällt ihm schwerer: „Weil es ausländisch ist!“ Seit heute Nachmittag läuft Child in Time in Dauerschleife. „Es wäre doch gelacht, wenn ich das nicht lernen kann!“ Mein Sohn ist ehrgeizig!

was darf man, was nicht?

Eigentlich sollte ich ganz anders fragen! Was darf ich schreiben? Beziehungsweise – was wollt ihr lesen? Oder wollt ihr überhaupt lesen, wie das ist, wenn einem, dauernd Steine in den Weg gelegt werden?

Thema: Mutter-Kinder-Kur
Eine unendliche Geschichte, die alle, die damit zu tun haben, unermesslich nervt. Bis Mittwoch hatte ich noch gedacht, dass ich eine Einrichtung gefunden hatte. Denke nie, gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Denn wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur du denkst, aber richtig denken tust du nie! Dann kam der Donnerstag und ich habe telefoniert. Ich mache das überhaupt nicht gerne. Vermutlich – sicher ist noch immer nichts – habe ich jetzt eine Einrichtung gefunden, die uns als Kleinfamilie aufnimmt und die auch Therapien für die behinderten Junioren anbietet. Ich glaube es erst, wenn ich die offizielle Zusage habe und dann auch erst ganz sicher, wenn ich auf dem Weg bin.

Schmerztherapie der Junioren
Unser Hausarzt hat einen ellenlangen Fragebogen ausgefüllt – jeweils zweimal – für die Cannabisbehandlung. Theoretisch dürfte der Behandlung nichts mehr im Weg stehen, allerdings muss der Medizinische Dienst noch drauf gucken und sein Okay geben. Aber nach der niederschmetternden Diagnose in der Orthopädischen Klinik kann ich mir nicht vorstellen, dass der Antrag auf diese Art Behandlung abgeschmettert wird. Aber, es gibt mehr, als ich mir vorstellen kann und wenn es so läuft, wie bei der Kur? Dann muss ich mich auf einen längeren Diskussionswechsel vorbereiten.

meine Fitness
Um die steht es nicht gut. Ich gehe zwar viel, beziehungsweise ich mache viele Schritte, aber so richtig fit bin ich nicht. Da fehlt mir die Rekonvaleszenz nach meiner Krankheit und zudem habe ich ja auch noch das Lungenemphysem, das nie mehr weggeht. Ich sollte mehr Sport machen – Ausdauersport für die Kondition und Krafttraining. Nur wann? „Es dauert doch nur ein paar Minuten!“ Das sagen alle! Die Kosmetiktante zur Pflege der Haut, es dauert ein paar Minuten ein Essen zu zaubern, ein paar mehr, um den Junioren das auch schmackhaft zu machen, ein paar, sie anzuziehen, mich anzuziehen, ein paar Minuten täglich, die Wäsche zu machen, die Betten zu beziehen (und das mache ich bei Carstens Bett alle zwei Tage), es kosten nur ein paar Minuten die Zeitung zu lesen, einzukaufen, zur Physiotherapie zu fahren oder zur Ergo etc. pp. Ein paar Minuten summieren sich und ein paar Minuten brauche ich auch durchzuschnaufen.

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Jetzt habe ich schon wieder viel zu viel erzählt. Zu wenig davon, wie schön es doch auch sein kann, wenn Wiebke lacht und lacht und lacht, der Kerle Bildungsfernsehen guckt und mich nach Napoleon Bonaparte fragt und was der in Ägypten gemacht hat …

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