Gedankenchaos, Gedicht, Junioren

Ich sterbe

Sehr provozierend – ich weiß. Aber auch ihr sterbt!

Unser Sterben beginnt, lange bevor wir geboren werden. Zeit online Wissen, eine Seite, auf der ich gerne stöbere, weil auch ein Laie, wie ich, vieles versteht, hat mich nachdenken lassen. Ich sterbe und ich habe auch davor Angst. Wahrscheinlich nicht einmal vor meinem eigenen Tod, wie es Mascha Kaléko schrieb:

Memento
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

(aus:  Verse für Zeitgenossen)

Ich habe Angst, meine Junioren allein zu lassen. Was passiert mit ihnen, wenn ich nicht mehr da bin? Es wird Zeit, dass ich meine uralte Patientenverfügung, die Zukunft der Junioren  – wenn ich sie nicht mehr versorgen kann – und die Finanzen kläre. Ich scheue es, wie der Teufel das Weihwasser. Es ist verrückt! Aber ich werde es diesen Herbst/Winter verstärkt angehen. Noch geht es mir gut, noch sterbe ich nur den Tod, den alle sterben. Aber auch der kann sehr schnell kommen, kann plötzlich zuschlagen.

Erst letztens habe ich in einer Traueranzeige schmerzlich erfahren müssen, dass eine Studienkollegin gestorben ist. Nach langer schwerer Krankheit, hieß es. Was es war, werde ich nicht erfahren – tut auch nicht zur Sache, befreundet waren wir nicht. Wachgerüttelt hat es mich dennoch!

Junioren, Kuddelmuddel, Musik

noch mehr Ameisen

… aber diesmal emsig helfende!

Eigentlich war ich sauer, als um 16Uhr die sich vorstellende Helferin nicht gekommen war. „Unzuverlässig!“, so dachte ich. Ich schrieb ihr um viertel nach vier eine Kurznachricht und damit schien der Fall für mich erledigt. Sie antwortete, dass sie halb fünf gedacht hatte und unterwegs sei.

Dann stand sie vor der Tür. Eine kleine unscheinbare Rumänin, scheinbar wenig selbstbewusst – aber sie war da! Ja, und da sie nun mal hier war, habe ich mich mit ihr unterhalten. Und je länger wir sprachen, umso sympathischer wurde J. mir. Carsten hat sich irgendwann zu uns gesellt. Wir redeten von diesem und jenem, von Musik, der deutschen Sprache, derer (! ist wahrscheinlich auch schon falsch) schweren Grammatik, über Gott und Glauben, Kindernamen und deren Bedeutungen. Wir sind zusammen spazieren gegangen. Wiebke ist ein bisschen aufgetaut, Carsten hat ihr Komplimente gemacht und ich habe all meine Vorurteile wegen des Zuspätkommens über Bord geworfen.

Meine Angst, dass sie nichts ist – weil unzuverlässig – hat sich verkrümelt. J. ist einfach eine herzensgute Frau. Gar nicht einfach, eine studierte Gehörlosenlehrerin – also jemand mit sonderpädagogischer Ausbildung. Nach anfänglichen Störungen, denke ich, dass wir einen guten Draht zueinanderfinden können.

Ameisen wird man nicht los – so schrieb Jule im Kommentar – aber vielleicht ist J. ein Gottesgeschenk und ich kann mich mit den kleinen Viechern arrangieren.

Klingt das jetzt kuddelmuddelig und abstrus? Mag sein – im Moment ist es gut so wie es ist.