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Tiefenpsychologie und sonst noch was

Nun habe ich endlich eine Therapeutin gefunden und auch schon zwei Termine bei ihr gehabt. Es geht hart ran, sie spricht von mangelnder Abgrenzung, von Pflichtgefühl und davon, dass ich als Kind hohe Maßstäbe vorgegeben bekommen habe. Jetzt liegt es an der Therapie diese zu relativieren.

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Wegen mir kann Weihnachten kommen – ich habe die Geschenke für die Junioren zusammen. Essen ist auch genug in der Kühlkammer, das Haus ist warm, ich habe einen neuen Rock, Wiebke ihre neue Brille, Carsten in seiner 20 Jahre alten John-Lennon-Brille aktuelle Gläser. Ein Paar Stiefel möchte ich noch, aber das ist nicht dringend.

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Zum Glück ist Wochenende, denn die Werktagnächte in dieser Woche hatten es in sich – eine Nacht habe ich sogar auf dem Wohnzimmersofa geschlafen, weil die Gespenstergeschwister immer wieder wach wurden und spukten. Heute Nacht werde ich niemanden umdrehen – ich will nur 12 Stunden schlafen.

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…und dann möchte ich mal wieder was lesen – was schönes seichtes mit Tiefgang und Niveau!

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Gerade gehört und für gut befunden:

https://youtu.be/R7C03UA8xi8

Heimkehr

Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof. Die Pfütze in der Mitte. Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen. Wer wird mich empfangen? Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zum Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Und ich wage nicht an die Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, dass ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.

Franz Kafka

Dezemberabend

… es fällt mir zusehends schwerer, euch meinen Alltag zu vermitteln. Mir scheint, wir haben komplett andere Voraussetzungen.  Wie belastend oder auch schön unser Leben/mein Leben ist, kann ich nicht schildern, denn es ist immer nur eine Momentaufnahme – in Dauerschleife sieht alles anders aus.

Ich werde jetzt nicht ankündigen, mich zurückzuziehen – das tue ich dann sowieso nicht – aber ich werde wahrscheinlich ein bisschen schonungsloser und ruppiger werden. 

Carsten diskutierte um jeden Bissen, jede Aufforderung seine Musik bzw. Videos leiser zu machen. Wiebke verzieht sich in ihr Zimmer und macht ihr Ding – sie lebt in ihrer Welt. Die Pastorenfreundin kommt und möchte, dass ich ihr zuhöre, ihrer Krankengeschichte zuhöre. Das Murmeltier grüßt, dreht sich im Kreis, wacht morgens auf und Carsten diskutiert, Wiebke möchte kein Brot, aber auch kein Müsli und Obst eigentlich gar nicht, aber Käse will sie auch nicht und wenn der Busfahrer in der Tür steht, möchte sie dringend ein Leberwurstbrot. Carsten bringt ein Minifläschchen seiner Astronautennahrung wieder mit heim, die Freundin steht in der Tür und klagt, dass ihr die Hüfte schmerzt und der Rücken weh tut, sie seit Tagen Schmerzmittel nimmt und der Arzt sagt, dass sie das nicht sollte, sie aber keine Alternative hätte, ihr aber die Medikamente Magenschmerzen machen…

Ich höre zu, höre jedem zu – kann die Redeschwalle (ist das die Mehrzahl von Redeschwall?) nicht unterbrechen, weil dann von mindestens 2 Seiten – Wiebke zieht sich meistens erst einmal zurück – mir unterschwellig vorgeworfen wird, dass ich ja nie zuhöre!

Wenn ich kurz erwähne, dass ich kurzzeitig Rückenschmerzen hatte – während des Plätzchenbacken – wird das scheinbar nicht wahrgenommen. Jedenfalls hat niemand was dazu gesagt.

Eigentlich wollte ich jetzt im Bett sein, oder irgendetwas tun, was ich will. Stattdessen schreibe ich jammervolle Blogbeiträge und sehe aus dem Augenwinkel eine unaufgeräumte Bude.

Bin ich eigentlich der Depp hier? 

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