Auf diesem Bild habe ich meinen Sohn auf dem Schoß. Er war damals 2 Jahre alt und ich demnach 22. Keine Ahnung, was ich gedacht habe – aber eigentlich ist es ein typisches Bild für mich. Ich war meistens ganz woanders. Der Welt entflohen, nur meinem Kind sehr nah – fast immer in irgendeinem Krankenhaus. Auch dies Foto ist in einem Krankenhaus aufgenommen worden. In Debstedt, in einer orthopädischen Klinik. Dort war Frau Rosenbaum, weil ich nicht bei Carsten bleiben konnte. Frau Rosenbaum war wunderbar. Eine einfache Frau mit viel Witz und Verstand. Eine Frau, die Carstens Vorliebe für besondere Worte erkannt hat und die mit ihm gespielt hat, während er im Streckverband lag.
Ach, wäre ich damals nur ein bisschen weniger verhuscht gewesen. Aber ich war mitten in meiner zweiten Ausbildung und durfte nicht fehlen. Nicht auffallen, war meistens konform – oh nein, es war die Zeit von Cattenom, Wyhl, Gorleben und meine politische Hochzeit – aber innerhalb der Familie war ich die brave, die bemitleidenswerte, die mit dem behinderten Kind. Keiner konnte meinen Widerstand gegen die Atomlobby verstehen und Unterstützung hatte ich null, null! Ich habe meine Aktivitäten verschoben – habe mich im Kindergarten engagiert, wurde Elternsprecherin und habe, so glaube ich, einiges in der Behindertenarbeit angestoßen. Was ich in meiner Ursprungsfamilie nicht erreicht habe, nämlich Anerkennung zu bekommen, gesehen zu werden, das habe ich mir außerhalb geholt.
Bis Wiebke geboren wurde, MamS nach seinen Lehren, den Meisterbrief machte, er seine Karriere forcierte, wir umgezogen sind und ich mehr und mehr nur für meine behinderten Kinder lebte und zunehmend vereinsamte.