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Es ist, wie es ist

Dieser Tag kann nur besser werden. Wenn, ja wenn ich diese Mistkopfschmezen los bin, das grummendel Gefühl im Bauch weg ist und meine Beine nicht mehr aus Wackelpudding bestehen. Er wird besser werden, davon bin ich überzeugt – denn es tut sich was. Morgen kommt eine Ernährungsberaterin, ab Freitag jetzt jede Woche ein Musiklehrer, der Carstens Gesang schulen wird und Wiebke ein gutes Körpergefühl beim Trommeln nahe bringt. Vielleicht kommt auch bald eine Redakteurin der hiesigen Tageszeitung, mal sehen, abwarten!

Aber erst einmal noch mal ins Bett – hoffentlich kann ich auch schlafen.

Verträumt, verhuscht

Auf diesem Bild habe ich meinen Sohn auf dem Schoß. Er war damals 2 Jahre alt und ich demnach 22. Keine Ahnung, was ich gedacht habe – aber eigentlich ist es ein typisches Bild für mich. Ich war meistens ganz woanders. Der Welt entflohen, nur meinem Kind sehr nah – fast immer in irgendeinem Krankenhaus. Auch dies Foto ist in einem Krankenhaus aufgenommen worden. In Debstedt, in einer orthopädischen Klinik. Dort war Frau Rosenbaum, weil ich nicht bei Carsten bleiben konnte. Frau Rosenbaum war wunderbar. Eine einfache Frau mit viel Witz und Verstand. Eine Frau, die Carstens Vorliebe für besondere Worte erkannt hat und die mit ihm gespielt hat, während er im Streckverband lag.

Ach, wäre ich damals nur ein bisschen weniger verhuscht gewesen. Aber ich war mitten in meiner zweiten Ausbildung und durfte nicht fehlen. Nicht auffallen, war meistens konform – oh nein, es war die Zeit von Cattenom, Wyhl, Gorleben und meine politische Hochzeit – aber innerhalb der Familie war ich die brave, die bemitleidenswerte, die mit dem behinderten Kind. Keiner konnte meinen Widerstand gegen die Atomlobby verstehen und Unterstützung hatte ich null, null! Ich habe meine Aktivitäten verschoben – habe mich im Kindergarten engagiert, wurde Elternsprecherin und habe, so glaube ich, einiges in der Behindertenarbeit angestoßen. Was ich in meiner Ursprungsfamilie nicht erreicht habe, nämlich Anerkennung zu bekommen, gesehen zu werden, das habe ich mir außerhalb geholt.

Bis Wiebke geboren wurde, MamS nach seinen Lehren, den Meisterbrief machte, er seine Karriere forcierte, wir umgezogen sind und ich mehr und mehr nur für meine behinderten Kinder lebte und zunehmend vereinsamte.

 

Sie hört Musik nur

…, wenn sie laut ist!

Am liebsten mag ich Musik, wenn sie live gespielt wird und da ist es völlig egal, ob es Heavy Metal, American Folk, Rock, Pop oder Oper ist – Hauptsache, die Musiker sind gut oder wenigstens mit Herzblut dabei. Ich bin Metal-Fan, ich mag auch Cello:

Iron Maden musste ich immer alleine hören, MamS mochte sie nicht. Ihm war das zu unstrukturiert, dabei sind die Stücke durchkomponiert und teilweise mit großem Orchester eingespielt – großes Kino, großartige Musik!

Vorm Fenster wummert der Bohrhammer, die Gartenbauer haben Ohrschützer auf. Ich kann die Rollläden schließen und den Krach von draußen halbwegs aussperren. Das bohrt sich in meinen Magen, lässt ihn sich umdrehen und den Boden beben. Da kitzelt nichts im Bauch. Da träume ich nicht von irgendwelchen Bässen, die mir ein warmes Gefühl im Bauch hinterlassen, da bekomme ich Kopfschmerzen.

Wenn ich nicht so viel zu tun hätte – ich würde flüchten. Ich glaube, ich mach’s auch!

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