Kategorie: Geschichte

11. September 2001 Twin Towers

Ein Dienstag, vormittags lief die Waschmaschine wieder ununterbrochen, weil der Kerle in der Nacht ohne Windel geschlafen hat. Ich war leicht gestresst, hatte Kopfweh und überhaupt keine Lust zu bügeln. Um mir wenigstens die Zeit vertreiben zu können, sie ein wenig kurzweiliger zu machen, stellte ich mein Bügelbrett vor den Fernseher und wollte mir gerade einen Schnulzenfilm in den Videorecorder schieben, da wurde die laufende Talkshow – Jürgen Fliege, war es, so glaube ich mich zu erinnern, – die Talkshow wurde jäh unterbrochen.

Eine Sondersendung der Tagesschau flimmerte über den Bildschirm. In New York sei ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen. Ein Turm brennt. Menschen rufen aus den Büros die Rettung und die Feuerwehr an. Sirenengeheul auf den Straßen der Riesenmetrolpole, Panik! Alle rennen, laufen, die Kameraeinstellungen sind wirr, stolpern, stürzen und wackeln. Ein eilig hingelaufener Reporter steht bleich auf der Straße – mitten drauf – vor den beiden Türmen und weiß vor lauter Aufregung nicht, was er sagen soll.

Mich beschäftigt das in diesem Augenblick sehr, so sehr, dass ich meinen Mann anrufe. »Was willst du? Ich bin mitten in einer Besprechung. Ist es etwas Wichtiges?« »Schalt mal ein Radio ein, oder versuche irgendwie an einen Fernseher zu kommen, in New York ist die Hölle los!« »Interessiert mich doch nicht, was in Amerika passiert!«

Aufregung im Fernseher. Die Bilder auf der Mattscheibe beginnen zu wackeln, hektischer Kameraschwenk, Schreie, Entsetzen, völliges Durcheinander. Ein Kameramann reißt sein Gerät nach oben, zu den Wolkenkratzern und da passiert das Unglaubliche. Während die Bilder laufen, live im Fernsehen gezeigt werden – Bilder von schreienden, hysterischen Menschenmassen, die um ihr Leben rennen, über und über mit Schutt und Asche bedeckt sind – rast ein zweites Flugzeug in den anderen Turm …

Ich will das nicht sehen, will den Kasten ausmachen, möchte seichte Musik und Schlager hören, will mich berieseln lassen und komme trotzdem von den Bildern nicht weg. Die CD, die ich in den Player lege, regt mich nur auf – weg damit. Im Radio gibt’s auch nur hektische Stimmen …

Es klingelt an der Haustür: Was, schon so spät? – Die Junioren kommen. «Mama«, schreit Carsten schon von weitem, »Mama, hast du das gehört? Da sind Idioten unterwegs. Es sind 2 Flugzeuge ins World Trade Center geflogen. Und eins ins Pentagon. Und die blöden Menschen …«

Mein Bügelbrett und die darauf liegenden Hemden waren mir völlig egal! Soll doch der Mann ungebügelt ins Büro gehen. Wenn er sich nicht dafür interessiert, was ich ihm dringend mitteilen wollte, dann sollte er doch auch selber sehen, wie er herumläuft.

∙∙∙∙∙

Noch heute beschäftig mich dieser Anschlag genauso wie damals. Nimmt mich mit. Macht mir Herzklopfen und es ist völlig egal, was ich eigentlich schreiben wollte!

eine Geschichte

Vor Jahren traf sie einmal einen, der durch sie hindurchsah, wie durch eine Fensterscheibe. So sehr sie sich auch bemühte, sie rollte mit den Augen, schminkte diese kohlrabenschwarz, malte sich einen cochenilleroten Mund, zog sich für ihn extra enge Hosen an, machte sich quasi sozusagen zum Affen! So sehr sie sich bemühte gesehen zu werden, so konzentriert schaute er aus dem Fenster. Sie weinte still und leise. Natürlich sah er sie nicht. Sie heulte laut und heftig. Er sah sie nicht. Sie überlegte nackt auf dem Marktplatz zu tanzen, wählte allerdings einen Zeitpunkt, als er gerade nicht am Fenster stand. Wer wartet schon nachts um um halb vier darauf, mitten in der Stadt am Dreiviertelröhrenbrunnen eine ausgezogene Verrückte herumhampeln zu sehen?

Vor Monaten traf sie ihn wieder. Sie hatte sich in der Zwischenzeit zweimal getrennt. Der erste Mann, der sie ansah wollte immer nur ihr schönes Äußere und staffierte sie aus – mit schönen Kleidern aus glänzenden Stoffen, mit Rüschen und wallenden Gewändern mit Puffärmeln. Sie war nicht sie selbst. Sie kam sich verkleidet vor. Aber er wollte sie in puppengleicher Schönheit sehen. Als ihre Haut welkte, erlosch sein Interesse und sein Blick wurde glasig.
Dem zweiten Mann begegnete sie in löchrigen Jeans, mit Piercing in den Augenbrauen. Aber auch sein Blick war wolkenverhangen und immer vor dem Linienziehen hatte er nur Augen für das weiße Pulver. Sie hatte für ihn ihren gesamten Schmuck versetzt und als davon nichts mehr da war, konnte dieser Mann nicht einmal mehr geradeaus gucken, geschweige denn, sie an.

Als sie ihre erste unerreichte Liebe vor Wochen wieder traf, konnte er sie gar nicht erkennen, so sehr hatte sie sich verändert. Ihre ehemals walnussbraunen polangen Haare waren kurz und weiß geworden. Ihr sehr fraulicher Körper war, weil sie wegen einer Erkrankung strenge Diät halten musste, gertenschlank geworden. Ihr Kleidungsstil hatte sich grundlegend geändert. Sie trug jetzt ausschließlich dunkle Hosen, eine weiße Bluse und darüber einen legeren Pullover. Als sie ihn sah und erkannte, fiel es ihr wie Schuppen aus den Augen. Sie hatte ihn kopiert! Sie waren in derselben Kneipe und er sah sie immer noch nicht. In dem Moment als sie gehen wollte, schaute er zum Ausgang und verguckte sich in die charismatische Frau. Aber es war zu spät! Sie zog entschlossen die Tür hinter sich zu und ging erhobenen Hauptes am Fenster vorbei, ohne sich nochmals umzudrehen.

es gibt keine Hühner mehr

„Mama, wo sind die Hühner?“ Mein Töchting ist ganz aufgelöst, nirgendwo sieht man Hühner. Ich erkläre ihr, dass sie wegen der Vogelgrippe im Stall bleiben müssen. „Aber die beim Hühnermobil haben keinen Stall!“ Der Kerle, ganz pragmatisch: „Die sind geschlachtet worden. Wie die Hühner von Gerhild!“ „Nein, das ist ungerecht – wo kriegen wir denn jetzt unsere Eier her?“ W. ist völlig aufgelöst und leidet mit den Hühnern. 

Das war letzte Woche. Am Wochenende waren wir auf einem Kunsthandwerkermarkt. Eine Frau zeigte Stickbilder, auch welche mit Hühnern. Zum Trost wollte ich meiner Tochter eins schenken.  „Du Mama, die sind doch nicht echt und die Eier sind viel zu klein, da pellt man ja ewig!“

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