Kategorie: Behinderung

morgens

Montagmorgens geht’s bei uns auch nicht anders zu, als jeden Morgen. Einer der Junioren badet immer. Heute ist es Carsten und Wiebke sitzt trödelnderweise auf dem Klo.
Aus der Badewanne kommt Wehklagen: “Ich will nicht!”
Mama: “Was willst du nicht?”
Antwort vom Klo: “…nicht in die Werkstatt gehen.”
“Doch, nur will ich nicht soooo früh baden!”
Dann schläfst du halt demnächst mit Windel…”
Carsten: “Neeeeeeeeee…”
Wiebke: “Das ist ungerecht… Dann kann sein Popo nie frei atmen.“
Carsten: “Freiheit für jeden Popo!”
Mama: “Freiheit für die Eltern!”
Wiebke: “Warum?”
Carsten: “Eltern brauchen das nicht, sie haben Kinder und für Kinder müssen sie sorgen.”
Wiebke: “Stimmt!”

darf ich?

Eigentlich interessiert es mich nicht, ob ich darf oder nicht. In der Nacht waberte ein Gedanke in meinem Kopf herum, ob ich überhaupt von der Angst erzählen darf – hat doch jeder hin und wieder Angst und es scheint selbstverständlich zu sein. Angst als Krankheit wird komisch angeguckt. Du siehst doch ganz normal aus. Schau sie sie dir an deine Angst, dann kannst du sie angehen! Ja, wenn das so einfach wäre. Es ist einfach, sagt eine vermeintliche Freundin; du muss es nur wollen. Damit wird mir unterstellt, dass ich mich in meiner Situation häuslich eingerichtet habe und eigentlich gar nichts ändern will. Lerne klagen, ohne zu leiden! Ein bisschen anders ist das schon – bei jedem ist es anders, nie gleichen zwei Schicksale einander. Es gibt bestimmt Menschen, die mich ob meines Lebensstil beneiden und ganz viele, die mich bedauern. 

Jetzt meine Frage: darf ich meine Angst zum Thema machen? Bitte, ich will keine Antworten, dass das hier ja mein Blog ist und ich machen kann, was ich will usw. und so fort. Natürlich darf ich. Aber es soll auch nicht das alleinige Thema sein. Ich möchte jedoch unsichtbare Krankheiten sichtbar machen. Angst ist neben Depression gar nicht so selten und kann viel besser kaschiert werden, als Rückenschmerzen. Zudem hat Angst den Makel, dass man doch selbst etwas ändern kann – wenn man denn nur will. Es gibt viele Medikamente. Wenn diese aber nicht wirken? Die Nebenwirkungen zu stark sind und wenn man dann zunimmt, das Selbstwertgefühl leidet?

Ich bin eine gute Schauspielerin. Mir sieht man nicht an, dass es mir schlecht geht, dass ich Angst habe und wenn ich in Panikattacken stecke, dann verkrieche ich mich eben. Für die Junioren ist das normal. Sie wissen, dass ich sie uneingeschränkt liebe und dass das nichts mit ihnen zu tun hat. Jedenfalls nichts mit ihrer Person. Sie sind weiterhin fröhlich.

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Danke, dass ihr bis hierhin gelesen habt. Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!🍃

Nachtgedanken nach der Wahl

Wenn ich nachts aufwache und nicht mehr schlafen kann frag ich mich: Warum?

Kein Vollmond am Himmel, meine privaten Sorgen sind klein, dennoch vorhanden. Mein Geist schwirrt ziellos durch die Zeit. Meine Sorge gilt dem Land. Mir raubt schwarz-blau den Schlaf und tagsüber tatsächlich auch den Mut. Die Junioren bleiben heute Zuhause. 

Einsam sitze ich hier und frage: Warum? Niemand (?) aus meinem Umfeld hat AfD gewählt und doch ist sie auch hier im Dorf zweitstärkste Partei! Wem kann ich noch vorurteilsfrei begegnen? Diese Wahl schürt nicht nur Ängste, sondern auch Misstrauen. Was bedeutet das für Menschen mit Behinderung? Kommt es wieder soweit, dass mir vorgeworfen wird: Ihr lebt auf Kosten der Allgemeinheit! Ich bin aus der Schockstarre noch nicht erwacht. Dabei ahnte ich es vorher – gehofft habe ich anders! Mir ist kalt, ich friere auch der sozialen Kälte wegen.

 

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