Kategorie: Behinderung

ein Freund sagte mir

Kurz bevor unser Freund vor Jahren gestorben ist, nachdem er vorher eine sehr lange Zeit mit extremen Knochenbrüchen und Schmerzen hatte, sich aber niemals unterkriegen ließ, sagte er zu mir: „Petra, auch mit Glasknochen kannst du deinen Sohn nicht in Watte packen. Schau mich an, ich habe mir im Leben schon so viel gebrochen und ich bin immer wieder aufgestanden. Knochen heilen, aber ein verschenktes Leben, nur weil mal etwas brechen kann, ist ein vergeudetes Leben. Lass ihn machen, er macht das schon richtig!“

Heute bin ich verzagt, weil ich den Junioren nichts bieten kann. Auch glaube ich, dass sich der Kerle einmal wieder einen Zeh gebrochen hat. Grünblaubraun ist ein mittlerer und er steht etwas ab. „Sollen wir es richten lassen?“ „Nein, nützt doch eh nichts. Gib mir ein Schmerzmittel. Mach nen Pflaster drum und gut ist‘s!“ „Okay.“

Das Pflaster ist schon abgefallen. Carsten lümmelt auf der Matratze herum und seine Schwester singt ihm ein Lied!

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Morgen machen wir dann was. Morgen kommt S. und hoffentlich pfeift meine Lunge nicht so wie heute auf dem letzten Loch!

feige sein

In der Regel bin ich nicht feige – ich habe nur wahnsinnig viele Bedenken und wenn ein Gerät der Junioren kaputt geht, dann versetzt mich das in Panik. Technisch gesehen bin ich ein Dummie. Leider habe ich auch niemanden, den ich fragen kann. Jetzt ist des Kerles Tablet defekt – ich vermute, dass der Akku nicht mehr lädt. Carsten sieht so schlecht und dies Teil ist sein Tor zur Welt! 

Zum Handydoktor muss ich gehen. Auch wenn ich nicht feige bin und mir dort niemand den Kopf abreißen wird, ja ganz im Gegenteil sie wollen mir helfen, es kostet mich eine Mordüberwindung – ich muss wieder mit Menschen sprechen, die ich nicht kenne! Das ist ein Teil meines AutismusSpektrum (soziale Phobie). 

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Was ganz anderes: eine Freundin zieht seit ein paar Wochen um. Ich versuche ihr so weit es mir möglich ist zu helfen – jetzt ist endlich Ende in Sicht! In mir ist nun der Wunsch gereift meinen Keller aufzuräumen und zu entrümpeln.

angefangen

Da hatte ich einen Beitrag angefangen, über Betroffenheitsaktivismus  – aber ich schreibe ihn nicht weiter. Es könnte mir als Dauerbeleidigsein ausgelegt werden, oder gar als Dauerjammerei und; ich müsste doch nur selbst was tun. 

Der Spruch: Die Gesellschaft ist nun mal so!, der geht mir gehörig auf den Keks! Wer ist denn Die Gesellschaft? Das sind doch wir alle. Wir grenzen ab, wir grenzen aus. Ich auch und deswegen werde ich keine Steine schmeißen – sie könnten mich treffen. Absolutismen mag ich nicht und Vorverurteilungen hasse ich sogar. Warum wer wie handelt, das hat immer Gründe. Meistens sind sie fundiert, wenn auch nicht immer nachvollziehbar und gut. Menschen machen Fehler. Wenn jetzt zum Beispiel keine Freizeithelfer gefunden wurden, kann das ganz viele Ursachen haben. Dass mir persönlich nicht Bescheid gesagt wurde, auch. Ist nicht schön gewesen, liegt aber sicherlich auch an persönlichen Animositäten. Die Leute haben sich bemüht und ihr Möglichstes getan. Vielleicht ein bisschen zu spät.

Es ist nicht gut. Aber wer weiß das schon?

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Ich wollte auch über Familie schreiben, über vermeintliche und echte Freunde, über angeblichen Trost, der eine Backpfeife, über ein tolles Angebot, das leider nicht machbar ist und über die Tapferkeit der Junioren – aber diese kennt ihr ja schon.

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