Kategorie: Alltag

normal, was ist normal?

Normalität ist für mich was anderes, als für euch. Für Maria, die ihre Kinder pflegt, was anderes, als für mich. Für Edelgard, deren Sohn, Weglauftendenzen hat, wieder was anderes und für Heinz, der seine Frau pflegt noch einmal komplett anders.
Elisabet, die niemanden pflegt, ist jeden Tag unterwegs und könnte sich nicht vorstellen, das nicht zu tun. Sie nennt es: ein Stück Freiheit!

Was ist normal? Will ich normal sein? Willst du es?

Auf die Frage, wie es mir geht, antworte ich schon lange nicht mehr: „Gut!“, wie üblich. Entweder sage ich: „Normal!“, wenn der/die Fragesteller*in nur um des fragens willen fragt, oder ich antworte wahrheitsgemäß.

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Mein/unser normaler Alltag beginnt jetzt. Allerdings doch ein bisschen anders. Wir fahren in die Lungenklinik um des Kerles Husten untersuchen zu lassen. Das Töchting ist Begleitung…

11. September 2001 Twin Towers

Ein Dienstag, vormittags lief die Waschmaschine wieder ununterbrochen, weil der Kerle in der Nacht ohne Windel geschlafen hat. Ich war leicht gestresst, hatte Kopfweh und überhaupt keine Lust zu bügeln. Um mir wenigstens die Zeit vertreiben zu können, sie ein wenig kurzweiliger zu machen, stellte ich mein Bügelbrett vor den Fernseher und wollte mir gerade einen Schnulzenfilm in den Videorecorder schieben, da wurde die laufende Talkshow – Jürgen Fliege, war es, so glaube ich mich zu erinnern, – die Talkshow wurde jäh unterbrochen.

Eine Sondersendung der Tagesschau flimmerte über den Bildschirm. In New York sei ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen. Ein Turm brennt. Menschen rufen aus den Büros die Rettung und die Feuerwehr an. Sirenengeheul auf den Straßen der Riesenmetrolpole, Panik! Alle rennen, laufen, die Kameraeinstellungen sind wirr, stolpern, stürzen und wackeln. Ein eilig hingelaufener Reporter steht bleich auf der Straße – mitten drauf – vor den beiden Türmen und weiß vor lauter Aufregung nicht, was er sagen soll.

Mich beschäftigt das in diesem Augenblick sehr, so sehr, dass ich meinen Mann anrufe. »Was willst du? Ich bin mitten in einer Besprechung. Ist es etwas Wichtiges?« »Schalt mal ein Radio ein, oder versuche irgendwie an einen Fernseher zu kommen, in New York ist die Hölle los!« »Interessiert mich doch nicht, was in Amerika passiert!«

Aufregung im Fernseher. Die Bilder auf der Mattscheibe beginnen zu wackeln, hektischer Kameraschwenk, Schreie, Entsetzen, völliges Durcheinander. Ein Kameramann reißt sein Gerät nach oben, zu den Wolkenkratzern und da passiert das Unglaubliche. Während die Bilder laufen, live im Fernsehen gezeigt werden – Bilder von schreienden, hysterischen Menschenmassen, die um ihr Leben rennen, über und über mit Schutt und Asche bedeckt sind – rast ein zweites Flugzeug in den anderen Turm …

Ich will das nicht sehen, will den Kasten ausmachen, möchte seichte Musik und Schlager hören, will mich berieseln lassen und komme trotzdem von den Bildern nicht weg. Die CD, die ich in den Player lege, regt mich nur auf – weg damit. Im Radio gibt’s auch nur hektische Stimmen …

Es klingelt an der Haustür: Was, schon so spät? – Die Junioren kommen. «Mama«, schreit Carsten schon von weitem, »Mama, hast du das gehört? Da sind Idioten unterwegs. Es sind 2 Flugzeuge ins World Trade Center geflogen. Und eins ins Pentagon. Und die blöden Menschen …«

Mein Bügelbrett und die darauf liegenden Hemden waren mir völlig egal! Soll doch der Mann ungebügelt ins Büro gehen. Wenn er sich nicht dafür interessiert, was ich ihm dringend mitteilen wollte, dann sollte er doch auch selber sehen, wie er herumläuft.

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Noch heute beschäftig mich dieser Anschlag genauso wie damals. Nimmt mich mit. Macht mir Herzklopfen und es ist völlig egal, was ich eigentlich schreiben wollte!

Jung

Ich bin nicht das, was mir passiert ist, ich bin, was ich beschließe zu werden. | Carl Gustav Jung

Schön wär‘s, ich könnte das beherzigen. Aber eigentlich tu ich das. Vielleicht sollte ich, statt »zu werden, zu sein« sagen, dann wird eher ein Paar Schuhe draus.  Ich beschließe jedenfalls etwas nicht mehr zu sein und besser hinzugucken:

Auch auf Briefe besser zu schauen, denn das erspart lange Wartezeitenschleifen! 

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